Darum gehts
- Huthi-Miliz im Jemen erklärt am Samstag Krieg, Bab al-Mandab bedroht
- Iran könnte Weltwirtschaft schaden mit Blockade aus sicherer Distanz
- 12 Prozent des Welthandels passieren die 26 Kilometer breite Meerenge
Sie gilt als die zweite Strasse von Hormus und wird auch «Tor der Tränen» genannt. Die Meerenge Bab-al-Mandab zwischen dem Jemen und Dschibuti rückt immer mehr ins Zentrum der globalen Aufmerksamkeit. Am Samstag verkündete die jemenitische Huthi-Miliz – ein Verbündeter Teherans – den Kriegseintritt. Mit diesem Schritt wächst die Sorge, dass die Huthi-Generäle die Wasserstrasse lahmlegen könnten, um maximalen Druck auf die Weltwirtschaft auszuüben.
«Druckmittel gegenüber Trump»
«Als Druckmittel gegenüber Trump würde ich diese Drohung durchaus ernst nehmen», erklärt Remo Reginold (40), Geopolitik-Experte und Präsident des Swiss Institute for Global Affairs (Siga), im Gespräch mit Blick. «Die Huthis haben gezeigt, dass sie in der geografisch sehr engen Stelle Störungen verursachen können. Und sie sind noch weniger kleinzukriegen als die Iraner.»
Mit der Angst vor einem Wirtschaftsschock werde dabei bewusst gespielt. Die Meerenge Bab-al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und damit dem Indischen Ozean. Rund zwölf Prozent des Welthandels passieren die Enge, die an der schmalsten Stelle nur 26 Kilometer breit ist.
Betroffen von einer Blockade wären nicht nur Öl und Gas wie in Hormus, sondern praktisch alle Güter, die von Asien her durch Bab-al-Mandab und dann weiter nördlich durch den Suezkanal Richtung Europa gelangen.
«Es geht um Dramaturgie und Gegendramaturgie», schätzt Reginold die Drohung ein. «Beide Seiten pokern hoch, Trump mit seinen Invasionsvorbereitungen und der Iran jetzt via die Huthis. Das Risiko besteht, dass beide mit Volldampf auf den Abgrund zufahren in der Hoffnung, dass der andere nachgibt.» Dies mache die aktuelle Situation zu einem gefährlichen «Pulverfass».
Folgen für die Schweiz und Europa
Eine Blockade würde auch Güter wie Schwefel für die industrielle Verarbeitung, Dünger und Helium für die Chipindustrie treffen. Diese industriellen Vorprodukte bilden im Stillen die Grundlage des modernen Lebens. «Insbesondere für Länder mit einer bedeutenden Digitalindustrie kann dies erhebliche wirtschaftliche Folgen haben», so Reginold.
Davon wären auch Europa und die Schweiz betroffen. Eine Blockade würde die Befürchtungen vor schwerwiegenden wirtschaftlichen Verwerfungen noch zusätzlich befeuern.
Hinzu kommt: Viele Effekte treten zeitversetzt auf, wie Reginold am Beispiel der Strasse von Hormus ausführt. «Ein Tanker benötigt für die Strecke vom Iran nach China etwa 20 bis 45 Tage. Das heisst, viele Schiffe aus dieser Region sind in den letzten Wochen immer noch angekommen, weil sie vor dem Kriegsstart losgefahren sind.» Die genauen Ausmasse dieses Einschnitts treten also erst später auf.
«Wir schaffen das kaum»
Je länger der Konflikt dauere und je mehr Wege blockiert seien, desto stärker werde es zeitversetzt Probleme in der Logistik geben. Laut Reginold sind die Folgen aktuell gar noch nicht fassbar.
Käme es zu einer weiteren Blockade, wären hauptsächlich die westlichen Staaten betroffen. «Für uns und unsere Wirtschaften heisst das Unsicherheit, Verteuerung, irgendwann auch Knappheiten.»
Derweil spricht US-Präsident Donald Trump (79) weiter von Verhandlungen. Laut Reginold laufe die Diplomatie parallel zu den gegenseitigen Drohungen. «Es wird sicher Gespräche geben und ich denke, der Druck auf beide Seiten ist sehr gross, eine Deeskalation hinzubekommen und gleichzeitig nicht nachzugeben. Das ist das Dilemma.»