Darum gehts
Der beliebteste Ort am grau funkelnden Hauptsitz der Bank Vontobel ist die Kantine. Jeden Mittag drängen Hunderte Bankerinnen und Banker ins Personalrestaurant im Parterre, wo sie am Buffet oder im Vegan Corner zugreifen dürfen. Die Beköstigung ist für alle kostenlos – eine Grosszügigkeit, die ankommt und nebenbei hilft, die Büropräsenz hochzuhalten.
Nicht nur in der Mittagspause zeigt sich die Zürcher Privatbank von der spendablen Seite, auch bei der Entlöhnung fällt sie auf. Die Aufwendung je Mitarbeiter und Mitarbeiterin ist nirgendwo höher als bei der von der Familie Vontobel dominierten Privatbank. Letztes Jahr betrug die Entlöhnung hier im Schnitt 305’200 Franken, darin enthalten sind die fixen und variablen Lohnanteile sowie die obligatorischen Sozialabgaben des Arbeitgebers.
Seit Jahren ist Vontobel bei den Löhnen vorneweg, denn es gibt keine grössere Schweizer Bank, die über 300'000 Franken pro Mitarbeiter und Mitarbeiterin aufwendet. Im Jahr 2021, einem Rekordjahr für die Bank, waren es sogar 348'000 Franken, 42'800 Franken mehr als heute.
Dass die Besoldung derart hoch ausfällt, hat gute Gründe: Über 80 Prozent des Personals verdienen ihr Brot im Hochlohnland Schweiz; hierzulande sind die Bankerlöhne rund doppelt so hoch wie im Ausland. Zudem schlägt man sich bei Vontobel nicht mit Kleinkundschaft herum, die viel kostet und wenig einbringt; vielmehr fokussiert man auf Vermögende, die im Minimum 2 Millionen in die Tresore tragen, gerne auch mehr. Man sieht sich als «Investmenthaus» der Reichen und Reichsten, das in allen Lebenslagen bei der Vermögensmehrung hilft.
Dieser Artikel wurde erstmals im Angebot von handelszeitung.ch veröffentlicht. Weitere spannende Artikel findest du unter www.handelszeitung.ch.
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Die Individualbetreuung der reichen Klientel ist teuer, weil Kompetenzen aus dem Private Banking und dem globalen Aktienhandel verlangt sind. Diese Expertise schlägt sich in der Entlöhnung nieder. «Der Bonus und die Gratiskantine sind das Beste, was Vontobel zu bieten hat», weiss ein Kadermann.
Von der Spendierfreude des Hauses profitiert auch das oberste Management, und zwar nicht zu bescheiden: Die Co-CEOs Christel Rendu de Lint und Georg Schubiger kassierten voriges Jahr je 4,66 Millionen Franken, total also 9,3 Millionen, und der Verwaltungsratspräsident strich für sein 80-Prozent-Mandat 2,7 Millionen ein. Eine einfache Rechnung zeigt: Die drei obersten Chargen der mittelgrossen Privatbank kassierten insgesamt 12 Millionen Franken, was mehr als 4 Prozent des Reingewinns entspricht. Auch das ist vermutlich ein Schweizer Rekord.
Bei der EFG klimpert es in der Kasse
Gemäss Handelszeitung-Analyse richten weitere Privatbanken mit der grossen Kelle an. Da ist die Union Bancaire Privée (UBP), welche eine mittlere Honorierung von 286’200 Franken ausweist. Die von der Familie de Picciotto dominierte Genfer Bank fischt wie Vontobel im gehobenen Segment der Vermögensverwaltung. Auf demselben Niveau liegen Pictet und EFG. Auch die EFG, die 2025 auf Lohnkosten von 268'000 Franken pro Kopf kommt, wird von einer Familie geprägt – dem griechischen Clan Latsis, der ein Milliardenvermögen mit der Reederei verdiente. Im Verwaltungsrat ihrer Bank sitzt der ehemalige Bär-Chef Boris Collardi, der weiss, wie man allwo für Wachstum sorgt. Forsch ist die Gangart, das manifestiert sich bei den verwalteten Vermögen, bei Reingewinn und Lohnsumme – alles zeigt nordwärts. Die Entlöhnung pro Kopf wuchs seit 2019 um fast 60’000 Franken.
Auch Bankchef Giorgio Pradelli kommt bei dieser eindrücklichen Erfolgsgeschichte nicht zu kurz. Seine Honorierung legte im selben Zeitraum um 5 Millionen Franken zu, auf exakt 7,6 Millionen. Mit einem Langzeitbonus, der nun fällig wird, bringt er es gar auf ein Gesamtpaket von 10 Millionen. Der Italo-Schweizer wird zweifellos vergoldet, wohl auch, um ihn von einem Absprung zur Konkurrenz abzuhalten. Mit seiner Besoldung zählt er nun zu den zehn Bestverdienenden in Europas Bankenwelt – der Chef eines hoch rentablen, aber überschaubaren Geldinstituts aus Zürich stellt selbst die Chefs von global agierenden Riesen wie Société Générale und BNP Paribas in den Schatten.
