Darum gehts
- Berta Caminada (77) aus Bonaduz GR hat eine Petition für die Rückkehr von Bargeld im öffentlichen Verkehr lanciert
- Der Kanton und die Postauto AG lehnen die Rückkehr in einer neuen Stellungnahme ab
- Begründung: 2025 kauften nur 2 Prozent Tickets beim Postauto-Personal
Berta Caminada (77) ist wohl die grösste Bargeld-Verfechterin in ganz Graubünden – vielleicht auch der Schweiz. Kaum jemand kämpft so eifrig für den Erhalt von Münz und Nötli im Service public wie die Rentnerin aus dem Churer Vorort Bonaduz. Vergangenen Dezember lancierte die Rollstuhlgängerin eine Petition mit dem Titel «Postauto ohne Bargeld NEIN!». Der Grund: Seit Mitte Dezember kann man in Bündner Postautos beim Chauffeur kein Billett mehr kaufen – Tickets gibts nur noch digital. Das ist Caminada ein Dorn im Auge.
Damit ist sie nicht allein: Innert weniger Wochen sind über 8000 Unterschriften für ihre Petition zusammengekommen. Und auch die SVP Graubünden unterstützte die Forderung nach einem Gesetz, das Betriebe zur Annahme von Bargeld verpflichtet. Jetzt, drei Monate nach Einreichung der Petition, liegt die Antwort des Kantons und der Postauto AG vor. Sie lehnen eine Rückkehr zum Bargeld ab. Ein herber Rückschlag für die Bündner Bargeld-Vorkämpferin Caminada.
Nur noch 2 Prozent lösen das Billett beim Chauffeur
In der Mitteilung zum Entscheid erklärt der Kanton: «2025 kauften bei Postauto schweizweit noch 2 Prozent der Fahrgäste das Ticket beim Fahrpersonal. Die Kundschaft erwartet einfache, digitale Lösungen, die auch bargeldloses Bezahlen, Reservationen oder die Velomitnahme umfassen.» Der Betrieb von analogen Systemen wie Kassen in den Fahrzeugen verursache zusätzliche Kosten, die keinen Mehrwert bieten würden. Ausserdem gebe es mit der «VendaPrepaid»-Karte eine gleichwertige Alternative zum Bargeld, begründet der Kanton den Entscheid. Diese kann zwischen 10 und 20 Franken an jeder Verkaufsstelle und beim Fahrpersonal erworben werden. Mit dem Guthaben darauf können Passagiere anschliessend Billette an den Venda-Automaten kaufen.
Caminada habe mit einer Antwort in der Art gerechnet, sagt sie im Gespräch mit Blick. Warum? «Weil die zuständigen Leute keine Freude an mir und meiner Petition haben. Ich möchte weiterhin, dass digital, aber auch direkt mit Bargeld bezahlt werden kann. Und sie wollen stur nur das, was sie wollen.» Von ihrem Vorhaben abbringen lässt sie sich deshalb aber nicht: «So schnell gebe ich nicht auf», so die Rentnerin. Zu ihrem weiteren Vorgehen sagt sie: «Diesen Mittwoch treffe ich mich mit dem Präsidenten der Bündner SVP. Dann besprechen wir, wie es weitergeht.» Schon im Dezember erklärte sie gegenüber Blick: «Sollte sich der Grosse Rat in Graubünden nicht dazu durchringen, werde ich eine kantonale Volksinitiative lancieren.»
Der Kanton betont derweil seiner Stellungnahme: «Es ist ein grosses Anliegen, dass der öffentliche Verkehr für alle Menschen gleichermassen zugänglich bleibt.» Das macht die kämpferische Rentnerin hässig. Sie sieht darin eine «krasse Diskriminierung». «Und zwar von verschiedenen Gruppen von Steuerzahlern. Von älteren Menschen und Behinderten. Aber auch von Kindern oder Menschen, die einfach mit Bargeld bezahlen wollen.»