Darum gehts
Sie sollte eine edle Ferienresidenz für den gefallenen Raiffeisen-Boss Pierin Vincenz (70) und seine Ex-Frau werden. Doch dann kam alles anders. Vor zwei Jahren wurde die Villa samt exklusivem Grundstück in Morcote TI zwangsversteigert – an keinen Geringeren als Dölf Früh (74). Seither liegt das verwahrloste Anwesen mit Baujahr 1960 brach.
Doch das soll sich bald ändern. Früh, erfolgreicher Immobilienunternehmer, Multimillionär und ehemaliger FC-St.-Gallen-Präsident, hat grosse Pläne für das Abbruchobjekt. Er will die heruntergekommene Villa abreissen und durch mehrere kleinere Steinhäuser ersetzen. «Die neuen Ferienresidenzen sollen im Stil eines Tessiner Dörflis daherkommen», legt Früh gegenüber Blick seine Pläne offen.
Typische Tessiner Häuser – sogenannte Rustici – bestehen zu einem grossen Teil aus Naturstein. Drei bis vier solcher Steinhäuser sollen auf dem Grundstück ein paar Meter über dem Luganersee entstehen. Die Mehrheit davon will Früh nach Fertigstellung verkaufen. Früh: «Eines davon behalten wir vielleicht in der Familie.»
Früh lieh Vincenz Millionen
Der einstige Freund von Vincenz griff dem Skandalbanker 2019 bei der Finanzierung der Villa unter die Arme. Früh lieh Vincenz 4'225'000 Franken, um eine Raiffeisen-Hypothek abzulösen. Der Bündner Banker hatte zu dem Zeitpunkt schon massive Geldprobleme. Seine Konten waren gesperrt – die Strafuntersuchung gegen ihn wurde im Februar 2018 eröffnet. Das erstinstanzliche Urteil gegen Vincenz wurde 2024 zwar aufgehoben. Der Berufungsprozess ging aber vor kurzem zu Ende, ein Urteil steht noch aus.
Vincenz' Vermögen bleibt bis heute eingefroren. Die Lotter-Villa in Morcote hat im April 2024 zwar den Besitzer gewechselt, doch seither gammelt das Anwesen weiter vor sich hin. «Noch sind keine Bagger aufgefahren», sagt ein Anwohner von Morcote, dessen Haus sich in der Nähe befindet, zu Blick. Er möchte anonym bleiben. Das brachliegende Grundstück ist vielen im Dorf ein Dorn im Auge.
Schandfleck soll verschwinden
Wer in Morcote ein Haus besitzt, gehört zu den Reichsten des Landes. Die Oberschicht der Deutschschweiz und aus dem Nachbarland im Norden verbringt hier ihre Ferien oder sogar den Lebensabend. Das Abbruchobjekt ist ein Schandfleck im sonst so herausgeputzten Tessiner Feriendorf. «Auch die Strasse vom See zur Villa ist höchst sanierungsbedürftig und müsste dringend gemacht werden», klagt der Anwohner.
Früh kann den Unmut der Nachbarschaft nachvollziehen. Auch ihm hat das Anwesen die letzten zweieinhalb Jahre mehr Ärger als Freude eingebracht. «Es ist wie üblich ein sehr langwieriger Prozess, bis man mit dem Bau beginnen kann», sagt Früh. «Das geht inzwischen leider oft Jahre.» Es sei viel Unvorhergesehenes in die Quere gekommen. Details will er nicht preisgeben.
Man sei nun in der ersten konkreten Planungsphase des Vorhabens. Auch der Bootsplatz wird miteinbezogen. Er befindet sich etwas weiter unten, direkt am See. Ein kleines Grundstück inklusive Steg, Liegeplatz und einer 1,5-Zimmer-Wohnung.
Eine Baueingabe wurde noch nicht eingereicht. Es dürfte also noch mindestens drei Jahre dauern, bis aus Vincenz' ehemaliger Ferienresidenz in Morcote ein kleines Rustico-Dörfchen entsteht.