Revolution in der Arbeitswelt
KI-Roboter ersetzen langsam die Menschen – was bedeutet das?

Immer mehr Unternehmen setzten voll auf künstliche Intelligenz – und tauschen ihre Angestellten durch KI-Agenten aus. Auch weil es sich finanziell lohnt. Experten malen für die kommenden Jahre ein düsteres Bild.
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Angestellter statt Spielzeug: KI-Roboter machen dem Menschen den Arbeitsplatz streitig.
Foto: IMAGO/Ardan Fuessmann

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • KI wird Arbeitswelt radikal verändern, Roboter ersetzen Menschen bis 2050
  • Ein Tesla-Roboter amortisiert sich bereits nach nur vier Monaten
  • Bis 2035 weltweit 1,3 Milliarden KI-Roboter, 4 Milliarden bis 2050
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In den kommenden Jahren werden wir eine dynamische Beschleunigung in der Entwicklung sogenannter Agenten der künstlichen Intelligenz (KI) erleben – also von Bots, die mit spezialisierten Aufgaben betraut werden. Und in der Lage sind, auf der Grundlage eines einfachen Befehls selbständig alle Schritte selbst von komplexen Prozessen durchzuführen.

Bislang erforderte diese Art von Arbeit, die aus einer Reihe einzigartiger und voneinander abhängiger Schritte besteht, menschliches Eingreifen. Eine vollständige Automatisierung, zumindest für die meisten Aufgaben, war schlichtweg unmöglich. Die Entwicklung künstlicher Intelligenz hat zu einem Paradigmenwechsel geführt. Und immer mehr Unternehmen beginnen, dies in ihren kurz- und langfristigen Strategien zu berücksichtigen.

Ein umfassender Bericht zu diesem Thema, der von Spezialisten der Citi Group erstellt wurde, lässt keinen Zweifel daran – es ist nur eine Frage der Zeit, bis menschliche Arbeitskräfte durch KI ersetzt werden. In dieser neuen Situation, in der wir neben Agenten auch humanoide Roboter berücksichtigen, die in der Lage sind, mehr manuelle Aufgaben zu übernehmen, wird der Arbeitsmarkt drastische Veränderungen erfahren. Nicht erst in den kommenden Jahrzehnten, sondern in den nächsten Monaten und Jahren.

«Beginn der grössten Umwälzung der Geschichte»

Rob Garlick, der Leiter des Teams, das den Bericht erstellte und inzwischen nicht mehr bei Citi tätig ist, sprach in einem Interview mit dem US-Sender CNBC auf interessante Weise über das bevorstehende Erdbeben in der Arbeitswelt. Und nannte deutlich den Grund, warum dieses unvermeidlich ist: «Wir bauen unsere Führungssysteme in wirtschaftlicher und geschäftlicher Hinsicht auf die Verherrlichung der Profitabilität.»

Das führt in eine offensichtliche Richtung: In Unternehmen wird alles darauf ausgerichtet, Kosten zu senken und gleichzeitig den Umsatz zu steigern. Garlick sagte dazu: «Wenn wir Rentabilität mit technologischem Fortschritt verbinden, stehen wir am Beginn der grössten Umwälzung der Geschichte. Im Kern geht es darum, dass künstliche Intelligenz immer mehr leisten kann, immer besser und immer billiger. Bis sie schliesslich den Menschen ersetzen wird.»

Seelenlose Arbeiter und seelenlose Mathematik

Diese Einschätzung teilen die meisten Marktanalysten, doch die reinen Zahlen sind weitaus interessanter. Dem Bericht von Citi zufolge wird die Anzahl KI-gestützter Roboter, die vielfältige Aufgaben – von der Lagerhaltung über die Reinigung bis hin zum Fahren – übernehmen können, bis 2035 weltweit voraussichtlich 1,3 Milliarden übersteigen. Bis 2050 soll diese Zahl auf 4 Milliarden Roboter ansteigen. Und dabei ist zu beachten, dass wir hier nur von physischen Maschinen sprechen. Das Aufkommen digitaler Agenten verändert die gesamte Dynamik zusätzlich – zum Nachteil der Menschen.

Schon aus rein wirtschaftlicher Sicht erweist sich der Ersatz von Arbeitskräften durch Menschen als äusserst kosteneffektiv. Geht man davon aus, dass ein durchschnittlicher Lagerarbeiter in Polen den Mindestlohn gut 1000 Franken brutto verdient und eine Acht-Stunden-Schicht leisten kann, belaufen sich die monatlichen Kosten für einen Arbeitgeber, der ein Lager rund um die Uhr betreiben möchte, auf etwa 4300 Franken. Humanoide Roboter, die solche Arbeitskräfte ersetzen sollen, wie beispielsweise der Tesla Optimus, werden voraussichtlich einen Serienproduktionspreis von rund 17'200 Franken erreichen. Das heisst, dass sich die Roboter-Investition in nur vier Monaten auszahlt.

Die Spezialisten von Citi führten ähnliche Berechnungen durch, berücksichtigten dabei aber, dass der amerikanische Markt mit etwas anderen Zinssätzen arbeitet. Sie gaben an, dass je nach Maschinenmodell die Rentabilität für das Unternehmen bereits nach vier Wochen erreicht werden könnte. In einem äusserst ungünstigen Szenario spätestens nach fünf Monaten.

