Darum gehts
Das Schild ist den meisten Ski-Profis bekannt. «Fin del Mundo» steht an der Hafenpromenade von Ushuaia. «Ende der Welt». Jedes Jahr kommen Hunderte Athletinnen und Athleten hierher, um sich im argentinischen Winter auf die Saison vorzubereiten.
Auch Sue Piller. Die 21-jährige Freiburgerin ist zum zweiten Mal in Südamerika. Und froh darüber. «Hier haben wir richtig Zeit, an der Technik zu arbeiten, das Material einzustellen und uns daran zu gewöhnen.»
Piller gehört zu den Aufsteigerinnen der vergangenen Saison. Im Riesenslalom wurde sie einmal Sechste und holte fünf weitere Male Punkte. Dazu kamen die ersten Olympischen Spiele und zwei Siege im Europacup. «Ich habe das Gefühl, dass es jedes Jahr schneller geht, dass ich schneller wieder auf einem gewissen Niveau bin.»
Bakterieller Infekt legte Piller lahm
Nun verbringt Piller drei Wochen in der südlichsten Stadt der Welt. Sie wohnt mit dem Team am Meer und trainiert im Skigebiet Cerro Castor oberhalb Ushuaias. Das Ziel: Am 24. Oktober bereit sein für den Saisonauftakt auf dem steilen Rettenbachgletscher oberhalb von Sölden (Ö). «Ich fühle mich gut», sagt sie.
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Das war im Frühling nicht so. Zweimal war sie rund fünf Tage krank, mit Grippe und hohem Fieber. Beim dritten Mal wurde es heftiger: ein bakterieller Infekt, der auch den Magen in Mitleidenschaft zog. Hat sie eine Erklärung?
Piller muss nicht lange überlegen. «Die Spannung nach der Saison lässt auf einmal nach. Ich werde dann häufig krank.»
18 Wochen Spitzensport-RS brachten viel
Das Problem: Nur zwei Tage nach ihrem letzten Rennen, der Schweizer Meisterschaft, rückte Piller in die Spitzensport-RS ein. Anders ging es nicht. «Mein Körper brauchte Ruhe, aber ich gab sie ihm nicht. Aus sportlicher Sicht war es absolut nicht sinnvoll, so früh einzurücken.» Sie musste gleich wieder heim.
Einen Vorwurf macht sie dem Bundesamt für Sport nicht. Im Gegenteil. Auch Athletinnen und Athleten aus anderen Sportarten rückten in Magglingen BE ein, und der Beginn der RS lässt sich nicht auf die Trainingsplanung jedes Einzelnen abstimmen. «Ich habe in den 18 Wochen viel gelernt und von hervorragenden Trainingsbedingungen profitiert», sagt Piller.
Pillers Ziel: Mehr Explosivität, direktere Fahrweise
Den körperlichen Rückstand hat sie inzwischen aufgeholt. Auch der Rücken, früher immer wieder eine Problemzone, macht mit. Piller kann sich deshalb auf den nächsten Schritt konzentrieren. Ihr Fokus liegt nicht mehr auf dem Muskelaufbau. Davon hat sie genug. «Die Masse ist da. Jetzt muss ich sie anders orientieren – mehr in Richtung Schnellkraft.» Piller will explosiver werden. Das soll ihr helfen, die Tore direkter anzusteuern, statt einen grösseren Bogen zu fahren.
Denn genau dort sieht sie noch Potenzial. Rund und schön, die Geschwindigkeit stets unter Kontrolle – so will Piller nicht mehr unterwegs sein. «Ich muss das rausbekommen und kopfloser fahren. Einfach weniger lieb.»
In Ushuaia arbeitet sie daran. Auf steilen, teilweise eisigen Hängen. Tag für Tag, Woche für Woche. Zurücklehnen gibt es nicht – auch nicht nach Militär und Krankheit.