Investoren aufgepasst!
Diese vier Warnzeichen künden einen Börsencrash an

Die Börse verzeichnet Rekordkurse. Trotzdem steigt die Angst vor einem Crash. Der Beobachter zeigt, wie Sie die Vorzeichen einer grossen Krise erkennen – denn diese folgten bisher oft einem Muster.
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Wann und ob es 2026 zu einem Börsencrash kommt, kann niemand sagen. Aber die Warnsignale sind da.
Foto: keystone-sda.ch
Harry Büsser
Beobachter

Börsenkrisen: Sie kommen wie ein Schock – unerwartet, heftig, kaum vorhersehbar. So wirkt es oft im Rückblick. Man erinnert sich an den Moment, als die Kurse plötzlich einbrachen – 2008 während der Finanzkrise oder 2020 zu Beginn der Corona-Pandemie. Doch so überraschend diese Ereignisse im Alltag erscheinen mögen: In der wirtschaftlichen Realität entstehen grosse Börsenabstürze fast nie aus dem Nichts.

Ein Blick auf die vergangenen 100 Jahre zeigt: Die grossen Finanzkrisen entwickelten sich über Jahre hinweg – der Börsenkrach von 1929, das Platzen der Internetblase um das Jahr 2000 oder die globale Finanzkrise 2008. Sie folgten keiner geheimen Verschwörung, sondern einer wiederkehrenden Abfolge von Entwicklungen, die im Nachhinein gut erkennbar sind.

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Das bedeutet nicht, dass sich der nächste Crash exakt vorhersagen lässt. Wohl aber, dass sich gefährliche Konstellationen frühzeitig aufbauen – lange bevor Panik an den Märkten ausbricht. Diese vier Entwicklungen sind dabei auffallend:

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Am Anfang steht fast immer: zu viel Schulden

Nahezu jeder grosse Börsenboom beginnt mit Optimismus – und mit billigem Geld. Wenn Kredite leicht verfügbar sind, verschulden sich Privathaushalte, Unternehmen und Staaten zunehmend, um in Aktien, Immobilien oder andere Vermögenswerte zu investieren. Die Preise steigen, das Vermögen wächst scheinbar mühelos.

Historisch zeigt sich dieses Muster immer wieder: In den 1920er-Jahren kauften viele Amerikaner Aktien fast vollständig auf Kredit (Schulden). Um die Jahrtausendwende finanzierten sich zahlreiche Internetfirmen mit Fremdkapital (Schulden), obwohl sie kaum Umsätze erzielten. Und vor der Finanzkrise 2008 waren es hochriskante Hypotheken und extrem gehebelte Bankbilanzen. Die UBS hatte im März 2008 noch eine Eigenkapitalquote von 0,7 Prozent und musste gerettet werden – man vergleiche das mit der Eigenkapitalquote von 20 Prozent, die von Hauskäufern verlangt wird.

Und heute? Die UBS hat immerhin eine Eigenkapitalquote von rund 5 Prozent. Aber die weltweite Verschuldung ist so hoch wie nie zuvor. Laut dem Institute of International Finance lag sie im Herbst 2025 bei rund 346 Billionen Dollar – mehr als doppelt so viel wie die globale Wirtschaftsleistung eines Jahres.

Schulden allein lösen keinen Crash aus. Doch sie machen das System empfindlich, sobald Zinsen steigen oder Vertrauen verloren geht.

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Wenn wenige Unternehmen zu viel Gewicht erhalten

Ein zweites Warnzeichen ist, wenn sich ein grosser Teil der Marktkapitalisierung auf einige wenige Unternehmen an den Börsen konzentriert. Ein Problem bei einem dieser Schwergewichte genügt, um den gesamten Markt zu belasten.

Auch dieses Phänomen ist nicht neu: In den 1920er-Jahren dominierten einzelne Industrie- und Versorgungsunternehmen. Um 2000 trugen wenige Konzerne den gesamten US-Technologie-Index Nasdaq. Vor 2008 konzentrierten sich Risiken in grossen Banken und komplexen Finanzprodukten.

Heute entfällt ein erheblicher Teil der Börsenentwicklung auf wenige Technologiekonzerne. Die sieben grössten Unternehmen der USA – Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla – machen zusammen rund ein Drittel des S&P-500-Index aus, der die 500 grössten börsenkotieren US-Firmen beinhaltet. Diese Konzentration macht die Börse anfälliger für Rückschläge. Wenn eine dieser Firmen wankt, kann das einen Tsunami auslösen.

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Die Stillen werden vorsichtiger

Ein weiteres, oft übersehenes Muster: In früheren Krisen begannen professionelle Investoren meist schrittweise, Risiken zu reduzieren – lange bevor die breite Öffentlichkeit nervös wurde. Dies geschah nicht abrupt, sondern leise: durch höhere Bargeldquoten, Absicherungen oder den Abbau besonders riskanter Positionen.

Nach aussen blieb die Lage zunächst ruhig. Die Kurse hielten sich, die Stimmung wirkte stabil. Erst später wurde sichtbar, dass sich unter der Oberfläche etwas verändert hatte.

Solche Bewegungen sind kein Beweis für einen unmittelbar bevorstehenden Crash. Sie zeigen aber, dass erfahrene Marktteilnehmer sensibler auf Risiken reagieren – nicht aus Panik, sondern aus Vorsicht.

Derzeit ist ein breiter Rückzug professioneller Investoren noch nicht klar erkennbar. Allerdings haben einige Investmentgurus die Liquidität in ihren Portfolios erhöht. Darunter der renommierte Finanzprofessor Aswath Damodaran, der bisher nicht zu den ewigen Crash-Propheten gehörte.

