Experte: «Kommunikation unprofessionell»
Chef bleibt während Krise im Sabbatical – geht das?

SRF-Mann Pascal Schmitz, Enthüller des Fischer-Covid-Skandals, steckt im Kreuzfeuer. Chefredaktor Tristan Brenn schweigt zwei Wochen lang – weil er eine Auszeit genommen hat. Muss ein Top-Manager während einer Krise zurück auf die Kommandobrücke? Experten ordnen ein.
Kommentieren
1/7
Kennt fast nur Verlierer: Die Affäre Fischer.
Foto: imago/Bildbyran

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • SRF-Journalist Pascal Schmitz gerät wegen alter Facebook-Posts in Kritik
  • Chefredaktor Tristan Brenn schweigt wochenlang, gibt dann Interview während des Sabbaticals
  • Krisenexperte kritisiert SRF-Kommunikation
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.

Aus dem Fall Patrick Fischer (50) ist eine zweite Affäre entstanden – jene um SRF-Mann Pascal Schmitz. Er war es, der die spektakuläre Geschichte mit dem gefälschten Covid-Zertifikat des nun ehemaligen Hockey-Nati-Trainers aufgedeckt hatte. Und der nun zur Zielscheibe geworden ist – von SRF-Hassern, Fischer-Fans, Impfgegnern. Auch weil teils über 15 Jahre alte, rassistische Facebook-Posts von Schmitz aufgetaucht sind. Er hat seinen Job als Stadionspeaker abgegeben, sein Arbeitgeber nimmt ihn vom Sender.

Die ganze Nation spricht über die Affäre Fischer. Und die Affäre Schmitz. Dessen Chefs lassen ihn ziemlich alleine im Regen stehen. SRF-Chefredaktor Tristan Brenn schweigt öffentlich – fast zwei Wochen lang. Am Sonntag gab er der «Schweiz am Sonntag» ein Interview. Sein allererster Satz: «Ich bin zurzeit in einem seit langem geplanten Sabbatical, war aber in alle Entscheide zur Berichterstattung über Patrick Fischer eingebunden.» Sein langes Schweigen begründet er also mit einer beruflichen Auszeit. Aber: Geht das? Oder muss der Kapitän sofort zurück ans Steuer, wenn stürmische See aufzieht?

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.

Interview «spült Thema wieder medial hoch»

Rein rechtlich ist die Situation klar: Ein Sabbatical ist eine unbezahlte Auszeit über mehrere Monate bis zu einem Jahr. Der Arbeitsvertrag läuft weiter, jedoch ruht das Arbeitsverhältnis. Heisst: Während eines Sabbaticals stehen Arbeitnehmer ihrem Unternehmen nicht zur Verfügung – das gilt auch fürs Topkader.

Nur gelten bei öffentlichen Debatten eben auch andere Regeln – nicht nur die in Gesetzesform gegossenen. Eine Krise muss man managen. Genau dafür sind die Chefs da. Und werden dafür bezahlt. Diesbezüglich hat SRF ein schlechtes Bild abgegeben, wie Stephan Oehen (57), Experte für Krisenkommunikation, findet: «Die Kommunikation von SRF ist unprofessionell», sagt er auf Anfrage von Blick. Er kritisiert vor allem, dass sich Chefredaktor Brenn nun doch noch geäussert hat. «Mit dem Interview nach zwei Wochen hat man das Thema selber wieder medial hochgespült.»

Wann muss ein Chef das Sabbatical abbrechen?

Für Oehen ist klar: Bei einer wirklich grossen Krise – wenn ein Unternehmen in den Grundfesten erschüttert wird – müsse ein Topmanager hinstehen. «Dann ist es selbstverständlich, dass man ein Sabbatical oder auch die eigenen Flitterwochen unterbricht.» Die Affäre um SRF-Journalist Pascal Schmitz gehört für ihn aber nicht dazu. Denn hier gehe es nicht um die Existenz des SRF. «In diesem Fall hätte es auch gereicht, wenn sich nur der Stellvertreter geäussert hätte.» Zur Erinnerung: SRF spielte im «Club» zum Thema ein aufgezeichnetes Statement von TV-Nachrichtenchef und Brenn-Stellvertreter Gregor Meier ein; ein SRF-Vertreter war in der Diskussionsrunde selber nicht dabei.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.

HR-Expertin Elke Rottmann (54) findet, der ständig präsente Chef ist gar nicht unbedingt nötig – solange klar ist, wer die Verantwortung übernimmt: «Stellvertreter heisst Stellvertreter – ausgestattet mit allen Befugnissen.» Und weiter: «Vor einem Sabbatical muss mit dem Arbeitgeber geklärt werden, ob man ganz aus der Verantwortung ist und unter welchen Bedingungen man zurückkehren muss.» Ein Interview direkt aus der Auszeit passt da nicht dazu.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen