«Note 4, mehr nicht»
Rast erhielt klare Trainer-Ansage beim Saisonauftakt

Camille Rast fährt beim Riesenslalom-Auftakt in Sölden auf Rang 6 – ihr bestes Resultat dort. Die Walliserin hadert mit sich selbst. Warum?
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Sie war in Sölden nie besser als Zwölfte. Nun wird Camille Rast Sechste. Zufrieden ist sie dennoch nicht.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Camille Rast würde am liebsten gleich zum nächsten Rennen reisen.
  • Schnee, Wind und schlechte Sicht prägen den zweiten Lauf
  • Paula Moltzan gewinnt erstmals – vier weitere Schweizerinnen holen Punkte
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Mathias GermannReporter Sport

Die Gespräche mit den Journalisten im Zielraum sind vorbei. Camille Rast (27) bedankt sich und geht. Dann dreht sie sich nochmals um und ruft: «Bitte schreibt, dass das schlechte Wetter keine Ausrede ist. Ich bin selbst schuld an diesem Resultat!»

Dabei muss sich Rast nicht entschuldigen. Die Walliserin fährt mit Rang 6 ihr bestes Sölden-Resultat heraus. Bisher war sie nie besser als Zwölfte. «Trotzdem bin ich enttäuscht, denn ich habe nicht gezeigt, was ich kann.»

Die Geschichte mit dem Erdbeben

Zu Tode betrübt ist Rast nicht. Auf die Frage nach ihrer Schulnote für den Saisonauftakt antwortet sie dennoch: «Nicht mehr als eine Vier. Das ist genug», sagt sie schmunzelnd. Der Grund liegt vor allem im ersten Lauf. Rast liegt auf Rang 3, obwohl sie nicht ans Limit geht. «Der Plan war, Gas zu geben. Aber dann war doch viel Kontrolle drin. Ich war nie am Limit.» Ihre Trainer hätten ihr gesagt: «Auch bei einem Erdbeben würdest du dich wohl kaum bewegen.»

Damit ist ihre Ausgangslage für den zweiten Lauf umso besser. Nur 37 Hundertstel fehlen auf Ski-Gigantin Mikaela Shiffrin (31, USA). Selbst der Sieg liegt in Reichweite. Doch schon im flachen Startabschnitt wird klar: Das wird nichts. Auch im Steilhang fährt Rast zu vorsichtig – diesmal, ohne schnell zu sein.

Die Sicht wird schlechter und schlechter

«Wenn man nicht weiss, wo die Füsse hingehen, ist es nicht so einfach», sagt sie mit Blick auf das Wetter. Es schneit und windet. Vor allem aber verschlechtert sich die Sicht. «Die Sonne ging allmählich weg. Und wenn man nicht mehr weiss, wo die Schläge auf der Piste sind, macht es das schwieriger.» Als Ausrede lässt Rast das nicht gelten: «Ich zähle zu den Besten der Welt und sollte auch das beherrschen. Nun weiss ich, woran ich arbeiten muss.»

Keine der drei Führenden nach dem ersten Lauf schafft es aufs Podest. Rast fällt von Rang 3 auf 6, die Schwedin Sara Hector (34) von 2 auf 4 und Shiffrin von 1 auf 7. Wie so oft: Am Rettenbachgletscher braucht es wenig, um das Klassement auf den Kopf zu stellen.

Vier Schweizerinnen punkten auch

Paula Moltzan (32, USA), zur Halbzeit Fünfte, gewinnt erstmals in ihrer Karriere. Hinter ihr landen zwei der grössten Ski-Talente: Lara Colturi (19, Alb) wird Zweite, Emma Aicher (22, De) Dritte. Beide dürften den Ski-Zirkus langfristig prägen. Aicher wird schon in diesem Winter von vielen als Top-Anwärterin auf den Gesamtweltcup angesehen.

Die weiteren Schweizerinnen liegen beim ersten Sölden-Rennen ohne Lara Gut-Behrami (35) deutlich zurück. Vier von ihnen holen Punkte: Wendy Holdener (20.), Simone Wild (24.), Stefanie Grob (25.) und Vanessa Kasper (28.).

Zurück zu Rast. Sie hätte am liebsten, würde das nächste Rennen gleich folgen. Tut es nicht. Erst in drei Wochen in Levi (Fi) gehts weiter. «Vielleicht gönne ich mir daheim ein Fondue mit den Eltern. Das ist immer cool.» Ihre Laune hat sich bereits gebessert.

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