Darum gehts
- Trump und Iran vereinbaren zweiwöchige Waffenruhe, Verhandlungen statt Eskalation
- Iran behält Kontrolle über die Strasse von Hormus, stärkt seine Verhandlungsposition
- USA riskieren Gesichtsverlust: Unklarheit bei Atomprogramm, Sanktionen und langfristigen Lösungen
Gerade noch drohte US-Präsident Donald Trump (79) mit der totalen Vernichtung Irans. Wenige Stunden später dann der Rückzug: Waffenruhe für zwei Wochen, Verhandlungen statt Bomben. Was wie ein diplomatischer Erfolg aussieht, ist bei genauerem Hinsehen vor allem eines – ein riskanter Deal mit unklaren Gewinnern. Durchbruch oder nur Verschnaufpause? So könnte es weitergehen.
Iran plötzlich in der besseren Position
Trotz Waffenruhe fliegt Iran auch weiter Drohnen auf andere Golfstaaten. Das Problem: Die Waffenruhe gilt nur für die USA und Iran – nicht aber für andere involvierte Staaten. Auch die Ausgangslage nach dieser Feuerpause ist paradox: Militärisch wurde Iran unter Druck gesetzt. Politisch steht das Regime heute stärker da als zuvor.
Der Grund liegt in einem schmalen Nadelöhr – der Strasse von Hormus. Sie ist nicht einfach Teil des Deals, sie ist dessen Zentrum. Zwar hat Iran zugesagt, die wichtige Ölroute wieder zu öffnen und Öltankern sichere Durchreise zu gewähren. Doch die Kontrolle über die Meeresenge bleibt in Teheran. Schiffe passieren nicht frei, sondern unter Aufsicht iranischer Streitkräfte – und möglicherweise gegen Gebühr.
USA müssen plötzlich diplomatisch werden
Damit hat sich der Iran ein Druckmittel gesichert, das weit über diese zwei Wochen hinaus wirkt. Wer den globalen Ölfluss beeinflussen kann, verhandelt nicht auf Augenhöhe – sondern aus einer Position der Stärke. Und genau das zwingt ausgerechnet die USA jetzt in eine ungewohnte Rolle: Sie müssen den Gegner umwerben, statt ihn nur unter Druck zu setzen.
Denn ohne iranische Kooperation bleibt Hormus ein Risiko für die Weltwirtschaft. Washington kann es sich schlicht nicht leisten, Teheran zu brüskieren. Statt maximaler Drohungen braucht es plötzlich Diplomatie – und zwar mit genau jenem Regime, das Trump zuvor noch auslöschen wollte.
Das zeigt sich auch am Vermittler: Pakistan. Für die USA ist das ein Umweg, weil direkte Gespräche politisch kaum möglich sind. Gleichzeitig zeigt es, wie verfahren die Lage ist: Ohne Dritte geht nichts mehr. Doch selbst mit Vermittlung bleibt das Grundproblem bestehen: Beide Seiten haben völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, was diese Waffenruhe bedeutet – und wohin sie führen soll.
Kernfragen bleiben ungelöst
Inhaltlich ist nichts gelöst. Das iranische Atomprogramm bleibt Streitpunkt, ebenso die Sanktionen und Irans regionale Rolle. Teheran fordert weitreichende Zugeständnisse: wirtschaftliche Entlastung, Zugriff auf blockierte Gelder, langfristige Sicherheitsgarantien. Für Washington sind das Forderungen, die kaum ohne Gesichtsverlust akzeptiert werden können.
Trump steckt damit in einem klassischen Dilemma. Seine Strategie der maximalen Drohung hat kurzfristig Bewegung erzeugt – aber keinen klaren Ausgang. Jetzt muss er liefern: einen Deal, der innenpolitisch als Erfolg verkauft werden kann und gleichzeitig die eigenen Kriegsziele nicht unterläuft. Das Problem: Je realistischer ein solcher Deal wird, desto mehr ähnelt er einem Kompromiss – und damit genau dem, was Trump politisch immer vermeiden wollte.
Hinzu kommt ein strukturelles Risiko seiner Taktik. Wer mit maximalen Drohungen operiert, muss sie ständig steigern, um glaubwürdig zu bleiben. Genau daraus entsteht eine Eskalationsspirale: Wenn Worte an Wirkung verlieren, steigt der Druck, sie in Taten umzusetzen. Die zweiwöchige Waffenruhe unterbricht diese Dynamik nur – sie beendet sie nicht.
Drei Szenarien – alle heikel
Ein realistischer Verlauf ist ein begrenzter Kompromiss, der vor allem Zeit kauft. Die Strasse von Hormus bleibt offen, vielleicht werden einzelne Sanktionen gelockert, während die grossen Streitpunkte vertagt werden. Das würde die Lage stabilisieren, aber keine nachhaltige Lösung bringen. Der Konflikt würde damit in einen Zustand permanenter Unsicherheit überführt.
Ebenso denkbar ist, dass Trump weitergeht und einen umfassenderen Deal anstrebt. Doch je mehr er dem Iran entgegenkommt, desto grösser wird der politische Preis. Ein Abkommen, das Teheran wirtschaftlich entlastet und gleichzeitig seine strategische Position stärkt, könnte in Washington schnell als Kapitulation gelesen werden. Trump müsste von seinen ursprünglichen Kriegszielen abrücken. Und mit einem Regime dealen, das er noch vor wenigen Tagen stürzen wollte.
Am heikelsten ist jedoch das Szenario eines Scheiterns. Die Differenzen sind fundamental, das Misstrauen tief. Sollte keine Einigung zustande kommen, droht eine Rückkehr zur Eskalation – nur unter veränderten Vorzeichen. Iran hätte bewiesen, dass es mit der Kontrolle über Hormus die Weltwirtschaft unter Druck setzen kann. Und Trump hätte gezeigt, dass seine roten Linien verhandelbar sind. Die Waffenruhe verschafft Zeit. Mehr nicht.