Die Schlussgänge
Brünig: Armon Orlik reicht ein Gestellter im Schlussgang für den Festsieg auf dem Brünig. Der König geht entsprechend defensiv ins Duell mit Fabian Staudenmann. Dieser lanciert einen Angriff nach dem anderen, denn er muss gewinnen oder auf eine höhere Bewertung beim Gestellten hoffen. Erfolgreich ist keiner, aber am Ende ist Staudenmanns Schwingart entscheidend. Denn die Kampfrichter differenzieren tatsächlich. Orlik bekommt nur 8,75 während Staudenmann 9,00 bekommt. Damit jubeln nicht nur die beiden, sondern auch noch zwei weitere Schwinger. Denn nun sind auch noch Werner Schlegel und Matthieu Burger punktgleich mit ihnen.
Südwestschweizer: Michael Moser steht schon vorab als Festsieger fest. Einzige offene Frage ist, ob er alleine jubelt oder den Triumph mit Adrian Walther teilt. Nach fünf Minuten des Schlussgangs beantwortet sie Moser. Er legt seinen Berner Kollegen auf den Rücken. Und jubelt überlegen.
Der historische Sieg
Martin Grab ist bisher der einzige Schwinger, der jedes Bergfest mindestens einmal gewinnen konnte. Auf dem Brünig besteht die Möglichkeit, dass dies einem weiteren Schwinger gelingt. Fabian Staudenmann hat überall schon mindestens einmal triumphiert – nur auf dem Brünig noch nie. Der Berner zieht in den Schlussgang gegen den König ein. Und weil er aktiver ist und mehr macht als sein Gegner, wird er mit der höheren Note für den Gestellten belohnt. Damit schreibt Staudenmann Schwing-Geschichte. Er darf sich nun auch Brünig-Sieger nennen.
Die Schlussranglisten
Die Siegerstimmen
Armon Orlik: «Ich wusste, dass ein Gestellter reicht und Schlegel und Burger noch aufschliessen können. Für mich war in erster Linie der Sieg wichtig – ob alleine oder nicht, war egal. Nun mit drei Superschwingern zusammen zu gewinnen, ist auch cool. Als König auch noch Brünig-Sieger zu werden, ist doppelt schön. Ich konnte von Anfang an das abrufen, was ich wollte.»
Fabian Staudenmann: «Es ist sehr speziell. Ich hatte den Sieg schon abgeschrieben, dann meinte Armon, wir sollten mal schauen gehen, er habe das Gefühl, sie könnten differenzieren. Das ist eine riesencoole Geschichte, die mich riesig freut. Als Zweiter alle Bergfeste zu gewinnen – ich kanns noch nicht realisieren, aber es ist eine Riesenehre. Aufhören will ich noch nicht gleich, aber allen danken, die ihren Teil dazu beigetragen haben.»
Werner Schlegel: «Nach dem vierten Gang hätte ich das nicht gedacht – auch jetzt kann ichs noch nicht glauben. Vor dem sechsten Duell wurde mir gesagt, ich solle die Zehn machen. Wenns ganz kurios läuft, könnte es noch reichen. Ich habe mir nicht viel dabei gedacht, bin raus und habe die Zehn gemacht. Jetzt ist der Fall eingetroffen, das ist unglaublich.»
Matthieu Burger: «Ich wollte einfach nur den ersten Brünig-Kranz gewinnen. Dass ich nun so abschliessen kann, ist einfach nur wunderschön. Während dem Schlussgang habe ich schon ein bisschen gezittert. Bis nach meinem letzten Gang hatte ich das nicht auf dem Radar. Werner meinte dann, ich solle nicht gleich duschen gehen. Ich checke es noch nicht.»
Die Titelverteidiger
Auf dem Brünig hat letztes Jahr König Joel Wicki gejubelt. Er ist Anfang Jahr zurückgetreten und tritt deswegen nicht zur Titelverteidigung an. Beim Südwestschweizer hiess der Sieger 2025 Joel Strebel. Auch er ist in diesem Jahr nicht dabei.
Das Hoppala
Das sieht man auch nicht alle Tage. Nach rund vier Minuten rutscht Armon Orlik im Schlussgang plötzlich die Zwilchhose runter. Was ist passiert? Da ist ihm tatsächlich der Gurt gerissen! Ersatz ist sofort organisiert, so gibts nur einen ganz kurzen Unterbruch, ehe das Duell mit Fabian Staudenmann fortgesetzt werden kann.
Die Premieren
Acht Duelle umfassen die Spitzenpaarungen beim Südwestschweizer. Siebenmal kommt es dabei zu einer Premiere. Romain Collaud und Damian Ott, Johann Borcard und Michael Moser, Paul Tornare und Adrian Walther, Laurent Tornare und Marius Frank, Silvan Zbinden und Michael Gwerder, Hugo Schläfli und Silvan Appert sowie Dorian Kramer und This Kolb greifen erstmals zusammen. Einzig Lario Kramer und Nick Alpiger standen sich schon einmal im Sägemehl gegenüber. Beim Unspunnen-Schwinget 2023 haben sie gestellt.
