Darum gehts
- Camille Rast beeindruckt im Ski-Weltcup, schlägt sogar Mikaela Shiffrin
- Experten uneinig über Rasts Chancen auf den Gesamtweltcup-Titel
- Rast liegt 120 Punkte hinter Shiffrin, noch 16 Rennen 2026 ausstehend
Zweite, Zweite, Zweite, Erste, Erste. Camille Rast ist die Frau der Stunde im Ski-Weltcup.
440 Punkte aus fünf Rennen – bärenstark. Zuletzt schlug die 26-Jährige sogar Slalom-Königin Mikaela Shiffrin (30). Die Amerikanerin staunte: «Ich habe nur zugeschaut – begeistert und voller Bewunderung.»
Die Frage drängt sich auf: Gewinnt Rast am Ende sogar den Gesamtweltcup? Vor Saisonbeginn wäre man dafür ausgelacht worden. Jetzt ist die Frage legitim. Rast liegt nur noch 120 Punkte hinter Shiffrin, 16 Rennen stehen aus. Grund genug, sich mal bei den TV-Experten umzuhören.
Super-G als Plus: Büchel sieht Shiffrin vorne
Marc Berthod (42) schwankt. «Schwierige Frage», sagt der Ex-Adelboden-Sieger. «Shiffrin wird durch die Rivalität zusätzlich motiviert sein.» In Abwesenheit von Federica Brignone (35, It) und Lara Gut-Behrami (34) ist und bleibt die Amerikanerin für den SRF-Mann die Favoritin. «Aber es wird knapp.»
Einsätze von Shiffrin im Speed-Bereich könnten letztlich den Unterschied machen. «Im Slalom geben sie sich wenig», sagt ZDF-Experte Marco «Büxi» Büchel (54). Er macht die Rechnung: «Im Slalom bleibt es ausgeglichen. Im Riesenslalom kann Camille die 120 Punkte aufholen. Aber in den sechs Super-Gs traue ich Shiffrin rund 200 Punkte zu.» Sein Fazit? «Schweren Herzens: Nein, es reicht nicht für Camille.»
ORF-Expertin Nicole Hosp (42, Ö) sieht es ähnlich. Die Gesamtweltcupsiegerin von 2007 meint: «Rast kann Shiffrin fordern, es wird knapp. Aber Shiffrin kann jederzeit Speed-Rennen fahren, sollte es knapp werden im Kampf um die grosse Kugel.»
Plaschy glaubt an Rast-Coup
Gibt es also niemanden, der auf Rast setzt? Doch. SRF-Fachmann Didier Plaschy (52) meint: «Gut möglich, dass Camille Ende Saison die grosse Kugel in den Händen halten wird.»
Er zweifelt, ob Shiffrin alle Super-Gs bestreitet. «Sie will Olympia-Gold im Slalom. Und weil sie nun von Camille dort bedrängt wurde, muss sie auch ihre Hausaufgaben im Training erledigen. Ich weiss nicht, ob sie beides unter einen Hut kriegt.»
Plaschy glaubt nicht an andere Herausforderinnen. Emma Aicher (22, De) sei zu unstetig, Alice Robinson (24, Neus) schied zweimal aus und von Sofia Goggia (33, It) erwartet der Walliser mehr.
Nur zwei Disziplinen? Ein grosses Handicap
Doch wie stehen die Chancen, dass Rast plötzlich Super-G fährt? Klein. 2024 fuhr sie viermal in Zinal VS bei kleineren Rennen. «Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass sie ab der nächsten Saison zwischendurch bei Super-Gs zu sehen sein wird – punktuell, wie Loïc Meillard.»
Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie schwierig Rasts Unterfangen ist: Seit Einführung des Weltcups gewann nur eine Fahrerin mit zwei Disziplinen den Gesamtweltcup – Lise-Marie Morerod 1977. Die heute 69-Jährige sagt: «Ich bin stolz auf Camille. Sie ist ein neuer Champion. Möge es so weitergehen.»