Darum gehts
- Schweizer Spritpreise steigen vor Pfingsten auf Rekordhöhen, Bleifrei 95: 1.93 Franken
- Diesel 25 Prozent teurer als vor Nahost-Konflikt, grosser Kostenfaktor
- 62 Prozent der Schweizer spüren Belastung, 40 Prozent fahren weniger
Auch wenn das Wetter über Pfingsten zu Hause bestens ist: Das verlängerte Wochenende verbringen viele Schweizerinnen und Schweizer in der Ferne. Im Tessin, im nahen Elsass oder im Schwarzwald. Hunderttausende sind bis Montagabend mit dem Auto, dem Camper oder auf dem Töff unterwegs. Bei den aktuellen Spritpreisen ist das ein teurer Spass!
Denn ausgerechnet vor dem Wochenende, an dem so viele auf Achse sind, klettern die Preise an Schweizer Tankstellen noch einmal kräftig in die Höhe. Und zwar gerade um 4 Rappen, wie der Touring-Club Schweiz (TCS) weiss. Der Liter Bleifrei 95 kostet laut TCS im Schnitt 1.93 Franken, Bleifrei 98 ist für 2.04 Franken zu haben. Benzin ist damit so teuer wie noch nie seit Ausbruch des Iran-Kriegs. Der Liter Diesel fliesst gar für 2.14 Franken durch den Zapfschlauch. Und ist 25 Prozent teurer als vor Beginn des Konflikts im Nahen Osten.
Vor der Heimfahrt auftanken
Immerhin: Wer vor der Rückreise in die Schweiz im Ausland volltankt, zahlt weniger als zu Hause. In Frankreich kostet der Liter Bleifrei 95 laut TCS im Schnitt 1.90 Franken (Diesel: 2.01 Fr.), in Deutschland sind es 1.87 Franken (Diesel 1.91 Fr.). Noch günstiger tanken Pfingstausflügler in Italien. Bleifrei kostet 1.84 Franken, der Liter Diesel 1.94 Franken. Im Vergleich richtig günstig ist Tanken in Österreich: Der Liter Bleifrei 95 kostet beim östlichen Nachbarn nur 1.65 Franken, Diesel gibts für 1.92 Franken.
Die Spritpreise bleiben – mit Ausnahme Österreichs – also europaweit hoch. Und das, obwohl der Preis für ein Fass Rohöl der Sorte Brent in den letzten Tagen gesunken ist – auf aktuell 103 Dollar. Und damit auch ein ganzes Stück unter den 114 Dollar liegt, die Anfang Monat noch fällig waren. Öl wird wieder günstiger, weil US-Präsident Donald Trump (79) davon sprach, dass sich der Konflikt in der «finalen Phase» befindet. Und weil wieder erste Tanker die Strasse von Hormus passieren. Im Vergleich zur Zeit vor dem Ausbruch des Iran-Kriegs sind die Ölpreise aber weiter hoch.
«Grosse finanzielle Belastung»
So langsam haben Schweizerinnen und Schweizer die Nase voll von den hohen Preisen an der Zapfsäule. Das zeigt eine neue Studie von Marketagent Schweiz. 62 Prozent der Bevölkerung spüren die steigenden Spritpreise bereits deutlich im Portemonnaie. Besonders hart trifft es Menschen mit tiefem Einkommen: Dort spricht fast jeder Zweite von einer «grossen finanziellen Belastung».
Viele Schweizer treten wegen der hohen Preise auf die Bremse. Vier von zehn Personen nutzen ihr Auto, Motorrad oder Moped inzwischen seltener. Jeder Neunte hat seine Fahrten sogar «deutlich reduziert», heisst es in der Studie. Die Krise verändert aber nicht nur das Fahrverhalten, sie gibt auch der Elektromobilität plötzlich neuen Schub. Laut der repräsentativen Umfrage würden sich heute bereits mehr Menschen für ein Hybrid- oder Elektroauto entscheiden als für einen klassischen Benziner oder ein Dieselfahrzeug.