Darum gehts
- Die Aktienkurse vieler börsenkotierter US-Tech-Konzerne verloren in der letzten Woche stark
- Investoren fürchten sich vor möglichen Überinvestitionen in KI
- Schweizer Pensionskassen sind wegen breiten Portfolios gut abgesichert
Die Summe ist gewaltig: 1'000'000'000'000 Dollar. Eine Billion US-Dollar an kumuliertem Börsenwert haben die grossen US-Konzerne vergangene Woche zusammen verloren. Besonders hart traf es Jeff Bezos (62) Onlinehandelsriesen Amazon: Zum Handelsstart am Freitag sackte die Aktie um fast 6 Prozent ab. Die Software-Riesen Alphabet, Meta und Microsoft gerieten ebenfalls unter Druck. Und auch die Chip-Giganten blieben nicht verschont: Nvidia büsste zwar nur leicht ein, aber die Aktie des Konkurrenten AMD ist über die Woche hinweg um rund 20 Prozent gefallen.
Es ist das Ausglühen eines Trends. Hat der KI-Boom die Tech-Aktien doch jahrelang auf neue Rekordhöhen getrieben. Jetzt kam es plötzlich zu einem Riesen-Ausverkauf an der Wall Street – die KI-Euphorie ist in Skepsis umgeschlagen. Was ist da los? Ein Börsenexperte ordnet ein.
Warum sind gerade Tech-Aktien so stark gefallen?
«Der Auslöser für die deutliche Korrektur an den Aktienmärkten war weniger ein einzelnes Ereignis als vielmehr ein Stimmungsumschwung», erklärt Serge Nussbaumer (52), Anlageexperte beim Zürcher Finanzunternehmen Maverix Securities, gegenüber Blick. Einerseits hätten viele Investoren begonnen, Gewinne mitzunehmen, nachdem Tech-Titel lange überdurchschnittlich gelaufen waren.
Gleichzeitig sorgen die riesigen KI-Investitions- und -Ausbaupläne vieler Schwergewichte zunehmend für Unruhe. Amazon will dieses Jahr beispielsweise über 200 Milliarden Dollar für künstliche Intelligenz ausgeben. Zum Vergleich: 2025 waren Investitionen von rund 125 Milliarden Dollar vorgesehen. Damit übertrifft der Konzern von Bezos die Konkurrenz: Der Google-Mutterkonzern Alphabet plant mit 175 bis 185 Milliarden, Mark Zuckerbergs (41) Facebook-Mutter Meta «nur» mit 115 bis 135 Milliarden Dollar.
«Bei Anlegern wächst damit die Sorge vor einer Überinvestition in KI», erklärt Nussbaumer. «Es fliessen enorme Summen in Rechenzentren und Chips, ohne dass klar ist, wann und in welchem Umfang sich diese Ausgaben rechnen werden.» Heisst: Die genannten Firmen investieren zwar kräftig in die Zukunftstechnologie, nehmen damit aber verhältnismässig noch wenig ein. Zudem fürchten Anleger laut Nussbaumer, dass KI-Anwendungen bestehende Geschäftsmodelle schneller unter Druck setzen könnten als erwartet.
Wie geht es den Schweizer Firmen? Was läuft an der Wall Street? Und wie entwickelt sich der Goldpreis? Wir halten dich über die neusten Entwicklungen an den Märkten auf dem Laufenden – hier im Liveticker.
Wie geht es den Schweizer Firmen? Was läuft an der Wall Street? Und wie entwickelt sich der Goldpreis? Wir halten dich über die neusten Entwicklungen an den Märkten auf dem Laufenden – hier im Liveticker.
Wo investieren Anleger ihr Geld jetzt stattdessen?
Beim Ausverkauf der letzten Woche handelt es sich nicht um einen Börsencrash. Vielmehr sei eine klare Rotation zu beobachten, so Nussbaumer. Investoren ziehen ihr Geld also nicht von der Börse ab, sie schichten es um: «Kapital fliesst vermehrt in defensivere Sektoren wie Basiskonsumgüter, teilweise auch in Industrie-, Energie- oder Rohstoffwerte», erklärt der Anlageexperte. Auffällig: «Ein Teil der Mittel wird aus dem US-Markt abgezogen und in günstig bewertete Märkte ausserhalb der USA umgeschichtet», beobachtet Nussbaumer.
Betrifft der Börsenrutsch auch Schweizer Pensionskassen?
Indirekt ja – denn starke Schwankungen an den US-Aktienmärkten können sich auch auf unsere Vorsorgegelder auswirken. Teile davon sind nämlich über Pensionskassen und 3a-Fonds ebenfalls an den US-Börsen investiert. Nussbaumer beruhigt jedoch: «Schweizer Pensionskassen sind breit diversifiziert und halten ihre Aktienanlagen nicht ausschliesslich in Tech-Titeln oder US-Indizes.» Ein Rückgang an den US-Aktienmärkten werde durch Anleihen, Immobilien oder andere Anlagen abgefedert.
Ist der KI-Boom an der Börse jetzt vorbei?
«Von einem klaren Paradigmenwechsel zu sprechen, wäre derzeit verfrüht», sagt Nussbaumer dazu. Und: «Wahrscheinlicher ist, dass der Markt beginnt, innerhalb des Tech-Sektors stärker zu differenzieren.» Der Spreu trennt sich also vom Weizen: In der KI-Branche läuft derzeit eine Neubewertung. Anleger fragen sich, welche Firmen tatsächlich liefern – und bei welchen der Hype wohl grösser ist als das Geschäft.
Wird der Rückgang diese Woche weitergehen?
Nussbaumers Zukunftsprognose lautet: «Die Nervosität bleibt hoch, die Lage fragil.» Solange die Unsicherheiten über Konjunktur, Zinsen und die tatsächlichen wirtschaftlichen Folgen der KI-Investitionen bestehen blieben, können die Märkte weiter schwanken. Ob die Kurse weiter fallen oder sich stabilisieren, hängt gemäss dem Börsenkenner stark von neuen Unternehmenszahlen und den kommunizierten Leitindizes der Notenbanken ab. Heisst: Kursschwankungen sind in nächster Zeit gut möglich – in beide Richtungen.
Dieser Artikel dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Meinungen und Einschätzungen beruhen auf sorgfältiger Recherche, können jedoch nicht die individuelle Prüfung und Beratung durch Fachleute ersetzen. Börsenentwicklungen sind von vielen Faktoren abhängig und nicht vorhersehbar. Investitionen in Aktien, Kryptowährungen und andere Finanzprodukte bergen Risiken, einschliesslich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals.
Dieser Artikel dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Meinungen und Einschätzungen beruhen auf sorgfältiger Recherche, können jedoch nicht die individuelle Prüfung und Beratung durch Fachleute ersetzen. Börsenentwicklungen sind von vielen Faktoren abhängig und nicht vorhersehbar. Investitionen in Aktien, Kryptowährungen und andere Finanzprodukte bergen Risiken, einschliesslich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals.