Huthi-Miliz will «Tor der Tränen» ganz dichtmachen
Wird jetzt die nächste kritische Meerenge blockiert?

Der Konflikt im Nahen Osten weitet sich auf eine zweite Schlüsselroute des Handels aus: Nach der Strasse von Hormus gerät nun auch die Meerenge Bab al-Mandab ins Visier der Iraner – über die verbündete Huthi-Miliz. Eine Blockade hätte auch für uns grosse Konsequenzen.
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Die Meerenge Bab al-Mandab: Neben der Strasse von Hormus ist diese das zweite strategische Nadelöhr der Region.
Foto: IMAGO/piemags

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Huthis verhängen Blockade für Saudi-Arabien, greifen in der Nacht auf Donnerstag zwei saudische Öltanker an
  • 12 bis 15 Prozent des globalen Handels passieren die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandab
  • Eine vollständige Blockade könnte Schiffswege um zwei Wochen verlängern und rund 2 Millionen Dollar Mehrkosten pro Fahrt verursachen
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Der Krieg zwischen den USA und dem Iran hat eine neue Eskalationsstufe erreicht: Für Frachter und Öltanker ist es nun nicht mehr nur gefährlich, die Strasse von Hormus zu passieren – sie müssen sich auch vor Angriffen bei einer Durchfahrt der Strasse von Bab al-Mandab fürchten. Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz, die im März 2026 offiziell in den Krieg eingetreten ist und die wichtige Meerenge kontrolliert, hat Anfang dieser Woche ein Durchfahrtsverbot für saudi-arabische Schiffe verhängt. In der Nacht auf Donnerstag griff die Rebellengruppe nach eigenen Angaben zwei saudische Öltanker an, die sich nicht an die Blockade gehalten hatten.

Gemäss dem Datenanbieter Kpler haben bereits mehrere Schiffe aufgrund der Entwicklungen ihre Route geändert – und die Fahrt durch Bab al-Mandab gar nicht erst angetreten. Wird die Handelsroute vollständig unpassierbar, hätte das für den gesamten Welthandel Konsequenzen. Blick ordnet ein.

Wo befindet sich die Meerenge?

Bab al-Mandab, was auf Deutsch übersetzt so viel wie «Tor der Tränen» bedeutet, befindet sich im Westen der Arabischen Halbinsel. Sie ist rund 2000 Kilometer Luftlinie von der im Osten gelegenen Strasse von Hormus entfernt. Die Meerenge verbindet das Rote Meer mit dem Indischen Ozean und ist an der schmalsten Stelle nur 27 Kilometer breit. Die angrenzenden Staaten sind Eritrea, Djibouti und der Jemen, wo die Huthi-Rebellen aktiv sind.

Foto: Blick Visuals

Warum ist die Meerenge so wichtig?

Im Gegensatz zur Strasse von Hormus, die hauptsächlich für Öl und Gas wichtig ist, durchqueren praktisch alle Güter das «Tor der Tränen», die per Schiffsfracht von Asien über den Suezkanal nach Europa gelangen. Etwa 12 bis 15 Prozent des globalen Handels werden über diese Passage abgewickelt. Zudem dient Bab al-Mandab als Ausweichroute für Ölexporte, die seit Kriegsausbruch nicht mehr über die Strasse von Hormus transportiert werden können. Rund 20 Prozent der ausgefallenen Lieferungen werden inzwischen durch diese Meerenge umgeleitet.

Die jetzige Aussicht auf eine weitere Verknappung macht sich am Ölmarkt bereits bemerkbar: Am Donnerstagmorgen kostete ein Fass gut 97 Dollar – 20 Dollar mehr als noch vor einem Monat. Im schlimmsten Fall könnte der Ölpreis laut Schätzungen von Experten um weitere 15 bis 20 Dollar steigen.

Was ist das Ziel der Huthis?

Die jemenitische Miliz weiss die Meerenge als wirtschaftliches Druckmittel im Krieg einzusetzen. Remo Reginold (40), Geopolitik-Experte und Präsident des Swiss Institute for Global Affairs, rät, die Drohungen der Rebellengruppe ernst zu nehmen: «Die Huthis sind noch weniger kleinzukriegen als die Iraner», sagte er im März gegenüber Blick. 

Die Huthis und der Iran sind enge Verbündete. Teheran versorgt die rund 350'000 schiitischen Kämpfer im Jemen seit Jahren mit Geld und Waffen. Mit der Drohung einer vollständigen Blockade wollen sie ihrem Verbündeten erneut den Rücken stärken. 

Was bedeutet die Sperrung der Meerenge?

Blockieren die Huthis die Strasse von Bab al-Mandab komplett, müssen Schiffe über das Kap der Guten Hoffnung vor Südafrika ausweichen. Es wäre die einzige alternative Route für den Handelsverkehr von Asien nach Europa. Dadurch verlängert sich die Reise um etwa zehn Tage bis zu zwei Wochen. Das geht ins Geld: Laut der Tech-Firma Windward, die Echtzeit-Verfolgung der globalen Schifffahrt anbietet, würde eine Umfahrung über das Kap zusätzliche Kosten von rund 2 Millionen Dollar pro Fahrt verursachen.

Wird das für die Schweiz zum Problem?

Blockieren die Huthis diese Handelsroute, wäre das für Europa und damit auch die Schweiz wirtschaftlich sehr ungünstig. Nebst diversen Endprodukten wie Elektronikartikel oder Geschirr wird auch viel Schwefel für die industrielle Verarbeitung über die Meerenge verschifft. Dieses Vorprodukt bildet im Stillen die Grundlage des modernen Lebens. Schwefel wird etwa für die Herstellung von Dünger, Chemikalien, Gummi und Reifen sowie auch für diverse Alltagsgüter verwendet. Ein Engpass würde Länder mit einer starken Digitalindustrie hart treffen. 

Zudem dürfte eine Blockade des «Tors der Tränen» zu weiteren Lieferengpässen führen. Dann sind gewisse Produkte in den Läden plötzlich nicht mehr sofort verfügbar. Und auch mit weiter steigenden Ölpreisen ist dann zu rechnen. «Für uns und unsere Wirtschaften heisst das Unsicherheit, Verteuerung und irgendwann auch Knappheiten», fasst es Experte Reginold gegenüber Blick zusammen.

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