Bank Bär: Weniger Personal, höhere Kosten
Hinter den Privatbanken folgt die Bank Bär, deren Entgelt je Mitarbeiter und Mitarbeiterin auf 248'200 Franken stieg, 18'000 mehr als im Vorjahr. Die Bär-Bank fand offenkundig in die Erfolgsspur zurück und weist Personalausgaben von 1,85 Milliarden Franken aus. Ein Rekord, der umso eindrücklicher ist, als die Bank gleichzeitig 205 Vollzeitstellen strich.
Der Anstieg bei den Ausgaben sei vorab leistungsbezogenen Löhnen und Abgangsentschädigungen geschuldet, heisst es im Geschäftsbericht. Abgehakt scheint das Debakel um Bär-Kunde René Benko, der nicht nur Aktienkurs und Gewinn einbrechen liess, sondern auch die Lohnsumme reduzierte, weil der Verwaltungsrat nach den Benko-Abschreibern Boni in zweistelliger Millionenhöhe gestrichen hatte.
Bei der UBS stagnieren die Löhne
Hinter den feinen Privatbanken mit ihren attraktiven Entlöhnungsmodellen folgt der Platzhirsch UBS, für den sich voriges Jahr ein Durchschnittslohn von 216'000 Franken errechnen lässt. Allerdings machen Personalabbau, Abgangsentschädigungen und Dollarschwäche einen Vergleich zum Vorjahr schwierig.
Immerhin lagen die Personalkosten vor der Notübernahme der Credit Suisse um einiges höher, nämlich bei 221'800 Franken (2022). Mit der Integration der CS folgte eine Delle, weil die Boni der CS-Leute nach all den Skandal- und Verlustjahren längst eingebrochen waren.
Heute, da der Reingewinn sprudelt, wächst der Bonuspool, zuletzt um 10 Prozent. Nur einer profitierte nicht vom Reibach: der Chef Sergio Ermotti. Trotz starken Resultaten stagniert sein Gesamtlohn bei 14,9 Millionen Franken.
Die Kantonalbanken bleiben im starken Mittelfeld
Knapp hinter der UBS rangiert mit der Zürcher Kantonalbank die erste Staatsbank; ihre Personalkosten stehen bei 215'010 Franken. Doch sie vollbrachte trotz starkem Jahresergebnis keine Bocksprünge, weil das neue Vergütungsmodell die resultatabhängigen Boni temperiert und stärker auf die Basislöhne setzt. Dennoch gilt die ZKB als Topadresse unter arbeitslosen Bankern, denn im Gegensatz zu den meisten anderen Banken bietet sie Jobs im Private Banking, Assetmanagement oder Investmentbanking an, die erst noch sicher sind.
Hinter der Zürcher Kantonalbank folgen die Genfer (190'700 Franken), Waadtländer (188'700 Franken), Luzerner (181'100 Franken) und die kleine Zuger Kantonalbank, die eine stolze Entlöhnung von 180'000 Franken ausweist. Dies ist dem lebhaften Wettbewerb in Zug geschuldet, wo Vermögensverwalter wie UBS, Lombard Odier, Vontobel, Reichmuth und die LUKB nach Millionenschätzen fischen.
Hanspeter Rhyner, Chef der Zuger Kantonalbank, hält dagegen, ablesbar an den steigenden Personalkosten: 2022 lagen diese bei 158'000 Franken, drei Jahre später sind es 22'000 Franken mehr. Auch das Personal stockte er zweistellig auf, mit erprobten Client-Managern, die früher bei der CS oder UBS vermögende Kunden betreuten. Seine Strategie «#Gemeinsamvorwärts 2025» geht für alle auf: Die Bank stellt ein, steigert die Löhne, und der Kanton profitiert von wachsender Dividende und Ertragssteuer. «Das Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft», sagt einer zum Biotop Zug, das Habliche aus Steuerhöllen wie Zürich, Basel und Genf anlockt.
St. Galler Kantonalbank: «Nah und weltverbunden»
Viele Kantonalbanken streben wie die Zuger in die gehobene Vermögensverwaltung, um ihre Abhängigkeit vom Zinsgeschäft zu reduzieren. «Der Ausbau des indifferenten Geschäfts kann Teil einer Diversifikationsstrategie sein und die Abhängigkeit vom Zinsgeschäft mindern», heisst es beim Kantonalbankenverband VSKB. Dieser Trend lässt sich an den steigenden Personalkosten und den Erträgen aus Handel und Beratung ablesen. Etwa bei der Basler Kantonalbank, die mit ihrem Private Banking auf altes und neues Geld im Stadtkanton setzt. Der Personalaufwand pro Person liegt in Basel jetzt bei 173'900 Franken.
