USA zerstören grösste Brücke Irans
0:22
Trump postet Video:USA zerstören grösste Brücke Irans

Showdown im Persischen Golf
Tödlich, billig, unsichtbar: Irans Waffe gegen die Weltwirtschaft

Seeminen kosten nur ein paar Tausend Dollar pro Stück – aber sie können Supertanker versenken. Im Persischen Golf drohen die Mullahs mit ihrem tückischsten Kriegsinstrument
Kommentieren
1/6
Seeminen verfügen über enorme Sprengkraft. Im Bild eine kontrollierte Sprengung durch die deutsche Bundeswehr.
Foto: imago/photothek

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
RMS_Portrait_AUTOR_449.JPG
Lino SchaerenRedaktor

Teheran lässt im Persischen Golf die Muskeln spielen: Die Islamische Republik lockert die Sperre der Strasse von Hormus selektiv und erklärt zugleich die wichtigste Meerenge der Welt zu ihrem alleinigen Hoheitsgebiet. Wer passieren will, braucht die Erlaubnis der Revolutionswächter – und zahlt bis zu 2 Millionen Dollar.

Mehrere Tanker haben das Nadelöhr der Weltwirtschaft diese Woche bereits mit Erlaubnis der Mullahs durchquert. Sie alle haben Verbindungen zu Staaten wie China, Indien, Pakistan oder Thailand, die allesamt mit dem Iran in enger Verbindung stehen. Für die Passage mussten sie eine neue Route wählen, die nicht mehr mitten durch die Strasse von Hormus führt, sondern gefährlich nahe entlang der iranischen Küste verläuft.

Offiziell heisst es, diese Massnahme diene der «Sicherheit». Was darauf schliessen lässt, dass die Standardroute längst vermint sein könnte.

Trumps grösster Albtraum

Es geht dabei um eine Waffe, die US-Präsident Donald Trump derzeit besonders heftiges Kopfzerbrechen bereitet: Seeminen. Sie sind tückisch, weil kaum sichtbar, günstig herzustellen und doch in der Lage, einen Supertanker zu beschädigen oder völlig zu zerstören. Der Krieg in Nahost zeigt: Es ist nicht sehr schwierig, ganze Handelsrouten lahmzulegen – schon die Drohung, Gewässer zu verminen, reicht aus, um die Weltwirtschaft in Schnappatmung zu versetzen.

Irans Taktik hat globale Folgen. Weil zu Friedenszeiten gut ein Fünftel des weltweiten Handels mit Erdöl und Flüssiggas durch die Strasse von Hormus abgewickelt wird, steigen die Öl- und Spritpreise, natürlich auch im Land des Aggressors, den USA. Trump forderte die Nato-Staaten und Japan deshalb wiederholt auf, bei der Sicherung der Meerenge zu helfen. Er bat unter anderem um Entsendung von Minenräumschiffen. Die Antwort seiner Verbündeten: Schweigen, Zögern, Ausweichen. Niemand will sich in den Krieg mit dem Iran hineinziehen lassen.

Amerika steht fast alleine da

Das Problem: Amerika kann diese Aufgabe kaum alleine stemmen. Die Möglichkeiten zur Bekämpfung von Seeminen wurden nach dem Ende des Irakkriegs 2003 massiv zurückgefahren. Nebst den USA verfügen nur noch Grossbritannien, Frankreich, Deutschland, die Niederlande und Japan über nennenswerte Kapazitäten. Philipp von Michaelis (50), Chef des Schwyzer Unternehmens Global Clearance Solutions (GCS), warnt: «Seeminen sind leicht zu verlegen und extrem schwer zu beseitigen.»

GCS ist auf die Beseitigung von Landminen spezialisiert. Seit Russlands Überfall auf die Ukraine und dem Einsatz von Sprengsätzen im Schwarzen Meer beschäftigen sich von Michaelis und sein Team vermehrt mit Seeminen – und fokussieren dabei nicht nur auf die Entschärfung, sondern auch auf das Aufspüren der schwimmenden Sprengladungen.

