Darum gehts
Die Finanzen
Unter dem nun abgewählten FIS-Präsidenten Johan Eliasch soll das Vermögen des Weltverbands von 130 Millionen Euro auf nur noch 43 Millionen geschrumpft sein. Die finanzielle Lage war für viele Verbände der Hauptgrund, bei Eliasch die Notbremse zu ziehen und Alexander Ospelt zu wählen. «Wenn wir so weitermachen, fahren wir mit 180 km/h gegen eine Wand», sagt Swiss-Ski-Co-CEO Diego Züger über die Finanzlage unter Eliasch. Gemäss ÖSV-Generalsekretär Christian Scherer weist das FIS-Budget für 2026/27 ein strukturelles Defizit von 5,7 Millionen Euro aus. Eine Situation, die nun Ospelt rasch anpacken muss. Der Verband muss rentabler werden. Auch weil zum Beispiel die Athletinnen und Athleten auf höhere Preisgelder pochen. «Wir müssen die Ausgaben senken und neue Einnahmequellen erschliessen», sagt der Liechtensteiner. Einfach wird das nicht.
Die Modernisierung
Der Ski-Weltcup ist eher altehrwürdig – modern und frisch ist anders. Ospelt will daran rütteln. Er will Änderungen, natürlich auch fürs Fernsehen. «Wir müssen ein TV-Format finden, das nicht länger als 75 Minuten geht», sagt er. Formate wie City-Events und Parallel-Rennen floppten aber bereits. Die Traditionalisten im Ski-Zirkus sind auch traditionell laut. Nicht zuletzt in der Schweiz. In Wengen heisst es: Einen Red-Bull-Bogen über dem Hundschopf wird es nie geben. Auch Ospelts Idee, den Sport mit Teilnehmern aus kleineren Wintersportländern internationaler zu machen, birgt spätestens dann Zündstoff, wenn grosse Nationen Startplätze für langsamere Exoten hergeben müssen. Weitere Ospelt-Ideen: die Grössen wie Marco Odermatt mehr als echte Stars inszenieren. Dann ein Netflix-Auftritt im Stil von «Drive to Survive», diese Serie löste einen beispiellosen Formel-1-Boom aus. Und eine Adaptierung der Vierschanzentournee – sprich: einen Event mit eigener Wertung innerhalb des bestehenden Weltcups zu kreieren. Klingt alles gut. Aber Widerstand ist fast schon garantiert.
Die Schlüssel-Jobs
Ospelt ist gewählt, aber aktuell gibts bei der FIS keinen CEO und keinen Generalsekretär. Hier muss der Mann aus dem Ländle rasch handeln. Denn ohne starke operative Mitstreiter auf den Schlüssel-Jobs steht er auf verlorenem Posten. Dass Urs Lehmann bald wieder als CEO zurückkehrt, dürfte auf breiten Konsens stossen. Dass auch der Franzose Michel Vion als Generalsekretär mit Eliasch geht, ist aber eine weitere Baustelle.
Der Ski-Kalender
Das wird eine Herkulesaufgabe für Ospelt. Der neue Boss will zum Beispiel, dass der Rennkalender eine Stabilität bekommt wie zum Beispiel in der Formel 1, dass die Termine schon über mehrere Jahre bekannt sind. Denn aktuell ist alles ein Flickwerk. Bis wenige Monate vor Saisonstart ist noch nichts offiziell, ein Dauer-Ärgernis. Und weil sich Ospelt etwa auch einen frühen Saisonstart in Südamerika vorstellen kann, wird der Kalender umso mehr zur Herausforderung. Denn da sind auch die ewig gleichen Fragen: Warum kriegen nicht alle Disziplinen gleich viele Rennen? Ein- oder zweimal nach Nordamerika? Warum gibts im Januar fünf Männer-Slaloms und im Dezember nur zwei? Wie bewegt man Weltcup-Orte dazu, sich vom traditionellen Termin zu trennen?
Der WM-Rhythmus
Auf Ospelts Ideenliste taucht ein brisanter Gedanke auf: die alpine Ski-WM jährlich statt wie bis anhin jedes zweite Jahr austragen zu lassen. Was dahintersteckt? Mehr Grossanlass, mehr Einnahmen, mehr Action, mehr Event. Die Idee liesse sich auch auf alle anderen FIS-Sparten wie Ski nordisch und Snowboard ausweiten. Aber aufgepasst: Im Eishockey zum Beispiel ist kaum jemand glücklich, dass jedes Jahr im Mai noch eine WM ansteht. Ausser dem Weltverband IIHF natürlich – denn die jährliche Einnahmequelle kommt ihm gelegen. Aber der sportliche Wert eines WM-Titels sinkt mit höherem Rhythmus.
Die Einigkeit
Für die grossen Verbände wie Swiss-Ski ist Ospelts Wahl ein grosser Triumph. Doch angesichts von einer einzigen Stimme Vorsprung auf Eliasch dämmerte es dem neuen Präsi rasch: «Ich weiss, dass die FIS noch immer gespalten ist.» Vor allem zu vielen kleinen und mittleren Verbänden muss Ospelt als Mann der Grossverbände zuerst wieder Vertrauen aufbauen. Denn von nicht wenigen wurde die Ospelt-Seite im Wahlkampf brandschwarz angelogen. Swiss-Ski-Präsident Peter Barandun schilderte, dass man rund 90 Zusagen hatte, am Ende aber nur 65 tatsächlich für Ospelt stimmten. Hier braucht es viel frischen Wind, um die ganze FIS wieder ins Boot zu holen. Und das bedeutet nicht zuletzt: Finanziell müssen alle profitieren.
Die Entwicklung abseits von Ski alpin
Unters FIS-Dach gehören auch Snowboard, Ski nordisch und die Freestyle-Sparten. Ospelt will auch hier Gas geben. Allerdings sieht er keinen Sinn darin, irgendwo bei null zu beginnen. «Wir müssen die Disziplinen dort stärken, wo sie bereits einen Namen haben.» Eine Idee dazu: am Engadiner Skimarathon, dem Stelldichein für die Langlauf-Szene, auch gleich einen Langlauf-Weltcup zu integrieren.