Ambitioniert agiert die St. Galler Kantonalbank, die mit dem Slogan «Nah bei Ihnen und weltweit verbunden» wirbt. Mit ihrer Filiale in Zürich hat sie die Wachstumsregionen Zürich und Zug im Visier. Das Team an der Limmat ist mit Private-Banking-Seniors bestückt, die unlängst für CS, Bär, Vontobel und EFG auf Kundenfang waren. Der Kurs stimmt: Das Neugeld bei der SGKB stieg letztes Jahr um über 4 Milliarden Franken an.
Lohnniveau: Die Banken weisen in der Erfolgsrechnung die Aufwendungen fürs Personal aus. Das sind schwergewichtig die fixen und variablen Lohnbestandteile, zudem Sozialabgaben und Arbeitgeberbeiträge an Pensionskasse und Weiterbildung. Die Personalkosten je Vollzeitstelle ergeben die Durchschnittsentlöhnung; diese macht die Lohnniveaus von Banken vergleichbar.
Retailbanking: Die Personalaufwendungen fallen bei einer Bank ins Gewicht, denn sie machen zwischen 60 bis 70 Prozent des gesamten Geschäftsaufwands aus. Mit der Automatisierung im Backoffice sollen die Personalkosten reduziert werden. Die Entlöhnung im Private Banking, Assetmanagement und Investmentbanking ist stark ergebnisabhängig und liegt höher als im Retailbanking.
Sonderfall: Kantonalbanken können aus politischen Gründen keine Backoffice-Funktionen ins Ausland verlagern und bieten eine Grundversorgung an – das erhöht die Personalkosten. Die Personalausgaben der UBS sind seit der CS-Übernahme schwer zu vergleichen, weil Abgangsentschädigungen in Milliardenhöhe inkludiert sind.
Lohnniveau: Die Banken weisen in der Erfolgsrechnung die Aufwendungen fürs Personal aus. Das sind schwergewichtig die fixen und variablen Lohnbestandteile, zudem Sozialabgaben und Arbeitgeberbeiträge an Pensionskasse und Weiterbildung. Die Personalkosten je Vollzeitstelle ergeben die Durchschnittsentlöhnung; diese macht die Lohnniveaus von Banken vergleichbar.
Retailbanking: Die Personalaufwendungen fallen bei einer Bank ins Gewicht, denn sie machen zwischen 60 bis 70 Prozent des gesamten Geschäftsaufwands aus. Mit der Automatisierung im Backoffice sollen die Personalkosten reduziert werden. Die Entlöhnung im Private Banking, Assetmanagement und Investmentbanking ist stark ergebnisabhängig und liegt höher als im Retailbanking.
Sonderfall: Kantonalbanken können aus politischen Gründen keine Backoffice-Funktionen ins Ausland verlagern und bieten eine Grundversorgung an – das erhöht die Personalkosten. Die Personalausgaben der UBS sind seit der CS-Übernahme schwer zu vergleichen, weil Abgangsentschädigungen in Milliardenhöhe inkludiert sind.
Wer weiterhin auf das Geschäftsmodell einer Retailbank und auf ein breites Filialnetz setzt, liegt bei den Personalkosten eine oder zwei Stufen tiefer. Dazu gehört die KMU-Bank Valiant mit 159'600 Franken, die nun mit dem Programm «Valiant 2029» die Diversifikation der Erträge ausbauen und die Rendite erhöhen will. Sie meint es ernst und streicht im Backoffice achtzig Vollzeitstellen.
Das gilt auch für die Raiffeisen-Gruppe (150'900 Franken) mit 761 Bankstellen. Chef Gabriel Brenna hat Vorstellungen, die mancher Konkurrent auch schon gehört hat: «Diversifikation unserer Erträge insbesondere durch den Ausbau des Vorsorge- und Anlagegeschäfts.»
Hinter den Raiffeisen-Bankern liegen jene der Postfinance (146'000 Franken) und der Berner Kantonalbank (145'000 Franken). Letztere setzt auf eine nachhaltige Lohnpolitik, «die nicht bonusgetrieben ist». Das tun auch andere, darunter die Alternative Bank Schweiz (140'000 Franken) und die Kantonalbank Appenzell Innerrhoden, wo der mittlere Jahreslohn 130'000 Franken beträgt.
Im Appenzellerland gelten Regeln, die im fernen Zürich oder Genf wohl Staunen auslösen: Ein Verwaltungsratsmitglied im Alpstein gibt sich mit 15'000 Franken im Jahr zufrieden.