Darum gehts
- Crans-Montana startet in 100 Tagen in die Ski-WM, 75’000 Tickets sind verkauft
- Narvik streicht die Frauen-Weltcuprennen im März, vieles liegt im Argen
- Die FIS will Narvik die WM 2029 vorerst nicht entziehen
In 100 Tagen beginnt die WM in Crans-Montana. 75’000 der gut 120’000 Tickets sind verkauft. Ein Volksfest ist fast garantiert. Dahinter stecken Jahrzehnte Arbeit, knapp 20 Millionen Franken, eine neue Piste und ein Zielstadion. «Wir mussten uns das verdienen», sagt Marius Robyr. Als OK-Chef prägte er mit Hugo Steinegger die Renaissance von Crans-Montana im Ski-Zirkus.
Heute sind beide WM-Ehrenpräsidenten. Am Montag blieb ihnen beim Zmorge fast das Gipfeli im Hals stecken. Sie lasen, dass Narvik, WM-Austragungsort von 2029, seine Frauen-Weltcuprennen im kommenden März gestrichen hat. «Sie müssen sich um alles kümmern: Pisten, Schneebereitstellung, Sicherheitsanlagen – einfach alles», sagte FIS-Rennchef Peter Gerdol nach einer Inspektion zu NRK. «Nichts ist fertig, alles ist noch in Arbeit.»
Steinegger schüttelt den Kopf: «FIS-Rennen, Europacuprennen, Weltcuprennen, Junioren-Weltmeisterschaften – wir mussten uns alles erarbeiten, um in der Gunst der FIS aufzusteigen. So etwas wie in Narvik wäre bei uns niemals möglich gewesen. Das ist ein Wahnsinn.» Auch Robyr staunt: «Das ist einfach nicht logisch. Nur bizarr.»
Lehmann: «Sind enttäuscht, aber...»
Weltcuprennen als Testläufe wären wichtig. In Norwegen steht 2028 noch der Weltcupfinal an. Doch das Wetter in der Küstenstadt nördlich des Polarkreises ist unberechenbar. Bei der Junioren-WM im vergangenen März fielen beide Abfahrten aus, weil keine Trainings möglich waren.
In Sölden (Ö) ist der Unmut über die Lücke im Weltcup spürbar. Droht Narvik gar der Entzug der WM? Blick fragt FIS-Präsident Alexander Ospelt und CEO Urs Lehmann. Sie sind seit kurzem im Amt. «Und wir sind auch enttäuscht», sagt Lehmann. Eine Neuvergabe steht aber nicht zur Debatte. «Wir hatten noch nie eine WM in der Arktis. Das ist ein super innovatives Projekt.» Ospelt überrascht die Absage nicht: «Wir wussten, dass es schwierig werden würde, in diesem Winter Weltcuprennen durchzuführen.»
FIS braucht Geld und will neue Ideen fördern
Drei Faktoren dürften dazu beigetragen haben. Erstens stellt sich die Frage, ob die Verantwortlichen unter Ex-FIS-Präsident Johan Eliasch nach der WM-Vergabe 2024 genügend Druck machten. Zweitens lockert die FIS gegenüber Crans-Montana die Zügel. Ospelt plädiert für Weltmeisterschaften in Japan, Südkorea oder China. Weltcuprennen wären dort nicht zwingend nötig. Das Ziel: neue Märkte erschliessen und Geld verdienen. Das Loch in der Kasse ist gross. Drittens wäre ein WM-Entzug eine riesige Baustelle – mitten im Umbruch bei der FIS.
Trotz allem glauben Lehmann, Ospelt, Robyr und Steinegger an die WM in Narvik. «Die bringen das schon hin. Ich wünsche es ihnen», sagt Steinegger. Ein bisschen Zweckoptimismus schadet nie.