Die perfekten Morgen
Am Südwestschweizer gewinnen drei Schwinger am Morgen alle drei Gänge. Das Punktemaximum hat allerdings keiner auf dem Konto. Lario Kramer und Michael Moser kommen auf 29,75 Punkte, Marius Frank hat einen Viertelpunkt Rückstand. Auf dem Brünig schaffen es nur zwei Athleten, am Morgen dreimal zu gewinnen. Auch hier führt Armon Orlik mit 29,75 Punkten, Fabian Staudenmann hat einen Viertelpunkt Rückstand.
Das volle Dutzend
Martin Grab hat 14 Brünig-Kränze daheim. Damit ist er der erfolgreichste Kranzsammler bei diesem Klassiker. Eugen Hasler hat 13 und Peter Gasser, Matthias Glarner, Adrian Laimbacher, Hansueli Mühlethaler und Kilian Wenger besitzen jeweils zwölfmal Eichenlaub. Routinier Bernhard Kämpf hat die Chance, ebenfalls in die Top 3 vorzustossen. Der Berner jagt seinen 12. Brünig-Kranz. Und reist am Ende des Tages damit nach Hause. Seinen ersten hat er 2013 gewonnen.
Der vorzeitige Sieger
Michael Moser marschiert einmal mehr auf äusserst souveräne Art und Weise durchs Fest. Mit fünf Siegen – vier davon mit Plattwurf – qualifiziert er sich souverän für den Schlussgang. Und weil er auf seinen Gegner Adrian Walther schon 1,25 Punkte Vorsprung hat, steht Moser bereits vor seinem letzten Einsatz als Festsieger fest. Einzig ob er diesen alleine feiert oder nicht, ist noch nicht klar.
Die Überraschungen
Gleich beim Anschwingen landen beim Südwestschweizer zwei der Mitfavoriten auf dem Rücken. Damian Ott unterliegt überraschend Romain Collaud und Nick Alpiger muss sich Lario Kramer geschlagen geben. Zum Start in den Nachmittag gibts dann auch auf dem Brünig eine Überraschung. Jonas Amrhyn legt Werner Schlegel aufs Kreuz und nimmt ihn aus der Entscheidung aus dem Tagessieg.
Der strittige Entscheid
Im 4. Gang muss Werner Schlegel seine Ambitionen auf den Festsieg begraben. Er kassiert eine umstrittene Niederlage gegen Jonas Amrhyn. Während der Kampfrichter im Sägemehl das Resultat nicht gibt, intervenieren seine Kollegen am Tischchen. Sie haben freie Sicht auf Schlegels Rücken und sind der Meinung, er ist weit genug unten. Ein Entscheid, der Schlegel hässig macht. So hässig, dass er seinem Gegner zunächst den Handschlag verweigert und hässig davonstapft. Als Reaktion gewinnt Schlegel seine beiden letzten Gänge – und wird am Ende doch noch Festsieger.
Die komplette Sammlung
Martin Roth hat von jedem Bergfest mindestens einen Kranz daheim. Nur einer fehlt ihm in der Sammlung noch: der vom Brünig. Diese Lücke kann er nun schliessen. Er holt sich das begehrte Eichenlaub.
Der dritte Streich
Michael Moser gewinnt auf souveräne Art und Weise das Südwestschweizer Schwingfest. Es ist nach dem Oberländischen und dem Oberaargauischen sein dritter Triumph in diesem Jahr und sein siebter insgesamt. Gleich viele Kranzfeste hat Moser auch letztes Jahr gewonnen. Ob ein weiterer Sieg dazu kommt? Vor dem Kilchberger Schwinget plant er mit der Schwägalp noch an einem letzten Fest teilzunehmen.
Das Wiedersehen
Im 4. Gang kommts zum Kracher zwischen Armon Orlik und Fabian Staudenmann. Die beiden trennen sich ohne Sieger – das Resultat sorgt für den Zusammenschluss an der Spitze. Daran, dass die beiden ganz vorne klassiert sind, ändert sich aber nichts. Orlik zieht als Führender in den Schlussgang ein. Als Gegner kommen Lukas Bissig und Fabian Staudenmann infrage. Die beiden haben einen Viertelpunkt Rückstand. Die Einteilung entscheidet sich für die Reprise des 4. Gangs – weil Staudenmann im 1. Gang das Direktduell mit Bissig gewonnen hat. Auch das zweite Duell endet ohne Sieger – und doch jubeln am Ende beide. Denn sie triumphieren zusammen mit Werner Schlegel und Matthieu Burger.
Die Bedingungen
Am Morgen ist es auf dem Brünig kühl und grau. Auch im Verlauf des Tages zeigt sich die Sonne nicht. Aber immerhin bleibts trocken. Auch in Fribourg startet das Fest bei grauem Himmel. Im Verlauf des Tages lockern sich die Wolken und die Sonne drückt durch. Stellenweise zeigen sich blaue Stellen.
So geht es weiter
Kommendes Wochenende ist schwingfrei – es findet kein Kranzfest statt. Erst in zwei Wochen gehts weiter. Das Bern-Jurassische und das Schaffhauser Kantonale gehen am 9. August über die Bühne.