Gefährliche Sprengfallen in der Strasse von Hormus
So könnte eine Minen-Mission ablaufen – und das macht sie so schwer

Iranische Streitkräfte haben mehrere Sprengsätze in der Strasse von Hormus platziert. Die wichtige Meerenge von den Sprengkörpern zu befreien, könnte Monate dauern. Wie könnte eine Minen-Mission ablaufen und was braucht es dafür?
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Die Mullahs sollen über mehrere Tausend Minen verfügen. So funktionieren sie.
Foto: Blick Visuals

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Iran hat die Strasse von Hormus mit mindestens einem Dutzend Minen vermint
  • Minenräumung könnte Monate dauern
  • Wichtige Seestrasse wird sich wohl nur durch Verhandlungen freibekommen lassen
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Marian NadlerRedaktor News

Die Strasse von Hormus könnte offen sein – und trotzdem tot. Denn iranische Streitkräfte haben die Meerenge teilweise vermint. US-Medien berichten unter Berufung auf Geheimdienstinformationen von mindestens einem Dutzend Minen.

Die Mullahs sollen über mehrere Tausend Minen verfügen.
Foto: Blick Visuals

Was nach einem kleinen Problem tönt, ist ein riesiges – weil die Wasserstrasse extrem eng ist, reichen wenige Minen aus, um Schiffe von einer Durchfahrt abzuschrecken.

Wie läuft eine Minenräumungsmission ab?

Sie sind billig, nahezu unsichtbar – und wirken nicht nur explosiv, sondern auch psychologisch: Welcher Kapitän traut sich noch durch die Strasse, wenn er nicht weiss, ob sein Schiff vielleicht in die Luft gesprengt wird?

Die Strasse muss also geräumt werden, daran führt kein Weg vorbei. Wie könnte eine solche US-Mission ablaufen?

Die US-Marine könnte bei der Minenabwehr auf neue Küstenkampfschiffe, die sogenannten Littoral Combat Ships, die speziell für Einsätze in Küstengewässern konzipiert sind, setzen. Sie bleiben ausserhalb der Minenfelder und setzen Helikopter sowie Unter- und Überwasserdrohnen ein.

Allerdings ist die Technologie noch nicht ausgereift, wie «Defense One» berichtet: Tests zeigen Probleme bei der Minenerkennung, die Systeme benötigen aufwendige Vorbereitung und können nur begrenzt autonom eingesetzt werden. Zudem ist ihre tatsächliche Einsatzfähigkeit laut Pentagon bislang nicht eindeutig nachgewiesen.

Drei Phasen bis zur zerstörten Mine

Im Grunde durchläuft jede Entminungsmission drei Phasen, wie die US Navy in mehreren Medienmitteilungen beschreibt. Phase eins umfasst das Finden der Minen. Die US Navy beschreibt in einer Mitteilung, dass ihre Minenabwehrsysteme Minen per Sonar, Luftsensoren und unbemannten Fahrzeugen aufspüren. Konkret heisst es, unbemannte Unterwasserfahrzeuge würden vorprogrammierte Routen fahren und Sonar nutzen, um Objekte auf dem Meeresboden zu suchen.

Schritt zwei ist dann das Identifizieren der Funde. Die ferngelenkten Unterwasserdrohnen verfügen über hochauflösende Kameras und Sensoren. Reichen die aufgenommenen Bilder und erhobenen Daten nicht aus, können Taucher die Objekte prüfen. Sind es tatsächlich Minen oder handelte es sich um einen Fehlalarm?

Die letzte Phase dient der Beseitigung der Minen. Die Sprengfallen werden aus sicherer Entfernung zerstört. Die US Navy verfügt diesbezüglich unter anderem über das sogenannte Airborne Mine Neutralization System. Es wird von MH-60S-Helikoptern eingesetzt und zerstört stehende oder auf dem Meeresboden liegende Minen aus sicherer Distanz. Unbemannte Unterwasserfahrzeuge werden aus der Luft ins Wasser abgeworfen, orten die Mine per integriertem Sonar und Kamera, steuern autonom oder ferngelenkt darauf zu und detonieren eine Sprengladung zur Zerstörung.

Den Mullahs nutzt die Angst vor Minen

Aktuell liegt eine solche Mission aber noch in weiter Ferne. Solange die Möglichkeit von Kampfhandlungen besteht, ist eine Räumung ausgeschlossen. Unter Beschuss ist eine Räumung kaum möglich. Räumgeräte, Helikopter und Taucher wären leichte Ziele.

Und: Die USA können eine Minenräumung kaum alleine stemmen – entsprechende Fähigkeiten wurden seit dem Irakkrieg stark zurückgebaut. Neben wenigen Verbündeten wie Grossbritannien, Frankreich oder Deutschland fehlt es weltweit an Kapazitäten.

Der Schweizer Minenspezialist Philipp von Michaelis bringt das Problem auf den Punkt: «Seeminen sind leicht zu verlegen und extrem schwer zu beseitigen.» Selbst nach einem Kriegsende bleibt die Gefahr bestehen: «Man wird sicherstellen müssen, dass das Gebiet frei von Minen ist und bleibt.»

USA versenkt ein Dutzend iranische Minenleger
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Auf wichtiger Wasserstrasse:USA versenkt ein Dutzend iranische Minenleger

Die «New York Post» berichtete unter Berufung auf einen Bericht des US-Kongresses, dass die Minenräumung in der Strasse von Hormus Monate dauern könnte. Das heisst, selbst wenn den USA eine militärische Öffnung gelänge, würde die wirtschaftliche Öffnung noch auf sich warten lassen.

Dem Mullah-Regime ist das bewusst. Nicht die eigentliche Explosion der Minen hält die Wirtschaft auf – sondern die Angst davor. Die Strasse von Hormus wird sich nicht freischiessen, sondern nur freiverhandeln lassen.

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