Darum gehts
Camille Rast (26) steht im Starthaus am Rettenbachgletscher. Oktober 2025, Saisonbeginn. Die Walliserin ahnt nicht, was kommt: acht Weltcup-Podestplätze, der erste Sieg im Riesenslalom, Olympia-Silber im Slalom. Sechs Monate später fährt sie noch immer Ski. Trotz Frühling, trotz verblühter Osterglocken.
Schauplatz ist jetzt das Wallis, genauer Zinal. Mit ihr sind 400 Ski-Begeisterte unterwegs, zwischen 4 und 93 Jahren. «Als Kind liebte ich diese Kombi-Rennen: Slalomstangen, Riesenslalom, Sprünge, Skicross-Kurven. Das machte riesig Spass. Diese Freude weiterzugeben, ist genial.»
Die Slalom-Weltmeisterin organisiert zum dritten Mal die «Camille Rast Trophy». Die Anmeldung schliesst sie vor einem Monat – das Interesse sprengt die Kapazität. Wer dabei ist, geniesst den Tag beim Bergrestaurant Sorebois: Skifahren, Raclette, Würste, Sonne, Schnee, Musik. Besser endet keine Saison.
Vier Kurse stehen bereit, für jedes Niveau. «Wir messen Zeiten und führen Ranglisten. Aber es geht nicht um Hundertstel, sondern um Spass. Wenn die Leute lachen und Kinderaugen leuchten, freut mich das selbst.»
Koch-Truppe «Rastatouille» begeistert
Während Ex-Weltcup-Trainer Patrice Morisod um 9 Uhr die Pisten präpariert, gibt Rast seit acht Uhr Autogramme. Sie posiert für Selfies, plaudert, unterschreibt. Die Schlange reisst nicht ab. «Als Kind sah ich die Stars im Weltcup. Dort wollte ich hin. Und ich träumte von einem eigenen Rennen.» Der Traum ist erfüllt. «So ein Fest ist wunderschön. In der Saison fehlt mir die Zeit für Kinder, jetzt habe ich sie.»
Um 10 Uhr starten die Rennen. Vier Kurse, vier Farben: Gelb, Grün, Blau, Rot – von leicht bis anspruchsvoll. Der 93-jährige Gaby Torche fährt ruhig und sicher ins Ziel. «Ich wohne in Grimentz, gleich nebenan. Klar mache ich mit. Camille ist eine starke Fahrerin und ein toller Mensch.» Kurz darauf kommt Marius Willemin – er ist 89 Jahre jünger und verpasst vor dem Ziel das richtige Tor. Egal: Eine Medaille gibt es trotzdem.
Das Fest nimmt Fahrt auf. Bienen, Superhelden, Prinzessinnen, Dinos, Palmen und Cowboys jagen die Pisten hinunter. Auch Kostüme werden prämiert. Einige Mädchen tragen Kochmützen, Schürzen und Plüschratten. Ihr Team heisst «Rastatouille» – eine Anspielung auf den Disney-Film.
Erhält Rast eines Tages ein Heimrennen?
Der Tag in Zinal ist lang. An der Talstation klingt er aus. Kein Stress, nur Genuss. Und die Frage bleibt: Taugt der Ort für Weltcuprennen?
Der Europacup gastiert hier seit Jahren. «Wir denken daran», sagt ein Verantwortlicher. Vielleicht eine Piste weiter, in Grimentz. «Dort ist es steiler. Riesenslalom und Slalom wären möglich.» Noch ist das Zukunftsmusik. Klar ist: Ein weiteres Heimrennen würde Rast gefallen.