Darum gehts
- Italien bekämpft Übertourismus in Dolomiten mit Provinzpolizei und Gemeindepatrouillen
- 1,1 Millionen Touristen 2025: Elf Prozent mehr als 2024
- Touristen sind oft schlecht informiert
Die Dolomiten sind ein Paradies für Wanderer und Bergsteiger. Die beliebte italienische Region lockt mit ihren berühmten Gipfeln Hundertschaften von Touristen. Doch mit den Massen kommen die Probleme: Die Touristen sind schlecht ausgerüstet, lassen ihren Abfall links liegen und campieren, wo sie wollen.
Jetzt verlieren die Behörden in Cortina d'Ampezzo die Geduld mit Wanderern, die nur schnell ein spektakuläres Foto für Instagram und Co. machen wollen: Sie bieten die Provinzpolizei auf! Künftig werden die Beamten an besonders stark besuchten Orten die Gemeindepolizei unterstützen, wie das Regionalfernsehen Tele Belluno berichtet.
Tourismuswellen kaum zu verkraften
Die Region leidet unter den negativen Folgen des Massentourismus. Kein Wunder: 2025 kamen laut italienischen Medien mehr als 1,1 Millionen Gäste in die Belluneser Dolomiten, rund 11 Prozent mehr als das Jahr zuvor. Für die dünn besiedelte Region ist das schwer zu verkraften. Die Touristen sind oft schlecht vorbereitet auf die Berge, sie werden von schönen Social-Media-Videos angelockt, ohne sich richtig zu informieren, so das Tourismusportal Dolomiti Belluno.
Viele Einheimische in den Dolomiten haben die Nase gestrichen voll. Ein Südtiroler Bauer etwa hat an einem Wanderweg, der über sein Land führt, sogar ein Drehkreuz aufgebaut. Für 50 Meter Weg verlangt der Bauer 5 Euro Wegzoll, weil er von Instagram-Wanderern und Influencern überrannt wird, die unbedingt ein Foto von den beliebten Geislerspitzen haben wollen. «So gehts nicht weiter!», sagt er dem Sender Rai.
Schweizer setzen auf «Alpenranger»
Auch Schweizer Hotspots greifen durch gegen Touristen, die sich daneben benehmen. Wer sein Zelt oder sein Büssli abseits der offiziellen Campingplätze aufstellt oder parkiert, bekommt dies zu spüren. Die Gemeinde Obergoms VS setzt dabei auf ein neues Mittel: Sie hat den Job eines Rangers ausgeschrieben. Der «Alpenranger» soll das Gebiet um die Gemeinde patrouillieren und Wildcamper aufspüren.
Polizist spielen soll der Ranger aber nicht. Er soll die Wildcamper nur aufklären, denn viele sind schlecht informiert und wissen nicht, dass es verboten ist. Der Ranger soll sie auf offizielle Stellplätze lotsen, nicht Bussen oder Platzverweise aussprechen. Dazu ist nur die Polizei befugt, sie ist auch an diesem Projekt beteiligt.
Auch ganz oben ist das Problem erkannt. Schweiz Tourismus will den Übertourismus steuern. Der Kampf gegen dessen negative Folgen hat einiges gekostet, aber nur wenig gebracht. Trotz staatlicher Subventionen sind die Schweiz-Vermarkter an den eigenen Zielen zur Entlastung von Touristenmagneten gescheitert. In der Übernachtungsstatistik sei keine verbesserte räumliche oder zeitliche Verteilung der Besucherströme sichtbar, heisst es.