Langjähriger Weggefährte ist nicht mehr im Team
Meillards Neustart nach einem Sommer der Veränderungen

Seit dem letzten, goldenen Winter, hat es bei Loïc Meillard einige Änderungen gegeben. Blick hat den Romand vor dem Auftakt in den WM-Winter dort besucht, wo er sich besonders wohl fühlt.
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Darum gehts

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Marcel W. PerrenReporter Sport

Es gibt Leute, die Loïc Meillard (29) als staubtrockenen Perfektionisten bezeichnen. Ein Perfektionist ist der Walliser mit Neuenburger Wurzeln zwar tatsächlich. Dass der bald 30-jährige Modellathlet aber alles andere als ein staubtrockener Mensch ist, bemerkt jeder, der mit ihm einen Nachmittag oberhalb von Sion im Weinberg der Weinkellerei Maison Gilliard verbringt.

Hier entpuppt sich Meillard als ausgeprägter Geniesser, der viel lacht, liebend gerne ein Raclette isst und dazu ein Glas Weisswein trinkt. Seit ein paar Jahren ist er Botschafter der Rebensäfte der Kellerei Maison Gilliard. «Zu Hause habe ich auch ein sogenanntes Tasting-Set mit sämtlichen Weinaromen. Dummerweise ist meine Nase immer ganz leicht verstopft. Und deshalb bezweifle ich, ob ich eines Tages die Ausbildung zum Sommelier schaffen werde».

Der grosse Einfluss der kleinen Tochter

Dafür hat sich Meillard im letzten Winter ziemlich genau zwölf Monate nach dem Weltmeistertitel im Slalom auch den Olympiasieg in dieser Disziplin eingefahren. Entspannter schaut er deshalb dem kommenden WM-Winter aber nicht entgegen. «Wenn du am Rennstart stehst, spielt es keine Rolle, was du zuvor gewonnen hast. Du musst immer wieder von Neuem abliefern. Aber dank des Gewinns von Olympia- und WM-Gold habe ich die Gewissheit, dass ich bei grossen Rennen funktioniere. Das gibt enormes Vertrauen und hilft, besser mit dem ganzen Stress umzugehen.»

Ende Mai sind Meillard und seine Frau Zoe Eltern von einer Tochter geworden. «Sehr wahrscheinlich werde ich wegen der Kleinen in Zukunft sportliche Enttäuschungen schneller verarbeiten können. Wenn ich meine Tochter sehe, wird auch einem ehrgeizigen Sportler wie mir klar, dass es im Leben Wichtigeres als den Sieg bei einem Skirennen gibt», sagt der stolze Papa.

Der Kampf gegen den Sölden-Fluch

Aus Sölden (Ö) ist Loïc Meillard in den letzten Jahren fast ausnahmslos enttäuscht abgereist. Den Sprung aufs «Stockerl» hat der geniale Techniker beim Riesen-Klassiker auf dem Rettenbach-Gletscher noch nie geschafft. Im Vorjahr kam er hier nicht über den 14. Rang hinaus. «Es ist schon so, dass Loïc viel lieber Hänge mit mehr Geländeübergängen und Rhythmuswechseln mag, als es sie in Sölden gibt», analysiert Trainer Matteo Joris.

Dennoch ist Joris davon überzeugt, dass sein Schützling am kommenden Sonntag den Sölden-Fluch besiegen wird. Warum? «Die Saisonvorbereitung ist bis jetzt deutlich besser gelaufen als im Vorjahr, wo Loïc wegen Rückenbeschwerden zahlreiche Trainingstage verloren hat.» Zudem habe man am letzten Wochenende überhaupt zum ersten Mal in Sölden auf dem Rennhang trainieren können. «Loïc ist in diesen zwei Tagen immer besser in Fahrt gekommen.»

Im Meillard-Team wars Zeit für Veränderung

Eine grosse Änderung hat es im Team-Meillard im letzten Frühling gegeben. Der schwedische Servicemann Niclas Cronsell hat sich nach einer zehnjährigen Zusammenarbeit vom Romand verabschiedet und präpariert neu die Head-Latten von Henrik Kristoffersen, während Meillard jetzt vom Franzosen Paul Delberghe betreut wird. Meillard macht deutlich, dass die Trennung im gegenseitigen Einvernehmen erfolgt ist: «Nach einer so langen Zusammenarbeit war es für uns beide höchste Zeit, eine neue Challenge anzunehmen.»

Trainer Joris erhofft sich durch diesen Wechsel eine bessere Kommunikation: «Ich habe bezüglich der Arbeit im Wachskeller nie einen besseren Servicemann erlebt als Niclas. Aber weil er sehr introvertiert war, hat er kaum mit Meillard über das Material gesprochen. Darum erkenne ich in diesem Wechsel eine Chance, obwohl sein neuer Servicemann weniger Erfahrung hat.»

«Nicht sicher, ob das ein Mehrwert für den Skisport ist»

Meillard residiert seit seiner Kindheit in Hérémence und wird deshalb bei der kommenden WM im Februar ein wahrhaftiges Heimspiel haben. Sein Wohnsitz liegt knapp 35 Kilometer von der Rennstrecke in Crans-Montana entfernt.

Dem FIS-Plan, in Zukunft jedes Jahr eine WM durchzuführen, begegnet der gelernte Bankkaufmann mit Skepsis. «Ich bin mir nicht sicher, ob das dem Skisport einen Mehrwert bringt.» Meillard spricht eine andere Idee aus: «Im Radsport trägt der amtierende Weltmeister das Regenbogen-Trikot. Ich plädiere dafür, dass auch im Skisport etwas Vergleichbares eingeführt wird. Die Titelträger sollten mit einer speziellen Nummer starten, um den WM-Titel besser zu verkaufen.»

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