Jetzt spricht Raiffeisen-CEO Gabriel Brenna zum Stellenabbau
«Wir sind zu komplex und schwerfällig geworden»

Raiffeisen Schweiz streicht 180 Stellen. Die Zentrale in St. Gallen soll die Öffentlichkeit noch vor den Mitarbeitenden informiert haben. Der Bankenpersonalverband spricht von «schlechtem Stil». Nun äussert sich Raiffeisen-CEO Gabriel Brenna erstmals zu den Vorwürfen.
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Gabriel Brenna: Der Chef von Raiffeisen Schweiz hat trotz Megagewinn eine Massenentlassung angekündigt.
Foto: Raphaël Dupain

Ein Gewinnsprung auf über eine halbe Milliarde Franken und gleichzeitig 180 Stellen abbauen – da traut sich der neue CEO von Raiffeisen Schweiz aber was! Am Rand seines Besuchs im Blick-Newsroom nimmt Gabriel Brenna (52) Stellung zur Kritik, die gerade auf ihn einprasselt.

BLICK: Herr Brenna, der Bankenpersonalverband wirft Ihnen «schlechten Stil» vor.
Gabriel Brenna: Das muss ich zurückweisen. Zwar ist rein wirtschaftlich unmittelbar tatsächlich kein Druck da, Stellen abzubauen. Wir stehen finanziell gut da. Aber: Unsere zentrale Einheit Raiffeisen Schweiz mit ihren 2300 Mitarbeitenden hat über die vergangenen fünf Jahre 25 Prozent mehr Personal aufgebaut. Das ist zu viel und ineffizient. Stichwort: Doppelspurigkeiten. Wir sind das Dienstleistungszentrum für alle 208 Genossenschaftsbanken – und wir sind zu komplex und schwerfällig geworden. Darum findet jetzt die Restrukturierung statt.

Warum haben Sie die Mitarbeitenden erst nach der Öffentlichkeit über den Abbau informiert?
Das stimmt so nicht. Wir haben alle Mitarbeitenden zeitgleich mit der Öffentlichkeit informiert. Wir sind zwar nicht an der Börse gelistet, aber verfügen unter anderem über kotierte Anleihen. Darum ist Raiffeisen Schweiz an die Regelungen zur Ad-hoc-Publizitätspflicht gebunden: Wir müssen den Entscheid umgehend öffentlich machen, wenn er gefällt ist. Wir haben am Tag der Kommunikation dann intensiv über die bevorstehenden Änderungen und die Gründe orientiert.

Welche Abteilungen sind von der Massenentlassung betroffen?
Die 208 Raiffeisenbanken, wo die Kundenbetreuung stattfindet, sind nicht betroffen. Der Abbau betrifft ausschliesslich Raiffeisen Schweiz. Querbeet, alle Bereiche sind betroffen.

Bleiben Sie hier vage, weil Sie noch nicht alle Kündigungen ausgesprochen haben?
Uns ist wichtig, dass die Betroffenen so schnell wie möglich Klarheit haben. Bis nächste Woche werden alle Betroffenen über ihre Kündigung in Kenntnis gesetzt. Es trifft weniger als 70 Personen, der Rest wird über die Fluktuation, Nichtbesetzung frei werdender Stellen und Frühpensionierungen aufgefangen. Wir haben einen Sozialplan.

Kommt es zu weiteren Stellenstreichungen?
Der Stellenabbau ist eine einmalige Sache. 

Sie organisieren Raiffeisen Schweiz neu. Worauf läuft das raus?
Raiffeisen Schweiz ist weiterhin mit sechs Departementen organisiert. Zwei davon sind neu auf Privatkunden und Firmenkunden ausgerichtet. Die zweite grössere Veränderung ist, dass wir IT und die Entwicklung neuer Produkte viel näher zusammenbringen, um schneller auf den Markt reagieren zu können. 

Die zweitgrösste Schweizer Bankengruppe unter Ihrer Führung ist äusserst abhängig vom Hypothekargeschäft. Wie will man sich langfristig von der Abhängigkeit des Zinsgeschäfts lösen?
Die strategische Diskussion läuft noch. Die neue Strategie wird im vierten Quartal 2026 verabschiedet. Raiffeisen als lokal verankerte Bank soll künftig noch eine viel grössere Rolle bei Vermögensanlagen und im Vorsorgegeschäft einnehmen. Wir haben über 3,5 Millionen Kundinnen und Kunden, davon gehen jährlich 65'000 in Rente. Wir möchten sie viel breiter unterstützen können.

Wie will Raiffeisen bei den Jüngeren punkten, wenn es bei Ihnen nicht einmal ein kostenloses Basiskonto mit Debitkarte gibt?
Für die Jungen sind wir von den Gebühren her eigentlich sehr attraktiv. Dank unseres Member-Programms erhalten sie sehr viele Vorteile wie Gratiseintritte zu Museen oder vergünstigte Konzerttickets und Skipässe. Unser Fokus liegt auf dem Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter, damit wir die Kunden auch halten können. Hier spielt unser digitaler Auftritt eine grosse Rolle.

Persönlich: Gabriel Brenna

Gabriel Brenna (52) hat am 1. Dezember 2025 die Leitung von Raiffeisen Schweiz übernommen. Zuvor war er CEO der Liechtensteinischen Landesbank AG (LLB). Der promovierte ETH-Ingenieur hat die Schweizer sowie die italienische Staatsbürgerschaft. Aufgewachsen ist Brenna in Visp VS. Er lebt mit seiner Partnerin und den gemeinsamen Kindern – einer Tochter (15) und einem Sohn (10) – in Triesen (FL). Zu seinen Hobbys zählen Reisen und Kitesurfen.

Gabriel Brenna (52) hat am 1. Dezember 2025 die Leitung von Raiffeisen Schweiz übernommen. Zuvor war er CEO der Liechtensteinischen Landesbank AG (LLB). Der promovierte ETH-Ingenieur hat die Schweizer sowie die italienische Staatsbürgerschaft. Aufgewachsen ist Brenna in Visp VS. Er lebt mit seiner Partnerin und den gemeinsamen Kindern – einer Tochter (15) und einem Sohn (10) – in Triesen (FL). Zu seinen Hobbys zählen Reisen und Kitesurfen.

E-Banking und App schreien nach einer Verjüngung. Wie und wann kriegen Sie das hin?
Da treffen Sie den Nagel auf den Kopf (lacht). Unsere aktuelle Plattform funktioniert sehr gut, sie ist aber alt und entspricht nicht dem heutigen Look-and-Feel. Die Technik dahinter wurde zwar weiterentwickelt, ist aber in die Jahre gekommen. Eine moderne Plattform ist in Planung. Sie sollte die bestehende Plattform in zwei bis drei Jahren ablösen können. 

Wie wollen Sie es als neuer CEO schaffen, dass die Raiffeisen-Zentrale und die Mitgliedsbanken an einem Strang ziehen?
Durch sehr viel Dialog und sehr viel Präsenz bei den Banken. Über 80 Banken habe ich mittlerweile besucht und bin sehr herzlich empfangen worden. Ich empfinde den Dialog als sehr konstruktiv und die Zusammenarbeit als sehr gut. Es ist wichtig, dass Raiffeisen Schweiz und die Raiffeisenbanken sehr eng verzahnt sind und oft miteinander sprechen und ein gegenseitiges Verständnis da ist. 

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