Darum gehts
- Führende Schweizer Detailhändler senkten 2025 massiv Preise, Konkurrenz bleibt hart
- Lidl hat 700 Artikel günstiger gemacht, jedes dritte Produkt reduziert
- Migros investierte 500 Millionen Franken, senkte die Preise von 3500 Produkten um durchschnittlich 10 Prozent
Gegenseitig wird sich nichts geschenkt, die eigene Kundschaft beschenkt man dafür umso mehr. Diesen Eindruck vermittelt uns die Werbung der führenden Detailhändler im Land. So decken die Unternehmen Kundinnen und Kunden zum Jahresbeginn mit Rabatten à gogo ein. Bereits im Vorjahr stachelten die Händler immer wieder mit Preissenkungsrunden beim Brot, Fleisch und Obst den Konkurrenzkampf an – die Konsumentin dankt.
Doch der Markt ist begrenzt, nicht alle der Big-Five-Detailhändler konnten ihre Umsätze wie budgetiert ankurbeln. Eine gute Falle machte dem Vernehmen nach der Discounter Lidl. Coop meldete diese Woche einen Umsatzrekord fürs 2025. Aldi habe Anfang Jahr stark zugelegt, dann aber an Momentum verloren, sagen Branchenkenner. Während Denner stagniert haben soll, sei die Migros bemüht gewesen, die Investitionen in ihre Tiefpreisstrategie wieder reinzuholen. So etwas brauche aber auch seine Zeit, sagt ein Insider. Aus der Versenkung aufgetaucht ist Spar, der seit ein paar Monaten wieder von Schweizer Eigentümern geführt wird.
Konsumenten jagen Aktionen und vergleichen Preise
Wie bereits vor einem Jahr wollte Blick von den grossen Detailhändlern wissen: Haben die Supermarkt-Chefs ihre Preisversprechen gehalten? Und was dürfen Konsumentinnen und Konsumenten im neuen Jahr 2026 an der Preisfront im Supermarkt erwarten? Eines vorweg: Tiefe Preise bleiben DAS zentrale Thema – sei es bei den Kunden als auch bei den Händlern. Letztere bestätigen: Weniger Bio landet im Einkaufskorb, dafür mehr Produkte mit einem Standard-Label. Billiglinien werden ausgebaut, deren Produktqualität wird punktuell verbessert.
Konsum-Experte Nordal Cavadini (51): «Lebensmittel bleiben der härteste Kampf um den Warenkorb. Die Konsumenten vergleichen Preise, jagen Aktionen, setzen stärker auf Eigenmarken und wechseln den Händler für ein besseres Angebot. Und sie erwarten für jeden Franken möglichst viel Gegenwert.»
Firmenfussball, Pingpong, Tennis: Nicholas Pennanen ist der wohl sportlichste Firmenchef, den Lidl bislang in der Schweiz hatte. Sportlich, im zweistelligen Prozentbereich, kletterten auch die Umsätze im zu Ende gegangenen Jahr, heisst es bei Marktforschern. Während der letzten 12 Monate hat der Lidl-Chef über 700 Artikel von insgesamt 2500 vergünstigt. Fast jedes dritte Produkt im Regal wurde zwischen 7 und 31 Prozent billiger. Einen «zweistelligen Millionenbetrag» warf der Discounter für die Preissenkungen auf.
Ansage für 2026: «Der Preis bleibt für viele Haushalte das entscheidende Kriterium», sagt Chef Pennanen. Er setzte auf «höchste Effizienz», um die erzielten Einkaufsvorteile direkt an die Kundschaft weiterzugeben. «Jeder soll sich Schweizer Qualität leisten können – unabhängig vom Portemonnaie.»
Der frühere Lidl-Schweiz-CEO sitzt bei Denner zu Recht auf dem Chefposten, heisst es in der Branche. Eine leichte Aufgabe hat er nicht, denn Torsten Friedrich muss die Migros-Tochter wieder auf Wachstum trimmen. Dafür holt er sich auch Ex-Kollegen ins Haus. Der Discounter-Kundschaft servierte er 2025 Preissenkungen bei knapp jedem fünften Produkt im Regal. Konkret: 670 von insgesamt 3700 Artikeln wurden billiger. Dafür investierte der Discounter einen zweistelligen Millionenbetrag, sagt ein Sprecher.
