UNaTWX0I1yZDCG_poster.jpg
1:13
Über einen Kilometer Piste:Das ist die grösste Skihalle der Welt

Österreicher preschen wegen Gletscherschwund vor
Braucht die Schweiz eine Skihalle für unsere Stars?

Swiss-Ski prüft die Idee einer Skihalle in der Schweiz, sieht wegen Kosten, Bewilligungen und Nachhaltigkeit aber hohe Hürden. Priorität haben laut Verband vorerst die bestehenden Trainingsstandorte auf den Gletschern.
Kommentieren
1/14
Hüttenromantik indoor? In Österreich sollen die ersten Skihallen entstehen. Und in der Schweiz?
Foto: Benjamin Soland

Darum gehts

  • Österreich will so bald wie möglich eine Skihalle bauen
  • Swiss-Ski verlangt Raumplanung, Ökoprüfung und aktuelle Kostenzahlen
  • Skihallen helfen bei Materialtests – aber wie notwendig sind sie wirklich?

Die Gletscher schrumpfen, das Sommertraining wird schwieriger. In Österreich ist deshalb eine alte Idee wieder auf dem Tisch: eine Skihalle, in der Athletinnen und Athleten ganzjährig auf Schnee trainieren können. Verbandspräsidentin Roswitha Stadlober macht Druck. «Das muss zum Thema werden, auch für die Bevölkerung», sagt sie im ORF. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis Österreich seine erste Skihalle baue.

Und die Schweiz? Auch hier gerät das Training auf den Gletschern zunehmend unter Druck. Walter Reusser, Co-CEO von Swiss-Ski, will die Idee nicht abschreiben – sie ist in der Schublade. «Es braucht aber eine raumplanerische Prüfung, damit die Machbarkeit als Grundvoraussetzung gegeben wäre.» Und dann müsste man auch schauen, wie es um die Nachhaltigkeit bestellt ist – im wirtschaftlichen, aber auch ökologischen Sinne.

Schweizer nutzen Skihalle in Deutschland

Weltweit gibt es etwa 130 Skihallen. Die grösste steht in Shanghai und bietet auf 90’000 Quadratmetern vier Pisten für unterschiedliche Könnerstufen. Auch in Europa gibt es solche Anlagen, etwa in Deutschland, Norwegen, den Niederlanden und Litauen. Swiss-Ski mietet seit Jahren die Halle in Wittenburg in Deutschland. Auch Schweizer Skiclubs nutzen sie für die Nachwuchsförderung.

Für Swiss-Ski-Alpindirektor Hans Flatscher liegt ein Vorteil vor allem bei Materialtests: Athleten und Serviceteams können Ski unter winterlichen Bedingungen auf Kunstschnee testen. Aber eine Skihalle in der Schweiz? Flatscher verweist auf hohe Bau- und Betriebskosten sowie auf die schwierigen Bewilligungsverfahren. «Zu sagen, wir bauen jetzt einfach eine Skihalle, funktioniert in der Schweiz nicht so leicht.»

Eine hohe Priorität hat das Projekt für Flatscher nicht. Solange sich die Gletscher noch nutzen liessen, könne Swiss-Ski das Training organisieren. «Für mich liegt der Fokus auf unseren bestehenden Trainingsstandorten, diese zu pflegen und auszubauen. Dort sehe ich mehr Bedarf.»

Für Kinder oder für Profis besser?

Der österreichische Frauen-Cheftrainer Hannes Zöchling sieht mehr Potenzial – vor allem für Kinder und Jugendliche, die nicht in den Bergen leben. Sie könnten in einer Halle Skifahren lernen und später vielleicht mit ihren Familien in die Skiferien fahren. «Ganz ehrlich: Nur für uns Leistungssportler werden sie keine Skihalle bauen, weil sich das nicht rentiert», sagt er. Eine Halle müsse deshalb auch dem Nachwuchs und dem Wintertourismus nützen.

Wolfgang Meier, Alpinchef des Deutschen Skiverbands, ist skeptischer. Deutschland betreibt bereits Skihallen. Für Kinder und Jugendliche seien sie nützlich, für den Weg an die Spitze reichten sie aber nicht. «Einen Slalom wie in Wengen oder Kitzbühel kann man in einer Halle nicht annähernd nachbilden», sagt Meier. Für den alpinen Spitzensport brauche es längere Pisten und ein anderes Gefälle.

85 Millionen Franken?

Auch Slalom-Ass Wendy Holdener (33) hält den Nutzen für sich selbst für begrenzt. «Ich bin durchschnittlich etwa einmal pro Jahr in einer Skihalle», sagt sie. Für Materialtests und bei unsicheren Schneeverhältnissen könne eine Halle helfen. Doch sehr eisige Pisten seien gerade für Kinder nicht ideal. Nach einer Verletzung würde sie ebenfalls andere Trainingsmöglichkeiten bevorzugen. Sie hofft, dass die Gletscher noch lange erhalten bleiben.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.

Für Swiss-Ski bleibt die Skihalle eine Option, aber kein Projekt um jeden Preis. Denkbar wären laut Reusser auch eine privat betriebene Anlage, die der Verband mietet, oder ein Sportzentrum, das mehrere Sportarten verbindet und Energie gemeinsam nutzt. Eine Abklärung aus dem Jahr 2007 bezifferte die Kosten laut Reusser auf 85 Millionen Franken. Was eine moderne Halle heute kosten würde, müsste erst untersucht werden.

Die Frage ist also nicht nur, ob die Schweiz eine Skihalle bauen kann. Sondern ob sie sich lohnt – für den Nachwuchs, den Spitzensport und die Umwelt. Bis das geklärt ist, bleibt die Idee in der Schublade.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen