Viermal mehr Unterschriften als nötig gesammelt
Bündner Münz-Rebellin übergibt Volksinitiative mit Rekord-Zuspruch

Mit ihrer Bargeld-Offensive mobilisiert Berta Caminada (78) Tausende Bündnerinnen und Bündner. Für ihre Volksinitiative sammelte sie in zwei Monaten 15'781 Unterschriften – fast viermal mehr als nötig. Damit stellt die Rentnerin einen neuen Rekord im Kanton auf.
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Berta Caminada überreicht ihre kantonale Volksinitiative vor der Bündner Standeskanzlei.
Foto: MARKUS CASUTT

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Berta Caminada (78) reichte am Montag ihre kantonale Initiative bei der Bündner Standeskanzlei ein
  • Initiative fordert zwingende Bargeldoption bei staatlichen Dienstleistungen
  • Insgesamt 15'781 Unterschriften gesammelt, nötig waren nur 4000
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Berta Caminada (78) ist der nächste Coup gelungen. Am Montag überreichte die Rentnerin aus Bonaduz GR ihre Volksinitiative «Barzahlung bei öffentlichen Dienstleistungen (Anti-Diskriminierungsinitiative)» der Standeskanzlei Graubünden. Bemerkenswert: Die parteilose Bündnerin hatte die kantonale Initiative erst vor zwei Monaten lanciert. Seither haben sie 15'781 Menschen aus sämtlichen 100 Gemeinden unterzeichnet. Nötig gewesen wären 4000.

Das Ziel der Initiative: Überall dort, wo der Staat oder staatsnahe Betriebe Leistungen anbieten, soll weiterhin mit Bargeld bezahlt werden können. Etwa im Postauto, an öffentlichen Parkautomaten oder Toiletten. Digitale Zahlungsmöglichkeiten sollen zwar bleiben – Bargeld aber nicht verschwinden. 

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«Ein Stück Autonomie» verloren

«Uns wurde bestätigt, dass noch kein anderes kantonales Initiativbegehren in Graubünden so viele Unterschriften gesammelt hat», freut sich Caminada gegenüber Blick. Der riesige Zuspruch zeige, wie wichtig das Anliegen der Bündner Bevölkerung sei.

Das bekamen Caminada und ihre rund 35 freiwilligen Helferinnen und Helfer beim Unterschriftensammeln zu spüren: Eine Frau aus Trin GR erzählte etwa, sie müsse ihren Kindern inzwischen beibringen, schwarzzufahren – weil sie ihnen noch kein Smartphone geben möchte. Der Grund: Seit Mitte Dezember kann man in Bündner Postautos beim Chauffeur kein Billett mehr kaufen – Tickets gibts nur noch digital. Früher habe man den Sprösslingen einfach einen Fünfliber fürs «Poschti» in die Hand gedrückt, sagt die Mutter.

Besonders betroffen sind laut Initianten auch ältere Menschen und Personen mit Beeinträchtigungen. Eine Betreuerin eines Behindertenheims erzählte Caminada, Bewohner hätten früher selbständig beim Chauffeur ein Billett kaufen können. Mit dem neuen System sei das ohne Hilfe nicht mehr möglich. Ihnen sei damit «ein Stück Autonomie» genommen worden. Das 14-köpfige Initiativkomitee spricht deshalb von einer «Diskriminierung» jener Menschen, die mit digitalen Zahlungsmitteln Mühe haben. Caminada: «Bei uns müssen alle gleichbehandelt werden. Egal, ob sie mit Karte, mit dem Handy oder eben mit Münz bezahlen wollen!»

Polit-Debüt mit 77 Jahren

Auslöser für Caminadas Debüt auf der grossen Polit-Bühne war der Postauto-Entscheid vom Dezember 2025: Caminada, selbst auf den Rollstuhl angewiesen, sah darin eine massive Benachteiligung – und lancierte kurzerhand die Petition «Postauto ohne Bargeld NEIN!».

Auch dort war der Zuspruch riesig: Innert weniger Wochen kamen 8078 Unterschriften zusammen. Schon damals kündigte die Rentnerin gegenüber Blick an: Sollte die Politik nicht handeln, werde sie eine kantonale Volksinitiative lancieren. «Und das mit 77 Jahren! Ich war nie in einer Partei und politisch nie aktiv. Aber das geht zu weit!», sagte sie damals. Doch Kanton und Postauto blieben hart. Caminada machte ihre Ankündigung wahr – und sammelte diesmal fast doppelt so viele Unterschriften. 

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