Hier fährt Rast zum souveränen Kranjska-Gora-Double
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Auch Shiffrin chancenlos:Hier fährt Rast zum souveränen Kranjska-Gora-Double

Schweizer Ski-Legenden von Rasts Doppelsieg beeindruckt
«Alle liessen sich von Shiffrin einschüchtern, nur Camille nicht»

Camille Rast bezwingt Weltcup-Favoritin Mikaela Shiffrin und gewinnt nebend dem Riesenslalom in Kranjska Gora auch noch den Slalom. Es ist ein historisches Doppel, das selbst Ski-Legenden beeindruckt – und ein Zeichen setzt.
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Sonja Nef war die letzte Schweizerin, die einen Slalom und einen Riesenslalom im Weltcup gewinnen konnte. Bis zum letzten Wochenende!
Foto: Imago

Darum gehts

  • Camille Rast gewinnt Riesenslalom und Slalom im slowenischen Kranjska Gora
  • Rast ist erst die sechste Schweizerin mit Siegen in beiden Disziplinen
  • Die Schweizer Ski-Legenden Vreni Schneider und Sonja Nef sind voll des Lobes
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Mathias GermannReporter Sport

Sieg im Riesenslalom, Sieg im Slalom. Mehr geht nicht.

Was Camille Rast (26) am Wochenende in den Schnee von Kranjska Gora (Sln) zauberte, beeindruckte alle. Und der Coup der Walliserin ist geschichtsträchtig. Sie ist erst die sechste Schweizerin, die in den beiden technischen Disziplinen im Weltcup triumphiert. «Unglaublich, dass es geklappt hat», sagte Rast.

Doch wer waren die anderen Schweizerinnen? Fernande Bochatay (79) war die Erste – sie gewann in den 60ern zweimal im Riesenslalom und einmal im Slalom. In den 70ern war die Reihe an Lise-Marie Morerod (14 Riesenslaloms, 10 Slaloms). In den 80ern brillierte Erika Hess (63) – 6 Riesenslaloms und 21 Slaloms.

Ende der 80er- und anfangs der 90er-Jahre dominierte Vreni Schneider (61) mit 20 Riesen- und 34 Slalom-Triumphen. Und die Letzte vor Rast? Genau: Sonja Nef (53). Die Appenzellerin gewann letztmals vor über zwei Jahrzehnten, sie hamsterte 13 Riesenslaloms und zwei Slaloms. 

Nef: «Camille liess sich nicht einschüchtern»

Nef ist froh, hat sie mit Rast endlich eine Nachfolgerin. «Das ist richtig genial», sagt sie. Die Ehefrau des Schweizers Alpin-Direktor Hans Flatscher schaute sich Rasts Fahrten im TV ganz genau an und da vor allem auf das Duell mit Mikaela Shiffrin (30, USA). 

Nur wenige glaubten, dass Rast den Ski-Superstar im Slalom würde biegen können. Rainer Salzgeber zählte dazu. Der Head-Rennsportleiter meint: «Man hat gesehen, dass nicht alles so läuft, wie es viele Experten erwarten. Camille hat in beiden Rennen gezeigt, dass sie jeden schlagen kann. Sie ist nach ihrer Verletzung wieder dort, wo sie hingehört.»

Heisst: an der Spitze. Nef erklärt, warum sie wie Salzgeber an Rast glaubte. «Das fing vor einigen Wochen an. Obwohl Shiffrin jeden Slalom mit über einer Sekunde Vorsprung gewonnen hatte, sagte Camille, dass sie schlagbar sei. Das hat mich extrem beeindruckt. Alle liessen sich von Shiffrin einschüchtern, Camille jedoch nicht. Sie hat daran geglaubt und hart gearbeitet. Und jetzt ist es passiert.»

Man erkenne, was der Kopf und die richtige Einstellung – gepaart mit richtigem Training – bewirken können. Nef: «Das ist eine geniale Kombination. Und genau darum ist Camille eine Siegfahrerin.» 

Tragödie in Crans-Montana steht über allem

Auch Gold-Vreni Schneider ist beeindruckt. «Camille ist in einer Form, in der ihr alles gelingt. Das ist grossartig, einfach fantastisch.» Die Elmerin hat wie wohl fast alle Schweizer ein Wochenende mit gemischten Gefühlen hinter sich. Auf der einen Seite die unendliche Trauer über die Tragödie in Crans-Montana VS, andererseits die sportlich starken Leistungen Rasts. 

«Zur selben Zeit, in der Camille im Einsatz stand, fand in Crans-Montana einen Trauergottesdienst statt. Und danach ein Trauermarsch. Camille ist Walliserin und sicher stark mit Crans-Montana verbunden. Es war sehr schön, wie sie mit Trauerflor fuhr und mit ihren Worten, den Opfern und deren Liebsten gedacht hat», so Schneider. 

Die dreifache Olympiasiegerin ist der Meinung, dass es für den Kopf wohl gut war, dass Rast nicht in der Schweiz, Italien oder Frankreich gefahren ist – sondern eben in Slowenien, also weit weg. «Das Ausmass der Tragödie wird sie möglicherweise erst zu Hause im Wallis so richtig mitbekommen und realisieren. Ich wünsche ihr von Herzen viel Kraft.»

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