«Airlines werden in Europa pleitegehen»
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Ryanair-Chef Michael O'Leary:«Airlines werden in Europa pleitegehen»

Ryanair-CEO mit düsterer Prognose
«Spätestens im Herbst gehen die unseriösen Airlines Konkurs»

Ryanair-Chef Michael O'Leary sieht seine Fluggesellschaft auf Kurs. Mit der Konkurrenz geht der Manager aber hart ins Gericht – und prophezeit mehreren Billiganbietern einen schweren Herbst. Denn diese haben einen entscheidenden Nachteil.
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Ryanair-Boss Michael O'Leary teilt gegen die Konkurrenz aus.
Foto: Corbis via Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ryanair-Chef O'Leary warnt vor Airline-Konkursen durch hohen Ölpreis 2026
  • Air Baltic hat nur 10 Prozent Treibstoff abgesichert, 27 Millionen Kredit
  • Spirit Airlines stellte Betrieb im Mai ein, 15'000 Jobs verloren
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Sven SchumannRedaktor Wirtschaft

Der Ryanair-Geschäftsführer Michael O'Leary (65) ist dafür bekannt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Diese Woche hat sich der Manager in einem Fernsehinterview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg gewohnt meinungsstark zu seiner Airline und dem Zustand der Flugbranche in Zeiten des Iran-Kriegs geäussert: «Wenn der Konflikt bis im September anhält, werden einige der unseriösen Airlines Konkurs gehen», prophezeit der irische CEO. 

Er rechne zwar damit, dass die Strasse von Hormus, die wichtige Meerenge im Nahen Osten, bald wieder öffne. Sollte diese aber bis im Herbst geschlossen bleiben, sieht er für einige Konkurrenten schwarz. «Dann werden in ganz Europa Fluggesellschaften in die Knie gehen», doppelt O'Leary nach. Vor allem der ungarische Konkurrent Wizzair und Air Baltic seien gefährdet. Aber auch Konkurrent Easyjet werde dieses Jahr keinen Gewinn einfahren, prognostiziert O'Leary im Interview.

Ryanair hat grossen Teil des Treibstoffs abgesichert

Der Billigfluggesellschaft spielt in die Karten, dass sie bis im März nächsten Jahres 80 Prozent des Treibstoffs zu einem festgelegten Preis einkaufen kann. Durch das sogenannte «Hedging» können sich Airlines gegenüber Schwankungen beim Ölpreis absichern. Konkurrent Wizzair hat bis Ende Jahr mit 55 Prozent des Treibstoffs einen deutlich kleineren Teil abgesichert – und ist dadurch dem instabilen Ölmarkt stärker ausgesetzt. Besonders schlecht steht Air Baltic da. Nur 10 Prozent des Treibstoffs sind abgesichert. Im April griff die lettische Regierung der Airline bereits mit einem Notkredit von 27 Millionen Franken unter die Arme. Diese muss das Darlehen aber bereits im August zurückzahlen.

Was fehlendes Hedging für Auswirkungen haben kann, zeigt ein Blick in die USA. Dort ist das Absichern vor Preisschwankungen gemäss Aviatik-Experte und HSG-Dozent Andreas Wittmer (52) deutlich weniger verbreitet als in Europa. Als Folge kam es bereits zu einem ersten Opfer: Anfang Mai hat die Billigairline Spirit nach 34 Jahren den Flugbetrieb eingestellt. Letztendlich haben die stark gestiegenen Kerosinpreise dem zuvor schon angeschlagenen Unternehmen den Rest gegeben. 15'000 Angestellte haben auf einen Schlag ihren Job verloren.

Kaum Spielraum bei Preiserhöhungen

Um zu überleben, müssen die Fluggesellschaften die steigenden Kosten irgendwann in Form höherer Preise an die Fluggäste weitergeben. Für Unternehmen wie Wizzair oder Spirit ist dies laut Wittmer aber besonders schwer. «Preiserhöhungen widersprechen dem Geschäftsmodell der Billigairlines», so der Aviatik-Experte. Da diese ihre Kunden mit Tiefpreisen locken, haben sie nur wenig Spielraum, die Tickets zu verteuern. Steigen diese zu stark, bleiben die Passagiere weg – und die Unternehmen geraten in jene finanzielle Schieflage, vor der der Ryanair-Chef jetzt warnt. 

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