Darum gehts
- Thyssenkrupp Presta will bis Ende 2026 insgesamt 640 Stellen in Eschen FL und Oberegg AI streichen
- Gewerkschaft kritisiert Kündigungen und «veränderte Darstellung» der Abbauzahlen
- Aktuell arbeiten an den beiden Standorten insgesamt 2100 Angestellte
Die europäische Autoindustrie steckt in der Krise. Wie tief sie mittlerweile reicht, zeigt ein Blick nach Deutschland: Anfang September tagte der Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns mehrere Tage und verabschiedete ein umfangreiches Spar- und Sanierungsprogramm. Zehntausende Angestellte müssen um ihren Job zittern. Für vier deutsche Werke ist die Zukunft nach 2030 ungewiss.
Nun gibt es auch schlechte Nachrichten für die Ostschweiz und das benachbarte Liechtenstein: Der Autozulieferer Thyssenkrupp Presta verschärft den angekündigten Stellenabbau an seinen Standorten Eschen FL und Oberegg AI offenbar massiv, wie das «St. Galler Tagblatt» berichtet. Statt der ursprünglich angekündigten 570 Arbeitsplätze sollen beim Hersteller von Lenksystemen insgesamt 640 Stellen verschwinden. An den beiden Standorten arbeiten derzeit noch rund 2100 Angestellte.
Gewerkschaft schäumt – und kritisiert Kommunikation
Der Abbau konzentriere sich überwiegend auf Eschen, erklärt ein Sprecher gegenüber der Zeitung. Oberegg sei von den bisherigen Massnahmen nur in sehr begrenztem Umfang betroffen gewesen. Das verwundert nicht, arbeiteten am Standort im Appenzellerland, Stand September 2025, ohnehin nur noch 120 Fachkräfte. Zudem erfolgt der Stellenabbau in drei Phasen, wovon die letzte derzeit läuft. Bis Ende Jahr soll er abgeschlossen sein.
Für die Belegschaft besonders bitter: Laut dem Bericht machen Frühpensionierungen und freiwillige Abgänge nur einen kleinen Teil des Abbaus aus. Ein Grossteil dürfte über Kündigungen erfolgen. Die zuständige Liechtensteiner Gewerkschaft LANV geht davon aus, dass die letzte Abbauphase praktisch vollständig über Kündigungen abgewickelt wird. Zusätzlich stösst der Gewerkschaft auch die Berechnung der 640 Stellen sauer auf: Freiwillige Austritte aus den ersten beiden Abbauphasen seien darin nicht enthalten. Der LANV spricht deshalb von einer «veränderten Darstellung» des Abbaus.
Ostschweizer Autozulieferer unter Druck
Die Krise der Autoindustrie trifft die Ostschweiz besonders hart. Immer mehr arrivierte Schweizer Firmen bauen Jobs ab. Jüngstes Beispiel sind die Druckguss-Systeme St. Gallen (DGS). Der Autozulieferer, der vor allem für deutsche Premiumhersteller wie Mercedes, Audi und BMW produziert, kündigte im Oktober an, den Guss von Aluminiumteilen nach Tschechien zu verlagern. 80 Mitarbeitende verloren ihre Stelle. Wenige Tage zuvor hatte die SFS Group mit Sitz in Heerbrugg SG die Schliessung ihres Werks in Flawil SG angekündigt. Teile der Produktion wurden nach Heerbrugg verlagert, 75 Mitarbeitende erhielten die Kündigung.
Auch die Brusa Hypower AG aus Buchs SG baut ab: Der Hersteller von Leistungselektronik für Stromer will in der Schweiz bis zu 70 Stellen streichen, der Standort in Stuttgart (D) ist bereits geschlossen. Und die letzte Schweizer Stahlrohrfabrik Mubea aus Arbon TG steht vor dem Aus: Vergangenes Jahr strich sie 240 Stellen.