Darum gehts
- Landwirte in Zürich müssen Futtermais nachts wegen Hitze ernten
- Ernte bei Hitze gefährdet Gärprozess und Futterqualität
- Präsident: Nachternte erstmals in 40 Jahren nötig
Wer im Kanton Zürich auf dem Land lebt, dem könnten in den kommenden Wochen unruhige Nächte bevorstehen. Wegen der andauernden Hitzewelle müssen die Bauern die Futtermaisernte nämlich in der Nacht durchführen. Dies, um die Mais-Qualität sicherzustellen.
«Wir würden das eigentlich auch lieber zu einer anderen Zeit machen», meint Ferdi Hodel, Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbandes. «Die Maisernte ist laut. Es kommen verschiedene Fahrzeuge zum Einsatz und sie dauert mehrere Stunden.» Aktuell sei es aber so aussergewöhnlich trocken und heiss, dass die Bauern schlicht keine andere Wahl hätten. «Wir müssen alle verfügbaren Mittel und Möglichkeiten einsetzen», so Hodel im Gespräch mit Blick.
Auch für ihn ist die Nachternte eine Premiere. «Das habe ich in 40 Jahren noch nie erlebt.»
Gärprozess durch Hitze gefährdet
Im Gegensatz zum Körnermais wird beim Futtermais die ganze Pflanze verarbeitet. Kolben, Strunk und Blätter werden noch bei der Ernte zerkleinert und als Tierfutter in ein Silo eingelagert. In diesem Silo findet ein Gärprozess statt, um den Mais haltbarer und für die Tiere leichter verdaulich zu machen.
«Erfolgt die Ernte bei grosser Hitze, erwärmt sich das Erntegut stärker. Dies erschwert den Gärprozess und kann die Qualität des Futters beeinträchtigen», heisst es in der Mitteilung des Zürcher Bauernverbandes, in der die Nachternten angekündigt werden.
«Rettet, was es zu retten gibt»
Der Bauernverband wollte die betroffenen Anwohner und Gemeinden präventiv auf die nächtliche Maisernte aufmerksam machen. «Eigentlich ist es schlimm, dass sich die Bauern für ihre Arbeit entschuldigen müssen», meint Hodel. Der Verband wollte aber trotzdem den Lärmbeschwerden zuvorkommen.
Bis jetzt waren die Reaktionen auf die Ankündigung laut Hodel fast ausschliesslich positiv. «Die Leute zeigen viel Verständnis. ‹Rettet, was es zu retten gibt›, hat mir zum Beispiel jemand gesagt.» Bleibt für den Bauernverband zu hoffen, dass die Stimmung der Zürcher Landbevölkerung nicht umschlägt, wenn sie mitten in der Nacht von einem Traktor geweckt wird.
Gegen die Nachtruhe werden die aussergewöhnlichen Ernten wohl nicht verstossen. Fast alle Zürcher Gemeinden machen bei ihren Bestimmungen eine Ausnahme für landwirtschaftliche Arbeiten, wenn die Bauern aufgrund höherer Gewalt keine andere Möglichkeit haben.