Darum gehts
- Schweizer buchen Herbstferien an heissen Mittelmeerzielen wie Griechenland und Mallorca
- Buchungen nach Tunesien stiegen 2026 um 120 Prozent im Vergleich zu 2023
- Günstige Pauschalreisen: Türkei ab 570 Franken
Es ist paradox. Die Hitze hatte die Schweiz über Wochen fest im Griff. Temperaturrekorde purzelten, und wer noch keine Klimaanlage hatte, klapperte verzweifelt die Elektrogeschäfte ab. Man könnte meinen, die Schweizerinnen und Schweizer haben fürs Erste genug geschwitzt. Aber während der Herbst vor der Tür steht und endlich Abkühlung verspricht, zeigen ihre Ferienpläne etwas anderes: Für das Gros der Schweizer geht es noch mal an die Wärme.
Blick hat die Buchungen für die Herbstmonate bei Schweizer Reiseanbietern abgefragt. Besonders beliebt: Ferien am Mittelmeer. Gerade die südlichen Badeinseln sind trotz Gluthitze im Sommer weiterhin hoch im Kurs. «Die Mehrheit unserer Kunden sucht im Herbst eine Verlängerung des Sommers», bestätigt Sonja Ptassek, Sprecherin des Reiseanbieters Tui Suisse, auf Anfrage. Den Schweizern ist die Lust auf Sonne, Strand und Süden also nicht vergangen.
Verschobene Badeferien
Und trotzdem verändert die Hitze das Reiseverhalten. Fast 60 Prozent der Schweizer geben an, ihre Ferienplanung aufgrund der Sommerhitze bereits angepasst zu haben oder das künftig tun zu wollen. Die repräsentative Umfrage von Dertour, dem grössten Reiseanbieter der Schweiz, von August liegt Blick vor.
Weil es im Sommer vielerorts für manche zu heiss war oder Waldbrände vor Reisen ans Mittelmeer abschreckten, holen Schweizer ihre Badeferien offenbar nun nach. «Die Leute gehen jetzt im Herbst in die ehemals beliebten Sommerferiendestinationen», erklärt Florian Eggli (48), Tourismusexperte an der Hochschule Luzern. Beliebt seien dabei Orte, die mehr als nur Strand und Meer zu bieten haben. «Ist das Wetter dann doch schlecht, besucht man zum Beispiel eine nahe gelegene Stadt», beschreibt Eggli das Reiseverhalten. So können Outdoor, Kultur und Kulinarik verbunden werden.
Wohnen, ins Kino gehen oder einen Kaffee trinken: Individualisierung ist ein Mega-Trend. Die Menschen machen also immer mehr allein. Diese Entwicklung ist nun auch beim Reisen angekommen. Das Interesse nach «Solo Travel»-Angeboten nimmt weltweit zu – so auch in der Schweiz. Rund 10 Prozent der Badeferien werden beim Anbieter Dertour bereits von Alleinreisenden gebucht. Deutlich mehr sind es bei den Aktivferien: 70 Prozent der Teilnehmer von Gruppen-, Rund- oder Sportreisen buchen ihre Reise nur für sich.
Das Phänomen ist vor allem bei jungen Erwachsenen beliebt. Diese schätzen unter anderem die Flexibilität und dass sie so auf niemanden Rücksicht nehmen müssen. Aber nicht alle Destinationen eignen sich gleich gut, um sie allein zu bereisen. Denn unbeschwertes Reisen ist nur dort möglich, wo man sich sicher fühlt. Deshalb sollte vorab die Sicherheitslage am Reiseziel geklärt werden.
Wohnen, ins Kino gehen oder einen Kaffee trinken: Individualisierung ist ein Mega-Trend. Die Menschen machen also immer mehr allein. Diese Entwicklung ist nun auch beim Reisen angekommen. Das Interesse nach «Solo Travel»-Angeboten nimmt weltweit zu – so auch in der Schweiz. Rund 10 Prozent der Badeferien werden beim Anbieter Dertour bereits von Alleinreisenden gebucht. Deutlich mehr sind es bei den Aktivferien: 70 Prozent der Teilnehmer von Gruppen-, Rund- oder Sportreisen buchen ihre Reise nur für sich.
Das Phänomen ist vor allem bei jungen Erwachsenen beliebt. Diese schätzen unter anderem die Flexibilität und dass sie so auf niemanden Rücksicht nehmen müssen. Aber nicht alle Destinationen eignen sich gleich gut, um sie allein zu bereisen. Denn unbeschwertes Reisen ist nur dort möglich, wo man sich sicher fühlt. Deshalb sollte vorab die Sicherheitslage am Reiseziel geklärt werden.
Bei Dertour-Kunden am beliebtesten sind Herbstferien in Griechenland, auf Zypern und Mallorca. Wer bereit ist, etwas länger zu fliegen, bucht aktuell Reisen nach Ägypten und vermehrt auch auf die Kanarischen Inseln. In den letzten drei Jahren haben die Kanaren beim Reiseanbieter ein Buchungsplus von 74 Prozent erfahren. Einen noch grösseren Zuwachs erlebte Tunesien. Hier haben sich die Buchungen im selben Zeitraum mehr als verdoppelt.
