Darum gehts
- Investoren flüchten vermehrt aus Tech-Aktien und setzen stattdessen auf «Halo»-Firmen
- «Halo»-Unternehmen haben stabile, greifbare Geschäftsmodelle, die KI nicht so leicht ersetzen kann
- Erste Kritiker warnen beim «Halo Trade» bereits vor einer «Angst-Blase»
An der Wall Street macht gerade ein neuer Begriff die Runde: «Halo Trade». Es ist eine Gegenbewegung zum Hype um künstliche Intelligenz (KI), der die Aktien von Tech-Schwergewichten wie Amazon, Alphabet, Microsoft oder Nvidia zu immer neuen Rekorden getrieben hat. Was hat es mit dem Phänomen auf sich? Blick beantwortet die wichtigsten Fragen.
Was genau ist der Halo Trade?
Anleger ziehen sich zunehmend aus Tech-Aktien zurück. Und investieren stattdessen in Firmen, deren Geschäftsmodelle nicht durch KI bedroht sind. Josh Brown (49), Chef des US-Vermögensverwalters Ritholtz Wealth Management, hat die Papiere solcher Unternehmen treffend als Halo-Aktien bezeichnet. An der Wall Street macht der Begriff Halo Trade derzeit die Runde. Halo hat in diesem Kontext zweierlei Bedeutung: Erstens ist es das Akronym für «Heavy Assets, Low Obsolence». Es steht für gewichtige Unternehmen («heavy assets») mit geringer Veraltungerungsgefahr («low obsolence»). Oder in anderen Worten: Firmen mit greifbarer Infrastruktur und materiellen Gütern, die nicht so leicht durch Software ersetzt werden können. Zweitens sind diese Unternehmen laut Brown symbolisch von einem Heiligenschein umgeben, der sie vor den Bedrohungen durch KI schützt.
Warum fliehen Investoren gerade jetzt in Halo-Firmen?
Die riesigen KI-Investitionen der Tech-Grössen sorgen zunehmend für Skepsis statt Euphorie. Anleger fragen sich, wann und ob sich diese auszahlen. «Es fliessen enorme Summen in Rechenzentren und Chips, ohne dass klar ist, wann und in welchem Umfang sich diese Ausgaben rechnen werden», sagt Anlageexperte Serge Nussbaumer (52) zu Blick. Finanzexperten befürchten, dass KI-Anwendungen bestehende Geschäftsmodelle schneller unter Druck setzen könnten als erwartet. Bei den Halo-Firmen ist diese Gefahr weniger gross. Brown fasst es in seinem Podcast so zusammen: «Kein grosses Sprachmodell wird Schokolade, Seniorenwohnungen, Flugzeuge, Traktoren, Glasfaser- und Bildschirmglas, Asphalt und so weiter überflüssig machen.»
Welche Branchen profitieren am meisten von dem Phänomen?
Branchen, die vom Halo Trade profitieren, sind Energie, Konsumgüter und die klassische Industrie. In den USA, wo der Trend seinen Ursprung hat, gehören Konzerne wie die Fastfood-Kette McDonald’s, der Öl-Riese Exxon Mobil und der Landmaschinenhersteller Deere.
Wie geht es den Schweizer Firmen? Was läuft an der Wall Street? Und wie entwickelt sich der Goldpreis? Wir halten dich über die neusten Entwicklungen an den Märkten auf dem Laufenden – hier im Liveticker.
Wie geht es den Schweizer Firmen? Was läuft an der Wall Street? Und wie entwickelt sich der Goldpreis? Wir halten dich über die neusten Entwicklungen an den Märkten auf dem Laufenden – hier im Liveticker.
Der Effekt, dass ansonsten eher defensive Aktien von Halo-Firmen gerade stark performen, ist auch in der Schweiz zu spüren – etwa bei den drei SMI-Schwergewichten Nestlé, Novartis und Roche. Der Lebensmittelkonzern aus Vevey VD und die beiden Basler Pharmakonzerne performen in diesem Jahr besser als der Schweizer Leitindex. Und schlagen derzeit auch den breiteren Index SPI.
Ist das nur ein Hype, der bald wieder weg ist?
Gewissheiten gibt es an den Börsen nie, aber: Der Wandel hin zu Halo-Aktien hat bereits 2025 begonnen. Und Finanzexperten gehen davon aus, dass der Trend weiter anhalten wird. Bei der US-Grossbank JP Morgan rechnet man an den Aktienmärkten mit einer «anhaltenden Bewegung aus der digitalen zurück in die physische Welt».
Ist der Halo Trade eine sichere Wette?
Nein, jedes Investment an der Börse ist mit einem gewissen Risiko versehen. Dazu kommt: Viele Halo-Titel sind derzeit keine Schnäppchen – im Gegenteil: Die Aktien aus den nun gefragten Branchen sind bereits jetzt relativ hoch bewertet. Denn: Während des Börsenhochs in den letzten drei Jahren sind auch Halo-Aktien stark geklettert, wenn auch nicht so extrem wie jene der gehypten Tech-Giganten. Die Gewinne der Unternehmen aus Energie, Konsum und Industrie sind im Vergleich zu jenen von Google, Nvidia und Co. aber nur wenig gestiegen. Bereits gibt es erste Halo-Trade-Kritiker, die vor einer Angstblase warnen. Fällt die KI-Disruption bei Softwarefirmen doch langsamer aus als erwartet, könnten sich die Anleger schnell wieder von hoch bewerteten Halo-Aktien verabschieden.
Dieser Artikel dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Meinungen und Einschätzungen beruhen auf sorgfältiger Recherche, können jedoch nicht die individuelle Prüfung und Beratung durch Fachleute ersetzen. Börsenentwicklungen sind von vielen Faktoren abhängig und nicht vorhersehbar. Investitionen in Aktien, Kryptowährungen und andere Finanzprodukte bergen Risiken, einschliesslich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals.
Dieser Artikel dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Meinungen und Einschätzungen beruhen auf sorgfältiger Recherche, können jedoch nicht die individuelle Prüfung und Beratung durch Fachleute ersetzen. Börsenentwicklungen sind von vielen Faktoren abhängig und nicht vorhersehbar. Investitionen in Aktien, Kryptowährungen und andere Finanzprodukte bergen Risiken, einschliesslich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals.