Darum gehts
- Werner Schlegel sorgt am Brünig-Schwingfest mit Verhalten für Aufregung
- Provokativer Jubel und verweigerter Handschlag erzürnen Publikum und Experten
- Schwing-Legenden kritisieren ihn – Schlegel erklärt seine Sicht der Dinge
Vier Festsieger, ein historischer Triumph von Fabian Staudenmann (26), und trotzdem dreht sich in der Schwing-Szene fast alles um Werner Schlegel (23). Der Toggenburger sorgte am Sonntag auf dem Brünig für die Schlagzeilen.
Nach seiner umstrittenen Niederlage gegen Jonas Amrhyn (22) verweigerte der ESAF-Schlussgänger zunächst den Handschlag und diskutierte stattdessen mit den Kampfrichtern. «Ein solches Verhalten geht gar nicht», sagt Schwing-Legende Enrico Matossi. «Klar war die Enttäuschung gross. Aber von einem ‹Profi› erwarte ich eine fairere Reaktion.»
Für den früheren Spitzenschwinger gibt es zudem keinen Zweifel am Entscheid der Kampfrichter. «Das Resultat geht in Ordnung.» Stefan Burkhalter widerspricht Matossi in diesem Punkt. «Ich hätte das Resultat nicht gegeben. Aber in der Zeitlupe ist es immer einfacher zu beurteilen», sagt der zweifache Schwägalp-Sieger.
Provokation gegenüber den Zuschauern
Beim Verhalten Schlegels sind sich die beiden ehemaligen Spitzenschwinger dagegen einig. «Er hat den Respekt vermissen lassen. Darüber habe ich mich grausam genervt», sagt Burkhalter. «Schlegel hat in Sachen Anstand noch viel Potenzial nach oben. Er ist ein starker Schwinger, aber für sein Bild in der Öffentlichkeit ist das nicht gut.»
Die Aktion verärgerte dann auch das Brünig-Publikum. Als sein Name als einer der vier Festsieger fiel, mischten sich unter den Applaus deutliche Pfiffe. Bereits nach seinem Sieg im fünften Gang gegen Leandro Nägeli hatte der Toggenburger mit einem provokativen Jubel in Richtung Tribüne die Zuschauer zusätzlich angestachelt.
Ein schlechtes Vorbild
Schlegel selbst weist den Vorwurf der Respektlosigkeit zurück. «Für mich war der Kampf noch nicht vorbei», erklärte er gegenüber Blick. Er habe zuerst am Kampfrichtertisch klären wollen, ob das Resultat tatsächlich Bestand habe. «Es sollte auf keinen Fall respektlos gegenüber Amrhyn sein.» Nach dem sechsten Gang hätten sich die beiden ausgesprochen. «Es ist alles gut zwischen uns.»
Das ändert für den vierfachen Berner Eidgenossen Hansueli Mühlethaler aber nichts daran, dass «man sich nach dem Kampf die Hand gibt. Das gehört sich einfach». Man müsse den Entscheid des Kampfrichters akzeptieren. «Werner war in dieser Aktion ein schlechtes Vorbild.»
Bald wieder positive Schlagzeilen?
Schwingerisch hat der ESAF-Schlussgänger auf dem Brünig einmal mehr unterstrichen, dass er derzeit zu den stärksten Athleten des Landes gehört. Trotz der umstrittenen Niederlage durfte er sich am Ende als Festsieger feiern lassen.
Die nächste Gelegenheit, bei einem Kranzfest für positive Schlagzeilen zu sorgen, bietet sich ihm in zwei Wochen am Schaffhauser Kantonalen. Dort wird Schlegel den Fokus wieder auf das richten wollen, was er am besten kann: schwingen.