Darum gehts
- Die FIS-Präsidentschaftswahl am 11. Juni in Belgrad sorgt für Spannung
- Das FIS-Vermögen ist während Eliaschs Präsidentschaft von 130 auf 43 Millionen CHF geschrumpft
- 80 Länder stimmen ab, der Mehrheitskandidat benötigt über 50 Prozent
Die Geschichte liest sich wie ein Krimi. Nur: Sie ist wahr. Und sie könnte den Skisport in seinen Grundfesten erschüttern.
Worum geht es? Um die FIS-Präsidentschaftswahl am kommenden Donnerstag in Belgrad (Ser). Seit dem von Blick enthüllten Rücktritt von FIS-CEO Urs Lehmann glühen die Smartphones in der Skiwelt. Die Karten werden neu gemischt. Doch der Reihe nach.
Der schwedisch-britische Milliardär Johan Eliasch (64), diesmal von Georgien nominiert, kämpft um seine Wiederwahl. Seine Herausforderer sind die Britin Victoria Gosling und der Liechtensteiner Alexander Ospelt. Sie setzen auf Zusammenarbeit, Konsens und Dialog – auf vieles also, wofür Eliasch nicht steht.
Grosse Ski-Nationen sind sauer
Eliasch, auch Vorstandsvorsitzender des Skiherstellers Head, hat in den vergangenen vier Jahren viel Porzellan zerschlagen und viel Geld ausgegeben. «Wenn wir so weitermachen, fahren wir mit 180 km/h gegen eine Wand», sagt Swiss-Ski-Co-CEO Diego Züger. Das Vermögen der FIS soll von 130 auf 43 Millionen Franken geschrumpft sein.
Offiziell bestätigt wurde das nie. Das passt zu Eliaschs Führungsstil. Falls man überhaupt von einem Stil sprechen kann. Insider beschreiben ihn als aalglatt, autoritär und kritikresistent. Mit offener Kommunikation, Transparenz und Streitkultur kann er wenig anfangen.
Vor allem die grossen Ski-Nationen haben genug. Sie schliessen jetzt immer mehr die Reihen und wollen die Ablösung von Eliasch. Die Schweiz, Österreich, Deutschland, Italien, Schweden, die USA, Kanada, Frankreich und Norwegen dürften bei der kommenden Wahl Ospelt unterstützen.
Lehmann zeichnete ein düsteres Bild
Swiss-Ski machte vergangenen Mittwoch Ernst: Der Verband verlangte Antworten, vor allem zur finanziellen Lage der FIS. In der Zentrale in Oberhofen am Thunersee erhielt er sie – von Urs Lehmann. Dieser zeichnete ein düsteres Bild. Die Lage sei miserabel. Wenn die FIS den bisherigen Kurs fortsetze, drohe in zwei Jahren die Zahlungsunfähigkeit.
Swiss-Ski konfrontierte Eliasch mit diesen Aussagen. Der Präsident soll heftig reagiert haben und Lehmann mangelnde Loyalität vorgeworfen haben. Lehmann zog daraufhin die Konsequenzen und trat am Freitag zurück.
Viele sehen in diesem Knall den möglichen Todesstoss für Eliaschs Wiederwahl. Doch reicht das für eine Wende?
Für wen stimmt Vanuatu?
Das Problem der grossen Ski-Nationen: Die kleinen Verbände standen bisher mehrheitlich hinter Eliasch. Zwar verfügen sie am Kongress in Belgrad oft nur über eine Stimme – die Schweiz etwa über drei. Doch die Zahl der kleinen Verbände könnte den Ausschlag geben. Dass sich Eliasch wie kein anderer Präsident um sie gekümmert hat, könnte sich nun auszahlen.
Total sind 80 Länder stimmberechtigt, von A wie Amerikanisch-Samoa bis V wie Vanuatu. Sobald ein Kandidat über 50 Prozent der Stimmen hat, gilt er als gewählt.
Und was wäre, wenn Eliasch im Amt bleiben sollte? Dann droht der nächste Knall. Genauer: ein mittleres Erdbeben.
Wengen und Kitzbühel im Fokus
Die grossen Ski-Nationen könnten sich von der FIS lösen und Traditionsrennen wie Wengen, Adelboden, Kitzbühel, Val d’Isère und Bormio in einem eigenen Verband durchführen.
Noch ist dieses Szenario Zukunftsmusik. Das Fazit? Verliert Eliasch die Wahl, könnte in der Skiwelt rasch Ruhe einkehren. Gewinnt er hingegen, sind neue Konflikte vorprogrammiert. Viele möchten sich gar nicht ausmalen, wohin das führen könnte.
Übrigens: Blick konfrontierte die FIS mit einem Fragenkatalog zu den Vorwürfen. Er blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.