Darum gehts
- Ölpreis fällt auf deutlich unter 96 Dollar pro Fass – 30 Dollar weniger als nach Kriegsausbruch
- Expertin warnt: Lieferketten unterbrochen, Normalisierung dauert mehrere Monate
- Teuerste Benzinpreise stagnieren bei 1.99 Franken, Senkungen bleiben trotz fallendem Ölpreis aus
Der Ölpreis kennt seit Tagen nur eine Richtung: Nach unten! Derzeit kostet ein Fass Rohöl der Sorte Brent bereits deutlich weniger als 96 Dollar. Und ist damit gut 30 Dollar von den Höchstständen kurz nach Ausbruch des Iran-Kriegs entfernt. Allerdings sind das immer noch 25 Dollar mehr, als Öl vor dem Angriff der USA und Israels gekostet hat.
Öl- und Rohstoffexpertin Cornelia Meyer warnt denn auch vor allzu grosser Hoffnung auf einen unmittelbar bevorstehenden Deal: «Hinter den Ölpreisfluktuationen steckt viel Marktpsychologie», so Meyer. «Gerade in der Frage eines Atomdeals und beim Libanon liegen die Verhandlungspositionen noch sehr weit auseinander.»
Hochfahren braucht Zeit
Immerhin: Der Unterschied zwischen dem aktuellen Ölpreis und Lieferungen in einigen Monaten – sogenannte Futures – ist deutlich geringer geworden. Mittelfristig stehen die Chancen für einen Deal vielleicht doch nicht allzu schlecht. Zumal innenpolitisch der Druck auf US-Präsident Donald Trump (79) immer grösser wird, den Krieg zu beenden.
Doch selbst bei einer vollständigen Öffnung der Strasse von Hormus könnte es noch Monate dauern, bis das schwarze Gold und all die anderen Rohstoffe und Produkte wieder ungehindert fliessen. «Die Lieferketten sind unterbrochen», so Meyer. «Schiffe sind am falschen Ort, Produktionsanlagen müssen wieder hochgefahren werden oder sind teilweise zerstört und müssen erst wieder aufgebaut werden.» Das gelte insbesondere auch für die Förderung von LNG-Gas aus Katar.
Und selbst bei unbeschädigten Anlagen, die aus Sicherheits- oder Kapazitätsgründen heruntergefahren wurden, wird es Monate dauern, bis das Öl wieder fliesst. «Das ist nicht wie bei einem Lichtschalter, den Sie einfach anknipsen können und das Licht brennt wieder. Es sind komplexe industrielle Prozesse», dämpft Meyer Hoffnungen auf eine allzu schnelle Normalisierung des Ölpreises.
Preise an der Zapfsäule sollten sinken
Doch die momentane Entspannung müsste nun endlich auch an der Zapfsäule ankommen. Selbst die teuersten Tankstellen haben es nicht gewagt, die Grenze von 2 Franken pro Liter Bleifrei 95 zu durchbrechen. Allerdings klebt der Preis bereits seit Wochen bei 1.99 Franken. Rauf ging es schnell, mit Preissenkungen tun sich die Tankstellenbetreiber offensichtlich schwerer. Sie dürften damit argumentieren, dass sie das Benzin zu einem höheren Preis eingekauft haben – und deshalb die Lager mit dem teureren Benzin erst abverkaufen müssen. Bei Preiserhöhungen läuft die Begründung allerdings ähnlich: Das getankte Benzin muss zu einem höheren Preis wieder beschafft werden – und übersehen dabei geflissentlich, dass sich in den Lagern der Tankstelle vielleicht noch günstiger eingekauftes Benzin bunkert.
Nach dem Pfingstwochenende dürften den Tankstellenbetreibern aber langsam endgültig die Argumente ausgehen. In den kommenden Tagen müssten die Benzinpreise an den Zapfsäulen endlich sinken. Übrigens: Wer die Rückreise mit dem Auto aus dem benachbarten Ausland noch nicht angetreten hat, sollte unbedingt dort nochmals auftanken. Denn in Deutschland, Frankreich, Italien (Ausnahme: Bleifrei 98) und Österreich kosten Benzin und Diesel deutlich weniger als in der Schweiz.