Garlick äusserte sich im kürzlich geführten Interview zu diesem Thema und sagte: «Man kann schon heute humanoide Roboter kaufen, die sich im Vergleich zu Vollzeitbeschäftigten in weniger als 10 Wochen amortisieren. Da können Menschen nicht mithalten.»

Tanz der grossen Technologiekonzerne geht weiter

Die zuvor erwähnten KI-Agenten oder digitalen «Mitarbeiter» sind in dieser Hinsicht für Unternehmen noch profitabler. Obwohl ihre Integration in Unternehmenssysteme erhebliche Risiken birgt und die langfristigen Folgen für die Qualität der so bereitgestellten Dienstleistungen und erstellten Produkte zum jetzigen Zeitpunkt nicht eindeutig vorhergesagt werden können, sind immer mehr Unternehmen bereit, in sie zu investieren. OpenAI, Anthropic und Google sind sich dieser Trends bewusst und entwickeln selbst aktiv agentenbasierte Projekte – sowohl solche für Unternehmen als auch solche für den durchschnittlichen Nutzer, beispielsweise beim Surfen im Internet.

Vor wenigen Tagen hat OpenAI-Chef Sam Altman mit seinem Team Peter Steinberger, den Entwickler des äusserst erfolgreichen KI-Agenten OpenClaw, eingestellt. Und ihn an die Spitze einer Einheit gesetzt, die weitere spezialisierte Bots entwickeln soll, die ganze Prozesse übernehmen können. Eine neue Generation von Agenten ist nur eine Frage der Zeit, doch das Risiko lohnt sich: Derzeit wird dieser Markt auf 5 bis 8 Milliarden US-Dollar geschätzt. Bis 2030 soll er sich dann verzehnfachen. Und das hohe Wachstum dürfte sich in den Folgejahren fortsetzen.

Die Kosten eines KI-Agenten können je nach Komplexität stark variieren – es gibt Lösungen ab 1000 US-Dollar. Während die Implementierung anderer Systeme über 100'000 US-Dollar kostet. Unabhängig vom jeweiligen Extremwert sind die Gesamtkosten im Vergleich zur Einstellung eines Mitarbeiters oder eines Teams zur Steuerung des gesamten Prozesses jedoch deutlich niedriger.

Firmen bauen jetzt schon Stellen ab

Einige Unternehmen setzen bereits stark auf KI-Systeme und sehen diese als Grundlage ihrer zukünftigen Personalstruktur. Die US-Beratungsfirma McKinsey legte durch ihren Chef Bob Sternfels offen zu, bereits 20'000 KI-Systeme zu nutzen. Zum Vergleich: Das Unternehmen beschäftigt 40'000 Angestellte. Innerhalb der nächsten 18 Monate werden sich die beiden Zahlen voraussichtlich angleichen. Die kommenden Quartale deuten daher wahrscheinlich auf eine zunehmende Dominanz von KI hin.

Und dies ist nur eines von vielen Beispielen: In den letzten Monaten haben Unternehmen wie IBM, Klarna und HP beschlossen, den Personalbestand deutlich zu reduzieren und Aufgaben und Prozesse an KI zu delegieren. Obwohl solche Veränderungen in vielen Fällen ohne ausreichende Vorbereitung umgesetzt wurden und sich als erfolglos erwiesen, ist der Markttrend eindeutig. Dies liegt vor allem an der einfachen Rechnung, dass sich Investitionen in humanoide Roboter relativ schnell rentieren.

Böses Erwachen aus dem KI-Traum?

Auch wenn die derzeit wachsende KI-Blase höchstwahrscheinlich irgendwann platzen wird und viele Unternehmen mit ambitionierten KI-Plänen gezwungen sein werden, ihre Strategien zu überarbeiten: Der Wandel in der Arbeitswelt wird anhalten.

Rob Garlic machte im Interview mit CNBC deutlich, dass eine Welt, in der mehr Roboter und Agenten als Menschen arbeiten, nicht mehr allzu fern ist: «In den nächsten Jahrzehnten werden wir einen Punkt erreichen, an dem die Zahl der arbeitenden Roboter die Zahl der Erwerbstätigen übersteigt. Und wenn man dann noch die Agenten hinzurechnet – insbesondere die kleineren –, steht uns ein regelrechtes Erdbeben bevor.»

Ein kürzlich von Citrini Research veröffentlichter Bericht, der sowohl die Wall Street als auch die polnische Börse schockierte, bestätigt diese Schlussfolgerungen. Die düstere Zukunft des Arbeitsmarktes, in der Unternehmen und Branchen scheitern und vollständig durch KI ersetzt werden, löste so grosse Besorgnis aus, dass die Aktienkurse vieler Softwareunternehmen umgehend einbrachen. Auch wenn es sich hierbei lediglich um Prognosen handelt, zeigen die Entwicklung und der jüngste drastische Kursverfall der IBM-Aktie, dass die Ängste nicht völlig realitätsfern sind. Sollte sich diese Entwicklung bewahrheiten, prognostizieren die Autoren des Berichts eine Situation wie während der Finanzkrise im Jahr 2008.

Dieser Artikel ist zuerst auf Business Insider Polska erschienen. Die Newsplattform gehört wie Blick zu Ringier. 

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