Ansage für 2026: Ab diesem Monat sollen weiter Preise dauerhaft gesenkt werden. Zum Beispiel kostet die Dose Gralsburg Panaché neu 60 Rappen statt zuvor 75 Rappen. «Weitere Preissenkungen folgen im Jahresverlauf, denn auch 2026 müssen viele Menschen in der Schweiz mit ihrem Einkaufsbudget clever haushalten», sagt Denner-Chef Friedrich. Weil bei Getreide, Fleisch oder importierten Produkten wie Kaffee und Kakao höhere Preise drohten, arbeite Denner an der Kosteneffizienz und prüfe alternative Bezugsquellen.
Die Konkurrenten scheinen ihn nicht zu kümmern. Aldi-Schweiz-Chef Jérôme Meyer hält sich bei Fragen zu Preissenkungen bedeckt. «Als Discounter steht für uns nicht die Anzahl einzelner Preissenkungen im Vordergrund, sondern der Anspruch, jederzeit den günstigsten Preis anzubieten», heisst es auf Anfrage.
Ansage für 2026: Man bleibe der Discount-DNA treu. «Wo immer möglich, werden wir unsere Preise senken und Kostenvorteile an unsere Kundinnen und Kunden weitergeben», lässt der CEO ausrichten. Die Preissensibilität der Kundschaft sei deutlich gestiegen. «Und sie wird auch 2026 hoch bleiben», sagt Meyer. «Es ist unser Anspruch, das Portemonnaie unserer Kundinnen und Kunden spürbar zu entlasten.» Mehr ist ihm nicht zu entlocken.
Als Denner-Chef erklärte er Marken-Abzockern den Krieg. Jetzt, auf dem Migros-Chefsessel, feilt Mario Irminger erneut am Image des Kämpfers für tiefere Preise. Bekannte Marken hat er derzeit, zumindest teilweise, aus den Regalen genommen. Ziel: tiefere Einkaufspreise von den Lieferanten zu erhalten. Denn irgendwoher sollen seine jährlichen Investitionen von 500 Millionen Franken in tiefere Preise herkommen. Im Jahr 2025 hat die Migros die Preise von 3500 Produkten gesenkt, dies bei einem durchschnittlichen Supermarktsortiment von 35'000 Produkten. Mittlerweile seien mehr als 1000 Artikel des täglichen Bedarfs auf Discountniveau erhältlich.
Ansage für 2026: Es werde wieder «spürbare Preissenkungen» geben. «So werden wir die Anzahl Tiefpreisartikel noch mal erhöhen», kündigt die Migros an, ohne eine genaue Zahl zu nennen. CEO Mario Irminger: «Auch 2026 bleibt der Preis zentral, da viele Haushalte auf ihr Budget schauen müssen». Als Genossenschaft entlaste die Migros gezielt Kundinnen und Kunden mit dauerhaft tiefen Preisen. Aufgrund von Rohwarenkosten-Steigerungen kann es laut Migros vorkommen, dass sich Preiserhöhungen im Laden nicht vermeiden lassen. Die Grössenordnung sei aktuell schwer abzuschätzen.
Sein Motto lautet wohl: «No news is good news». Philipp Wyss ist es wohl ganz recht, dass gerade andere Detailhändler für die grossen Schlagzeilen sorgen. Dem Coop-Chef wird attestiert, einen guten Job zu machen, gerade weil er unter dem Radar fliegt. Laut eigenen Angaben hat Coop die Preise von 1900 Produkten gesenkt und dafür im Jahr 2025 einen Betrag von 100 Millionen Franken investiert. Ein Standard-Supermarktsortiment umfasst je nach Grösse der Verkaufsstelle zwischen 5000 und bis zu 40'000 Artikel im Food- und Non-Food-Bereich.
Ansage für 2026: «Bei uns werden alle fündig»: Laut CEO Wyss dürfen Kunden in den nächsten Monaten mit weiteren Preisreduktionen rechnen. Zur Anzahl hält er sich bedeckt. Bei den Marken bietet Coop bereits über 500 Produkte zum Discountpreis. Preiserhöhungen in einem grösseren Ausmass seien keine geplant.
Der Detailhändler Spar fehlt in dieser Aufstellung – Peter Weber (45), Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats von Spar Schweiz, kann die Fragen von Blick aufgrund des «Besitzerwechsels und entsprechenden Änderungen» nicht beantworten. «Mit fairen Preisen für Konsumentinnen und Konsumenten sowie Produzenten tragen wir zu einem Markt bei, der von Vielfalt, Wettbewerb und Produktqualität lebt», lässt sich Weber lediglich zitieren.