Darum gehts
- Website nati-coach.ch sammelte 250'000 Stimmen für entlassenen Eishockey-Trainer Fischer
- Fischers gefälschtes Covid-Zertifikat von 2022 führte zu seiner Entlassung
- Fall löste politische Debatte aus, SRF-Journalist Schmitz geriet unter Druck
Alain Berset will Patrick Fischer zurück an die Bande der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft. Christian Drosten auch. Und Kylian Mbappé sowieso.
Das zumindest legt die Unterstützungswebsite nahe, die seit Fischers Entlassung Furore macht. Auf nati-coach.ch konnten Fans ihre Solidarität mit dem geschassten Nati-Trainer bekunden. Und das ohne jede technische Schranke. Kein Login. Keine Verifizierung. Kein Limit. Jeder konnte beliebig oft klicken.
Entsprechend bunt ist die Namensliste. Neben echten Eishockeyfans finden sich dort Symbolfiguren der Corona-Politik: der ehemalige Bundesrat Berset. Der amerikanische Topimmunologe Anthony Fauci. Der deutsche Virologe Drosten.
Hinter der Seite steckt, wie Blick-Recherchen zeigen, ein Eishockeyfan aus Langnau im Emmental BE. Damit konfrontiert, gibt der 41-Jährige zuerst an, nicht zu wissen, worum es geht; dann will er keine Fragen beantworten: «Ich wüsste nicht, was es dazu zu sagen gibt.»
Dabei schlug seine Initiative ein: Auf knapp 250'000 Stimmen brachte es die Plattform. Rolf Knie, der Künstler und Zirkusmann, berief sich in einer wütenden Botschaft stolz auf diese Zahl – als Beweis dafür, dass «die Eishockey-Schweiz sich fürchterlich ärgert».
Dabei zeigt das gewählte Unterstützungsmodell: Die Zahl ist zweifelhaft. Die Wut dahinter ist es nicht.
Fischer ist eine absolute Identifikationsfigur
Die Geschichte beginnt mit einem Geständnis: Patrick Fischer räumte ein, 2022 mit einem gefälschten Covid-Zertifikat an den Olympischen Spielen in Peking teilgenommen zu haben. Er kam damit der Publikation einer SRF-Recherche zuvor. Der Verband stellte sich zunächst hinter ihn. Dann kamen die Kehrtwende und die Entlassung, alles innerhalb von 48 Stunden.
Es folgte eine Welle der Solidarität für Patrick Fischer. Da war die Empörung der Hockeyfans: Der erfolgreichste Nationaltrainer aller Zeiten ist für viele eine absolute Identifikationsfigur. Doch in diesen Schmerz hinein hat sich etwas anderes gemischt.
Der Fall ist längst politisch geworden, im Kontext der Corona- und der Impfdebatte. Die gefälschten Prominenten-Namen auf der Petition sind dabei kein Zufall und kaum blosser Jux. Sie zeigen, welches Milieu sich diese Geschichte zu eigen gemacht hat.
Aus Fall Fischer wird Fall Schmitz
Dass es für Fischer andere Wege als ein gefälschtes Covid-Zertifikat gegeben hätte, dass er in China in Quarantäne hätte gehen können, um an den Olympischen Spielen dabei zu sein, spielte in weiten Teilen der öffentlichen Debatte keine Rolle. Dort wird Fischer zur Symbolfigur. Nicht für einen Trainer, der betrogen hat, sondern für einen Bürger, der sich einer als übertrieben empfundenen Staatsmacht widersetzt hat.
Auch für CH-Media-Verleger Peter Wanner wird das, was sich Fischer zuschulden hat kommen lassen, in den Medien offenbar grösser gemacht, als es ist. Der Nati-Trainer habe nicht die Schweiz betrogen, schreibt Wanner in einer Analyse, es seien auch keine Menschen zu Schaden gekommen: «Letztlich hat Fischer dem chinesischen Staat ein Schnippchen geschlagen und niemand hat es dort bemerkt.»
Tatsächlich kommt mehr und mehr das SRF in die Schusslinie. Der Absender der Geschichte, SRF-Journalist Pascal Schmitz, wird mit Beleidigungen überhäuft. «Im Nachhinein sehe ich, dass wir die wütenden Reaktionen unterschätzt haben», sagte SRF-Chefredaktor Tristan Brenn gegenüber der «Schweiz am Wochenende». Aus dem Fall Fischer wird der Fall Schmitz, aus dem Fall Schmitz wird ein Fall SRF, aus dem Fall SRF wird eine Debatte über «entfesselte Journalistenmacht», wie es die «Weltwoche» zu wissen glaubte.
Sie war es, die diese Woche dafür sorgte, dass auch Schmitz von seiner Vergangenheit eingeholt wurde: Die «Weltwoche» publizierte die beleidigenden, rassistischen und sexistischen Facebook-Posts, die der heutige SRF-Mann vor rund 15 Jahren abgesetzt hatte.
Fischer, der gestürzte Held?
Der «Weltwoche»-Artikel zielte vordergründig zwar auf die Person Schmitz, mit dem Titel «Petzer der Nation» war der Ton aber gesetzt: Die Entlassung von Nationaltrainer Fischer sollte weiter skandalisiert werden. Schmitz gab nach der Publikation den Posten als Stadionsprecher bei den Rapperswil-Jona Lakers auf und wurde bei SRF vorerst vom Bildschirm genommen.
Der bekannte Hockey-Journalist Klaus Zaugg prophezeite: In einem Monat stehe Fischer als gestürzter Held da – nicht mehr als derjenige, der bei Corona beschissen habe.
Er könnte recht behalten.