Darum gehts
- Die Wagner AG aus Waldstatt AR wird nach 80 Jahren liquidiert
- 71 Stellen betroffen, Gründe: Autoindustrie-Krise, Energiepreise, starker Franken
- Produktion läuft bis Januar 2027, dann Betriebsende angekündigt
Die Krise in der Autoindustrie zwingt einen Ostschweizer Autozulieferer in die Knie. Die Wagner AG mit Hauptsitz in Waldstatt AR steht vor dem Aus. Nach mehr als 80 Jahren wird das Familienunternehmen liquidiert. 71 Arbeitsplätze fallen weg, wie die «Appenzeller Zeitung» berichtet. Wagner entwickelt und produziert Metall- und Kunststoffteile vor allem für die Autoindustrie sowie den Maschinen- und Anlagenbau.
Seit Ende Juni befindet sich das Unternehmen in einer provisorischen, stillen Nachlassstundung. Produktion und Lieferungen liefen seither weiter, während fieberhaft nach einer Rettung gesucht wurde. Doch die Suche blieb erfolglos. Eine wirtschaftlich tragfähige Lösung für die Weiterführung des gesamten Unternehmens habe trotz intensiver Bemühungen nicht gefunden werden können, teilt Wagner mit.
Eine Handvoll Gründe fürs Aus
Nun sollen Kundenprojekte und Geschäftsaktivitäten schrittweise an verschiedene Industriepartner übertragen werden. Gleichzeitig sucht Wagner für möglichst viele Angestellte neue Stellen bei Partnerfirmen und Unternehmen in der Region. Ein Konsultationsverfahren läuft. Mit einem solchen können die Angestellten aufzeigen, wie man ein Unternehmen retten oder den Jobabbau vermindern kann.
Als Gründe nennt Wagner gleich mehrere Probleme: Seit 2018 hätten der Umbruch in der Autoindustrie, Corona und Lieferkettenprobleme sowie der Ukraine-Krieg und die Energiekrise dem Unternehmen zugesetzt. Hinzu kämen schwache Nachfrage, Überkapazitäten und wachsender Preisdruck – insbesondere durch Konkurrenten aus China. In der Schweiz belasteten zudem hohe Energie- und Personalkosten sowie der starke Franken die Wettbewerbsfähigkeit.
CEO und Mitinhaber Silvan Halter, der das Familienunternehmen in dritter Generation führt, spricht von einem «ausserordentlich schwierigen» Schritt. Die Eigentümer hätten in den vergangenen Jahren erhebliche zusätzliche Mittel eingeschossen. Genützt hat auch das nichts. Der Betrieb soll mindestens bis Mitte Januar 2027 sichergestellt bleiben. Danach stehen die Maschinen still.
Hunderte Jobs gehen verloren
Erst vor Wochenfrist haben Hunderte Angestellte in Oberegg AI und Eschen FL schlechte Nachrichten erhalten. Der Autozulieferer Thyssenkrupp Presta verschärft den angekündigten Stellenabbau an den beiden Standorten massiv. Statt der ursprünglich angekündigten 570 Arbeitsplätze sollen beim Hersteller von Lenksystemen insgesamt 640 Stellen verschwinden. An den beiden Standorten arbeiten derzeit noch rund 2100 Angestellte.
Auch die Brusa Hypower AG aus Buchs SG baute Jobs ab: Der Hersteller von Leistungselektronik für E-Fahrzeuge strich Ende letztes Jahr 55 Stellen in der Schweiz und schloss seinen Standort in Stuttgart (D). Und die letzte Schweizer Stahlrohrfabrik Mubea aus Arbon TG steht vor dem Aus: Vergangenes Jahr strich sie 240 Stellen.