Darum gehts
- Vier Schwinger triumphieren am Brünig, Diskussion um Modusänderung entbrannt
- Schwingerboss Fridolin Beglinger lehnt Änderungen strikt ab, betont Ausnahmefälle
- Schlussgänge spätestens um 17 Uhr, Zeitproblem bei Anpassungen
Das kuriose Ende des Bergklassikers auf dem Brünig gipfelt in einer königlichen Meinungsänderung. Nachdem am Sonntag gleich vier Schwinger triumphierten, erklärt Nöldi Forrer im Blick-Podcast «Hoselupf»: «Ich war kein Fan von der Idee, dass alle Schwinger zuerst sechs Gänge bestreiten und erst danach der Schlussgang stattfindet. Mittlerweile wäre das aber nicht mehr das Dümmste.»
Erstmals diskutiert wurde der Vorschlag vor dem ESAF 2022 in Pratteln im verbalen Schwing-Duell zwischen Forrer und Blick-Reporter Marcel W. Perren. Damals stiess die Idee auf grosse Ablehnung. Dabei scheint der Gedanke dahinter sinnvoll. Der Festsieger soll immer aus dem Schlussgang kommen.
Und selbst wenn dieser gestellt endet, könnten höchstens noch zwei Schwinger gemeinsam triumphieren. Oder man würde den Schlussgang so lange fortsetzen, bis ein Sieger feststeht. Zu den ersten prominenten Befürwortern dieses Modells gehörte Schwing-Legende Ernest Schläfli.
Schwingerboss lehnt Vorschlag ab
Inzwischen hat neben Forrer auch Christian Oesch seine Meinung geändert. «Dadurch würde weniger taktiert und die Schlussgänge wären spannender», ist der sechsfache Berner Eidgenosse überzeugt. Die Diskussion um den Modus ist allerdings nur einer von mehreren Brennpunkten, welche der Brünig hinterlassen hat.
Schwingerboss Fridolin Beglinger ordnet diese gegenüber Blick ein und spricht sich trotz der vier Festsieger klar gegen eine Änderung aus. «Vier Sieger sind sicher nicht wünschenswert. Trotzdem muss man nichts anpassen. Solche Konstellationen bleiben schliesslich nach wie vor die Ausnahme.»
Auch den Vorschlag, den Schlussgang erst nach sechs regulären Gängen auszutragen, lehnt der Glarner ab. Der Schwinger mit mehr Punkten wüsste dann, dass ihm ein Gestellter zum Festsieg reicht. «Dann werden die Schlussgänge nicht spannender», ist Beglinger überzeugt.
Würde man hingegen so lange weiterschwingen, bis ein Sieger feststünde, gäbe es ein Zeitproblem. Der Schwingerboss hatte bereits mehrfach betont, dass die Schlussgänge spätestens um 17 Uhr beginnen sollten. Das ist aktuell aber eher die Ausnahme als die Regel.
Ein Beispiel gegen den Zwilchhosen-VAR
Eine klare Meinung hat Beglinger auch zum Verhalten von Werner Schlegel. Der Brünig-Sieger verweigerte seinem Gegner nach der Niederlage zunächst den Handschlag. «Da hat er sich nicht richtig verhalten.» Umso erfreulicher sei es gewesen, dass sich die beiden nach dem Fest ausgesprochen hätten. «Das hat mir sehr gut gefallen.»
Gleichzeitig stellt sich Beglinger schützend vor die Kampfrichter. «Jene am Tisch müssen das sehen. Wenn sie sagen, es war Resultat, dann dürfte es so gewesen sein.» Gerade diese Szene zeige auch, weshalb ein Videobeweis im Schwingsport kaum weiterhelfen würde.
«Man könnte sich die Bilder zehn Minuten lang anschauen und käme trotzdem zu keinem eindeutigen Entscheid.» Trotz seiner Kritik an Schlegels Verhalten findet Beglinger auch klare Worte für den Umgang mit dem Toggenburger. Dass Schlegel ausgebuht wurde, als ihn der Speaker als einen der Festsieger ausrief, missfällt ihm. «Das gehört sich nicht!»
Glücklicher Brünig-Sieg für Staudenmann
Gestört hat Beglinger auch das Notenblatt von Co-Sieger Matthieu Burger. Der Seeländer musste nur gegen einen Eidgenossen antreten. Im sechsten Gang bodigte der Landwirt den Teilverbandskranzer Luc Bissig. «Ich hätte ihn gegen Eidgenosse Lukas Bissig eingeteilt. Wenn Burger diesen Gang gewinnt, hat er sich den Festsieg verdient. So bleibt ein etwas fader Beigeschmack.»
Und was sagt er zum Vorwurf, dass Fabian Staudenmann der Festsieg geschenkt wurde? Der Berner erhielt im Schlussgang gegen Armon Orlik einen Viertelpunkt mehr als der König und zog dadurch mit ihm gleich. «Ich tue mich sehr schwer damit. Staudenmann wurde nie wirklich gefährlich.»
Gleichzeitig räumt Beglinger ein, dass der Berner etwas mehr für den Gang gemacht habe als Orlik. Was bleibt, ist der Ärger über die vier Festsiege und die Frage: Braucht es wirklich keine Modusänderung?