Dass die Kurse ziemlich hoch sind, lässt sich auch daraus ableiten, dass für dieses Jahr ein Rekord bei den Börsengängen erwartet wird – so sagen es die Chefs von Blackstone, dem grössten Vermögensverwalter für privat gehaltene Firmen (sogenanntes Private Equity). Solche Investoren bringen ihre Firmen an die Börsen, wenn sie die Kurse für attraktiv, sprich: hoch, halten. Das kann ein Signal dafür sein, dass man vorsichtiger an der Börse werden sollte. Aber die Kurse können natürlich auch noch eine Weile weitersteigen.

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Geld wird knapper

Finanzmärkte sind auf Liquidität angewiesen. Wenn Geld teurer oder knapper wird, reagieren Märkte empfindlicher auf Störungen. Historisch verlief dieser Prozess oft schleichend: Notenbanken strafften die Geldpolitik, ohne dass es sofort zu Verwerfungen kam.

Auch heute liegt das Zinsniveau in vielen Regionen der Welt deutlich höher als noch vor wenigen Jahren. Ausserhalb der Schweiz ist die Phase des Null- und des Negativzinses, des extrem günstigen Geldes vorbei. Gleichzeitig bleibt die Verschuldung hoch. In solchen Konstellationen können selbst kleine Ereignisse grosse Wirkungen entfalten.

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Steht der grosse Börsencrash bald bevor?

Aus den beschriebenen Warnzeichen lässt sich Folgendes ableiten: Die Risiken sind erhöht – aber nicht akut im Sinn von «alles sofort verkaufen».

Viele Warnzeichen sind heute tatsächlich vorhanden: hohe Verschuldung, starke Konzentration auf wenige Börsenriesen, ein Ende der Phase des extrem billigen Geldes. Das spricht dafür, dass die Märkte verletzlicher sind als in ruhigeren Zeiten. Es sagt aber nicht, wann es zu einem grösseren Kurseinbruch an der Börse kommt.

Genau hier liegt der entscheidende Punkt: Börsenkrisen lassen sich nicht präzis timen. Wer wartet, bis «alle Warnlampen rot leuchten», ist meist zu spät. Wer aber zu früh aussteigt, verpasst oft jahrelange Kursgewinne.

Und woran erkennt man nun den «richtigen Moment», um zu handeln? Die unbequeme, aber ehrliche Antwort: Diesen Moment kennt man erst im Rückblick. Kein Signal, kein Indikator und kein Experte kann zuverlässig sagen, wann genau ein Crash beginnt.

Was bedeutet das für Privatanlegerinnen und -anleger?

Was man hingegen sehr wohl erkennen kann, ist die eigene Verwundbarkeit. Das bewahrt vor den grössten Verlusten. Denn diese erleiden jene, die sich zu sicher fühlten oder keinen Plan hatten. Vorbereitung bedeutet nicht, den Sturm zu vermeiden. Aber sie entscheidet darüber, ob man von ihm umgeworfen wird – oder ob man ihn übersteht.

Die Erfahrung zeigt: Der Versuch, den perfekten Ausstiegszeitpunkt zu treffen, führt häufiger zu Fehlern als zu besseren Resultaten. Deshalb lautet die wichtigste Empfehlung nicht, jetzt panisch Geld von der Börse abzuziehen. Sondern: die eigene Anlagestrategie realistisch zu überprüfen und robuster zu machen. Konkret bedeutet das:

  • Breite Diversifikation: Prüfen Sie, ob Ihr Vermögen nicht zu stark von einzelnen Ländern, Branchen oder wenigen sehr grossen Aktien abhängt. Gerade in Phasen hoher Marktkonzentration kann es sinnvoll sein, bewusst breiter zu streuen – auch wenn das kurzfristig weniger spektakulär wirkt.
  • Risikotragfähigkeit ehrlich einschätzen: Viele Anlegerinnen unterschätzen, wie stark auch ein gut diversifiziertes Aktienportfolio zwischenzeitlich schwanken kann. Verluste von 30 oder sogar 40 Prozent sind historisch keine Ausnahme. Entscheidend ist nicht, ob solche Schwankungen auftreten – sondern ob Sie sie emotional und finanziell aushalten können, ohne in Panik zu verkaufen.
  • Liquidität bewusst einplanen: Wer ausreichend Reserven ausserhalb der Börse hat, gerät in Krisen weniger unter Druck. Liquidität ist kein Renditekiller, sondern eine Versicherung: Sie verschafft Zeit, Ruhe und Handlungsfreiheit, wenn die Märkte turbulent werden.
  • Einen klaren Plan haben – und ihm treu bleiben: Vorbereitung heisst nicht, alle Risiken auszuschalten. Vorbereitung heisst, vorab zu wissen, was man in einer Krise tut – und was bewusst nicht. Wer erst im Abschwung entscheidet, entscheidet selten gut.

Fast jede Krise wird letztlich durch ein konkretes Ereignis sichtbar – den Zusammenbruch eines Unternehmens, eine politische Entscheidung oder einen externen Schock. Doch dieser Auslöser ist selten die eigentliche Ursache. Er bringt lediglich ans Licht, was sich über Jahre aufgebaut hat.

Fazit

Ein krisenfestes Depot entsteht nicht durch perfekte Prognosen, sondern durch:

  • realistische Erwartungen,
  • klare Regeln,
  • die Fähigkeit, auch in schwierigen Phasen ruhig zu bleiben.

Oder anders gesagt: Nicht die Krise entscheidet über Ihren Anlageerfolg – sondern Ihre Vorbereitung darauf!

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