Dazu dienen vor allem Drohnen – fliegende, schwimmende und tauchfähige. GCS entwickelt dafür nicht alle Drohnen selbst, sondern modifiziert bestehende Produkte und rüstet sie mit passenden Sensoren und Software aus. Denn die grösste Herausforderung bei Seeminen ist laut von Michaelis nicht deren Beseitigung, sondern sie überhaupt erst zu entdecken: «Gebiete wie der Persische Golf sind riesig, sie systematisch abzusuchen, dauert Monate.»

Gefunden – und schon wieder verschwunden

Selbst wenn man eine Mine gefunden hat, ist sie womöglich schon wieder weg. Es gibt Modelle, die fest am Meeresgrund verankert werden, viele treiben aber frei im Wasser. Wird eine von denen gefunden, befindet sie sich bis zum Eintreffen eines spezialisierten Schiffs häufig längst an einem völlig anderen Ort.

Gezündet werden die Minen entweder bei direktem Kontakt mit einem Schiff oder über Sensoren, die auf das Magnetfeld eines Schiffs oder die Schiffsschraube reagieren. Das macht die Umrüstung von Booten zu Minenräumschiffen so aufwendig. Die müssen Seeminen wegen ihrer enormen Detonationskraft einsammeln, statt sie vor Ort zu zerstören. Und damit deren Sensoren nicht auf die Räumschiffe reagieren, wird zu ihrem Bau statt Metall spezielles Material verwendet.

Das Kriegsarsenal des Irans dürfte gut mit Seeminen bestückt sein. Laut von Michaelis ist bekannt, dass das Mullah-Regime über Modelle aus Eigenproduktion verfügt, aber auch über Minen aus China und Russland.

Nach dem Krieg bleibt die Gefahr

GCS ist bereits seit geraumer Zeit im Nahen Osten aktiv: Das Unternehmen beschäftigt Spezialisten in der Region und pflegt ein Netzwerk von Partnern. Eine konkrete Anfrage im Zusammenhang mit der Sicherung der Strasse von Hormus hat es laut von Michaelis bisher aber nicht gegeben.

Ein solches Engagement wäre für die Schweizer derzeit ohnehin schwierig. Einerseits weil Minenräumung in einem aktiven Kriegsgebiet hochkomplex ist, andererseits, weil GCS bei der Unterstützung einer Kriegspartei mit dem Schweizer Neutralitätsgebot in Konflikt kommen könnte. Der GCS-Chef rechnet aber mit Anfragen nach dem Ende des bewaffneten Konflikts. «Wir stellen uns darauf ein und überlegen, welche Lösungen wir zeitnah liefern könnten», sagt von Michaelis.

Doch selbst wenn die Waffen irgendwann schweigen, ist das Problem nicht gelöst. Die Schweizer Spezialisten gehen davon aus, dass die Minen im Persischen Golf noch lange nach Kriegsende scharf bleiben und das Gebiet sogar nach der Räumung weiter überwacht werden muss. «Man wird langfristig sicherstellen müssen, dass das Gebiet frei von Minen ist und bleibt», sagt der GCS-Chef.

Irans grösster Trumpf im Krieg

Und Donald Trump? Er setzt alles daran, die Blockade der Meerenge im Persischen Golf möglichst rasch zu lösen. Denn eine längere Sperrung kann sich der US-Präsident politisch nicht leisten. Deshalb verhandelt er und droht gleichzeitig mit weiteren Angriffen. Inzwischen hat er Tausende Marines in die Region verlegt und lässt Kriegsschiffe patrouillieren.

Doch gegen eine unsichtbare Gefahr, die auf dem Meeresgrund lauert, hilft auch die stärkste Militärmacht der Welt nur begrenzt. Die Strasse von Hormus bleibt, was sie seit Wochen ist: eine Falle – aus der bislang niemand einen überzeugenden Ausweg kennt.

Was den Wasserweg zwischen Afrika und Asien in diesem Krieg zu Irans grösstem Trumpf gemacht hat.

Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen