Darum gehts
- Die Schweiz leidet unter Hitze-Nachwirkungen 2026, 2027 könnte noch wärmer werden
- El Niño heizt Temperaturen an: Wassertemperaturen im Pazifik bis 8 Grad höher
- Mögliche Folgen: Ernteausfälle, steigende Preise für Zucker, Kaffee und Kakao
Obwohl es in der Schweiz momentan eher wieder kühl und regnerisch ist, leidet das Land noch an den Nachwehen der langen Hitzewelle vom Sommer 2026. Wiesen und Felder trockneten aus, die Pegel der Gewässer sanken auf einen historischen Tiefstand und die Menschen ächzten und schwitzten bei Temperaturen von fast 40 Grad.
Klimaforscher warnten bereits im Frühling vor einem besonders heissen 2026. Die Temperaturen wurden unter anderem durch ein starkes El-Niño-Phänomen in die Höhe getrieben.
Jetzt schlagen die Experten erneut Alarm. Das Jahr 2027 könnte seinen Vorgänger in Sachen Hitze weltweit sogar noch übertreffen. Im Pazifik braut sich wohl gerade das stärkste El‑Niño-Phänomen seit langer Zeit zusammen.
Was ist das El-Niño-Phänomen?
Der Geburtsort des Phänomens ist der Pazifische Ozean, erklärte Klimaforscher Thomas Frölicher im Gespräch mit Blick. Es ist ein Zusammenspiel von Meereswasser und Wind.
«Normalerweise treiben starke Passatwinde warmes Oberflächenwasser nach Westen Richtung Indonesien, während vor Südamerika kaltes Wasser aus der Tiefe aufsteigt», erklärt der Experte. Es entsteht also ein Kreislauf, der die weltweiten Temperaturen reguliert.
«Bei El Niño schwächen sich diese Winde ab und der Auftrieb bleibt aus, so dass das Wasser im östlichen Pazifik deutlich wärmer wird.» Das heisst tendenziell: Je stärker das Phänomen, desto wärmer wird das Jahr.
Warum wird es 2027 so stark?
Ein El Niño braut sich in unregelmässigen Abständen zusammen. Wissenschaftler erklären ein El-Niño-Ereignis, wenn die Meeresoberflächentemperaturen in einem Schlüsselgebiet des Pazifiks ein halbes Grad oder mehr über dem Durchschnitt liegen. Laut aktuellen Messungen liegen sie momentan mehr als zwei Grad über dem Normalwert. Das berichtet der Wetterdienst der BBC.
In den Tiefen des Pazifiks liegen die Temperaturen sogar noch weiter über dem Durchschnitt – teilweise ist die Wassertemperatur acht Grad über dem Normalwert. Das könnte den El Niño für das kommende Jahr noch weiter verstärken. «Es ist nicht auszuschliessen, dass dies das stärkste El-Niño-Ereignis seit 500 oder sogar 1000 Jahren sein könnte», meint ein Experte zur BBC. Die Folge könnten weltweit Temperaturen von drei bis vier Grad über dem Durchschnitt sein.
Welche Auswirkungen hat das auf die Schweiz?
Der El Niño spielt vor allem mit dem Wetter in den Ländern rund um den Pazifik verrückt. So erlebt beispielsweise die Westküste Südamerikas typischerweise starke Regenfälle und Überschwemmungen, während es etwa in Australien und Indonesien zu Hitze und Dürren kommt.
Die Effekte von El Niño sind wettertechnisch hierzulande weniger deutlich zu spüren als etwa in den Tropen. Das Phänomen könnte sich in der Schweiz aber im Portemonnaie bemerkbar machen.
Laut SRF hatten frühere intensive El-Niño-Jahre erhebliche Ernteausfälle in den stark betroffenen Regionen zur Folge. Das sorgte etwa dafür, dass viele global gehandelte Produkte wie Zucker, Kaffee oder Kakao knapper wurden, was wiederum zu einem Preisanstieg führte.