Schnäppchen möglich
Insgesamt seien die Preise im Herbst ähnlich wie im Sommer, erklären befragte Reiseanbieter. «Während auf den Kanarischen Inseln, auf dem spanischen Festland oder in Italien die Preise tendenziell eher hoch sind, lassen sich auf den griechischen Inseln, in Tunesien, Ägypten und auf Zypern durchaus noch Schnäppchen finden», heisst es bei Dertour. Das deckt sich auch mit den Angaben von Tui Suisse: «Für Schnäppchenjäger bieten sich aktuell die Türkei, Tunesien oder Ägypten an.»
Was bedeutet das konkret? Ein Preis-Check von Blick zeigt: Die günstigsten Angebote für eine Pauschalreise Anfang Oktober in die Türkei beginnen bei rund 570 Franken pro Person – Flug und Hotel inklusive. Bei den ebenfalls sehr angesagten Kanaren gibt es Angebote ab rund 1000 Franken.
Die Verlierer des diesjährigen Sommers: Reiseziele im Nahen Osten. «Hier ist die Nachfrage wegen der grossen Unsicherheit komplett eingebrochen», sagt ein Sprecher des Schweizer Reise-Verbands (SRV) zu Blick. Und auch Reisen in die USA seien weiter unbeliebt. Dass die Schweizer diesen Sommer weniger gereist sind, zeigt sich laut SRV auch an den Zahlen. «Insgesamt lagen die Sommerbuchungen unter dem Vorjahresniveau», zieht man beim Verband Bilanz.
Reisende aufgepasst: In den Herbstferien ist an den Flughäfen mit längeren Schlangen zu rechnen. Das neu eingeführte Entry-Exit-System (EES) der EU soll die Grenzkontrollen von Personen aus Drittstaaten digitalisieren und illegale Einreisen besser bekämpfen. Doch das neue System macht Probleme. Seit der Einführung kommt es an europäischen Flughäfen teils zu stundenlangen Schlangen vor der Passkontrolle.
Schweizer und Reisende mit EU-Pass müssen beim Umsteigen an einem europäischen Flughafen nicht registriert werden – sind aber trotzdem von den Verzögerungen betroffen. Denn es kann zu langen Rückstaus kommen, in denen dann auch sie hängen bleiben.
Für die Fluggesellschaften sind die längeren Wartezeiten deutlich spürbar. Die Swiss hat deshalb bereits Massnahmen ergriffen. «Unter anderem haben wir die Mindestumsteigezeit für betroffene Transferpassagiere von 40 auf 50 Minuten erhöht», erklärt eine Swiss-Sprecherin gegenüber Blick. Und weiter: «Wir raten unseren Passagierinnen und Passagieren ausserdem, frühzeitig anzureisen.»
Reisende aufgepasst: In den Herbstferien ist an den Flughäfen mit längeren Schlangen zu rechnen. Das neu eingeführte Entry-Exit-System (EES) der EU soll die Grenzkontrollen von Personen aus Drittstaaten digitalisieren und illegale Einreisen besser bekämpfen. Doch das neue System macht Probleme. Seit der Einführung kommt es an europäischen Flughäfen teils zu stundenlangen Schlangen vor der Passkontrolle.
Schweizer und Reisende mit EU-Pass müssen beim Umsteigen an einem europäischen Flughafen nicht registriert werden – sind aber trotzdem von den Verzögerungen betroffen. Denn es kann zu langen Rückstaus kommen, in denen dann auch sie hängen bleiben.
Für die Fluggesellschaften sind die längeren Wartezeiten deutlich spürbar. Die Swiss hat deshalb bereits Massnahmen ergriffen. «Unter anderem haben wir die Mindestumsteigezeit für betroffene Transferpassagiere von 40 auf 50 Minuten erhöht», erklärt eine Swiss-Sprecherin gegenüber Blick. Und weiter: «Wir raten unseren Passagierinnen und Passagieren ausserdem, frühzeitig anzureisen.»
«Alpen profitieren doppelt»
Dass die Leute ihr Reiseverhalten ändern, zeigt sich laut Florian Eggli aber auch innerhalb der Schweiz. Die Tourismusbranche versuche aktiv, die Nebensaisons zu stärken. «Man ist bestrebt, die Sommersaison zu entlasten und mehr Reisende übers ganze Jahr zu verteilen», so der Experte. Teil der Bemühungen sei zum Beispiel, dass die Bergbahnen ihren Betrieb auch in den Nebensaisons aufrechterhalten.
Dass die Hitze das Reisen verändert, hilft auch dem Inlandtourismus. «Die Alpenregionen profitieren dabei doppelt», sagt Eggli. Zum einen kommen im Sommer mehr Leute, die in den Bergen der Hitze entfliehen wollen. Zum anderen werde auch der Herbst wegen der ausgebauten Angebote attraktiver. Bei wärmerem Herbstwetter seien Aktivitäten wie Bergwanderungen oder Mountainbike-Ausfahrten immer beliebter.
Boomende Alpen hin oder her, am Ende bleibt: Die Schweizerinnen und Schweizer lassen sich ihre Badeferien nicht nehmen. Ferien am Meer gehören für viele einfach dazu. Hitzesommer und Tropennächte in der Schweiz zum Trotz – um das letzte bisschen Sommer aus dem Jahr zu kitzeln, fliegen sie jetzt im Herbst ans Meer.