Darum gehts
- Nach Odermatt: Auch Shiffrin und Meillard kritisieren FIS-Präsident Eliasch
- FIS-Konto sank von 130 Millionen Franken (2021) auf 43 Millionen Franken
- Weltcuppreisgelder: 168’000 Euro pro Event, FIS-Beitrag nur 26’000 Euro
Der Widerstand gegen den mächtigsten Ski-Mann wird immer grösser! Nachdem letzte Woche Marco Odermatt (28) im Gespräch mit Blick die Abwahl des FIS-Präsidenten forderte, legen nun US-Superstar Mikaela Shiffrin (31) und Slalom-Olympiasieger Loïc Meillard (29) nach. «Ich habe zwar überhaupt kein Problem mit der Person Eliasch, aber als Präsident der FIS hat er nicht das gehalten, was er versprochen hat. Deshalb wünsche ich mir einen neuen Präsidenten, der weniger für sich und mehr für den Skisport tut», macht Meillard deutlich.
Shiffrin schlägt gegenüber Blick in die gleiche Kerbe: «Viele von uns Athleten haben das Gefühl, dass die FIS und die derzeitige Führung einen erheblichen Mangel an Transparenz an den Tag gelegt haben.» Die 110-fache Rekord-Weltcupsiegerin räumt ein, dass sie «keine Politikerin und schon gar keine Expertin» dafür sei, wie man einen Apparat dieser Grössenordnung führe. «Ich bin jedoch der Meinung, dass Transparenz der Schlüssel ist – ich frage mich oft, ob das naiv ist, aber das sollte es nicht sein.»
FIS-Konto sinkt von 130 Millionen auf 43 Millionen Franken
Vor seiner grandiosen Rennfahrerkarriere hat Meillard mit Erfolg eine Banklehre abgeschlossen. Um zu erkennen, dass die finanzielle Bilanz des amtierenden FIS-Präsis keine gute ist, muss man aber kein grosser Fachmann sein. Beim Amtsantritt von Eliasch 2021 lagerten 130 Millionen Franken auf dem FIS-Konto, aktuell sind es noch knapp 43 Millionen.
«Wenn Eliasch mit diesen Millionen unseren Sport besser gemacht hätte, könnte ich mit dieser Bilanz gut leben. Doch das ist leider Gottes nicht passiert. Die Präparation der Weltcuppisten ist im Durchschnitt nicht besser geworden. Es ist auch nicht so, dass in sämtlichen Teamhotels hochwertigeres Essen serviert wird», ärgert sich Meillard.
Preisgelder wie im Tennis? Bei weitem nicht …
Stellt sich die Frage, wofür der gebürtige Schwede, der am 11. Juni als Georgier zur Wiederwahl antreten wird, in fünf Jahren rund 87 Millionen Franken investiert hat?
Ganz sicher nicht in die Preisgelder. Im Oktober 2021 sprach Eliasch ganz grosse Worte: «Es muss unser Ziel sein, dass wir im Skirennsport eines Tages gleich hohe Preisgelder wie im Tennis auszahlen können.»
Und anlässlich eines Internetcalls in der Saison 2024/25 versicherte Eliasch den Athleten, dass sie rückwirkend auf ein Jahr 20 Prozent mehr Preisgeld erhalten würden. Dieses Versprechen wurde bis heute nicht eingelöst. «Stattdessen wird nun das Preisgeld nicht mehr wie in der Vergangenheit in Franken, sondern in Euro ausbezahlt. Weil der Euro-Kurs schwächer ist als der Franken, ist das für uns kein gutes Geschäft», hält Meillard, der seit kurzem Papa einer Tochter ist, fest.
Shiffrin: «Keine signifikanten Veränderungen»
Bestimmte Versprechungen seien von der FIS gemacht, aber nicht umgesetzt worden, findet auch Shiffrin. Das heisse nicht, dass es keine Fortschritte gab, «aber wir haben keine signifikanten Veränderungen gesehen, die auf den Versprechungen basieren». Die US-Skikönigin nennt ebenfalls das Beispiel Preisgelder: «Tatsächlich scheint es so, dass der Beitragsanteil der FIS an den Preisgeldern in den kommenden Jahren sogar sinken wird.»
Die Zahlen zeigen: Im kommenden Winter wird ein Weltcupveranstalter ein Mindestpreisgeld von 168’000 Euro (153’000 Franken) aussetzen. Die FIS beteiligt sich pro Event mit lediglich 26’000 Euro. Zum Vergleich: Bei den French Open in Paris spielen die Tennisstars derzeit um ein Preisgeld von insgesamt 53 Millionen Euro.
Falsche Versprechen der FIS
Shiffrin kritisiert die fehlende Bereitschaft zur Diskussion. «Athleten werden oft dafür gescholten, dass sie ihre Sorgen und Frustrationen öffentlich äussern, aber wenn wir versuchen, direkt ‹über die richtigen Kanäle› zu kommunizieren, erhalten wir umständliche Antworten und falsche Versprechen. Vieles von dem, was die derzeitige Führung versprochen hat, wird nicht wirklich in die Tat umgesetzt.»
Am 11. Juni folgt die FIS-Präsidentschaftswahl in Belgrad (Ser). Ob der schwedisch-britische Milliardär Eliasch, der diesmal für Georgien kandidiert, wiedergewählt wird? Grosse Verbände wie die Schweiz und Österreich wollen dies verhindern.
Das Schlusswort gehört der vielleicht besten Skifahrerin der Geschichte. Shiffrin: «Ich hoffe, dass unabhängig davon, wer in Zukunft Präsident sein wird, diese Person den Athleten wirklich zur Seite steht und zeigt, dass sie unsere Leistungen durch Transparenz und Ehrlichkeit zu schätzen weiss.»