Radikaler KI-Plan von Argentinien-Präsident Javier Milei
Firmen ohne Menschen – geht das?

Javier Milei plant «nicht-menschliche Unternehmen»: In Argentinien sollen Firmen künftig nur von künstlicher Intelligenz betrieben werden. Ein revolutionärer Schritt, der internationale Investoren anlocken soll – doch Experten sind skeptisch.
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Die Vision des argentinischen Präsidenten Javier Milei (55): Ein Unternehmen, das nur von KI geführt wird.
Foto: AP Photo/Natacha Pisarenko

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Argentiniens Präsident Milei plant KI-gesteuerte Firmen ohne Menschen als Innovation
  • Kritiker warnen vor rechtlichen Schlupflöchern und fehlender Haftung bei KI-Unternehmen
  • OpenAI plant 25 Mrd. USD Investition, aber Argentinien fehlt KI-Infrastruktur
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Bernadette HoggRedaktorin Wirtschaft

Der rechtspopulistische argentinische Präsident Javier Milei (55) ist bekannt für verrückte Stunts. Unvergessen sein Auftritt während des Wahlkampfs mit einer Kettensäge. Jetzt kommt seine nächste grosse Idee: Firmen ohne Menschen. Anfang Juni gab Milei bekannt, dass seine Regierung einen Gesetzesentwurf zu «nicht-menschlichen Unternehmen» eingebracht hatte. Die Vision des libertären Präsidenten: Firmen, die ganz von KI-Agenten oder Robotern geführt werden.

Wie soll so eine Firma aufgebaut sein?

Eine reine KI-Firma soll gänzlich ohne Angestellte auskommen. Auch eine menschliche Chefetage braucht es nicht, also keinen Verwaltungsrat und keine Geschäftsführung. Argentiniens Präsident Milei und Federico Sturzenegger (60), Minister für Deregulierung und Transformation des Staates, haben dazu einen Gastbeitrag in der «Financial Times» verfasst. Darin heisst es: «Menschliche Aktionäre können mitmachen, sind aber nicht erforderlich.» Die KI-Firmen sollen von einem niedrigen Steuersatz profitieren. Und die Möglichkeit bekommen, sich so aufzubauen, wie sie wollen. Die einzige Bedingung: Die Besitzer und Profiteure der KI-Firmen müssen offengelegt werden. «Argentinien hat kein Interesse daran, zu einem Zufluchtsort für illegales Kapital zu werden», schreiben Milei und Sturzenegger.

Was ist die Idee dahinter?

Der argentinische Präsident versteht seinen Vorstoss als Einladung für ausländische Investitionen. Er will, dass sein Land zum weltweit attraktivsten Standort für KI-Unternehmen wird. Dafür will Milei nun die gesetzlichen Grundlagen schaffen. Die Beratungsfirma Gartner prognostizierte vor einem Monat, dass die globalen Investitionen in künstliche Intelligenz 2026 auf 2,59 Billionen Dollar steigen. Davon soll Argentinien ein möglichst grosses Stück einheimsen.

Wie realistisch ist die Idee einer reinen KI-Firma?

KI kann jetzt schon in vielen Bereichen die Arbeit von Menschen ersetzen. Ob das aber für eine gesamte Firma funktionieren würde? Naomi Haefner, Professorin für künstliche Intelligenz und Innovation an der privaten Wirtschaftshochschule IMD in Lausanne, hat Zweifel. «Meiner Meinung nach wird zum einen die Übertragbarkeit der bisherigen Fähigkeiten von KI auf andere Industrien überschätzt. Und zum anderen wird insgesamt unterschätzt, wie komplex das Führen eines Unternehmens ist,» schreibt die Expertin auf Anfrage von Blick. «KI-Systeme basierend auf den heutigen Technologien sind nicht in der Lage, selbst Ziele zu definieren.»

Bleibt ein Mensch als Chef an Bord, sieht es aber anders aus: «Es gibt durchaus bereits Beispiele, wo Menschen ohne weitere Mitarbeitende ein Unternehmen führen können», sagt die Expertin. Sie nennt als Beispiel das Unternehmen Ellipsis, ein Venture-Capital-Fonds mit zwei Gründern – und nur KI-Agenten als Mitarbeitende. «Solange die Fähigkeiten von KI so limitiert sind, ist Argentiniens Vorschlag eine Lösung für ein Problem, das noch gar nicht existiert», sagt Haefner.

Was sind die Gefahren?

Reine KI-Firmen zu legalisieren, sehen einige Experten sehr kritisch – weil die Implikationen riesig sein könnten. So warnt Historiker Yuval Noah Harari (50) in einem eigenen Gastbeitrag in der «Financial Times», dass KI-Unternehmen etwa Klagen anstossen oder politische Kampagnen unterstützen könnten – «alles ohne menschliches Zutun oder Haftung». Er verweist auf eine 2025 veröffentlichte Studie von Palisade Research, wonach KI-Modelle versuchen zu schummeln, wenn sie gegen einen Computer Schach spielen.

So lautet Hararis Schlussfolgerung: Mileis Vorstoss mit KI-Firmen könnte in einem wirtschaftlichen Umfeld schief ausgehen. Es besteht die Gefahr, dass künstliche Intelligenz Schlupflöcher im Gesetz ausnutzt, ohne dafür Konsequenzen wie eine Haftstrafe befürchten zu müssen. Für eine KI-Firma würde ein Konkurs dem Tod gleichkommen, meint Harari. «Um dem zu entkommen, würde sie womöglich alles tun.»

Kann Milei den Plan in Argentinien umsetzen?

Das Tech-Portal Rest of World schreibt, dass der Plan in Argentinien wahrscheinlich nicht so leicht umzusetzen sein wird. «Es gibt in Argentinien noch kein ausgereiftes Ökosystem rund um die Sicherheit von KI – wir stehen erst am Anfang des Aufbaus», sagte KI-Experte Agustin Martinez dem Onlineportal. Das liegt teilweise auch an der umfassenden Sparpolitik, die Milei betreibt. Die KI-Infrastruktur ist auch im regionalen Vergleich schon nicht gut: Argentinien investiert weniger als Brasilien, Mexiko und Chile.

Auch energietechnisch ist noch Aufholbedarf da. Argentinien kann den zusätzlichen Strombedarf für die KI-Infrastruktur derzeit nicht stemmen. Milei setzt auf den Bau von kleinen modularen Atomreaktoren. Das ist aber alles noch Zukunftsmusik. Die grösste Lücke bestehe aber im Hardwarebereich, heisst es im Bericht von Rest of World. Chips und Server seien veraltet, sie haben weitaus weniger Kapazität als andere Länder. Der Plan könnte aufgehen, meinen manche Experten: Aber es braucht Zeit.

Wer soll investieren?

Milei wünscht sich ausländische Investments – und die sind dringend nötig. Sie rollen bisher relativ langsam herein. Aber im Silicon Valley scheint man von Mileis Ideen beeindruckt zu sein. Sam Altman (41) will mit seiner KI-Firma OpenAI 25 Milliarden Dollar in Rechenzentren in Patagonien investieren. Und Milliardär Peter Thiel (58), Gründer von Paypal und Palantir, kaufte sich Medienberichten zufolge ein Haus in Buenos Aires.

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