Darum gehts
- Werner Schlegel sorgt am Schwingfest auf dem Brünig für einen Eklat
- 5850 Zuschauer erleben hitzige Szenen und eine umstrittene Kampfrichter-Entscheidung
- Am Ende teilt Schlegel trotz Niederlage den Festsieg mit vier anderen Schwingern
Werner Schlegel (23) ist ausser sich. Wutentbrannt stapft der Toggenburger nach dem vierten Gang auf den Kampfrichtertisch zu. Das Publikum in der Naturarena auf dem Brünig jubelt ausgelassen. Soeben hat Jonas Amrhyn (22) den Topfavoriten gebodigt – zumindest aus Sicht der Kampfrichter.
Schlegel sieht das anders. «Ich habe ihre Entscheidung nicht verstanden. Zuerst glaubte ich, dass der Kampf weitergeht», erklärt er. Auch im Lager der Nordostschweizer kochen die Emotionen hoch. «Das war kein Resultat!», schimpfen die Betreuer.
Einzelne Schlegel-Anhänger sprechen gar von einem «Skandal». 5850 Zuschauer verfolgen die hitzigen Szenen. Sie buhen und pfeifen, als Schlegel seinem Gegner Amrhyn nach der Niederlage zunächst den Handschlag verweigert. Erst als der Innerschweizer nachfasst und ihn am Unterarm packt, reichen sich die beiden doch noch die Hand.
Es war keine Absicht dahinter
Nach der Sensationspleite schien der Festsieg für Schlegel weg. Doch weil Armon Orlik und Fabian Staudenmann im Schlussgang stellen, triumphierte der Toggenburger mit drei weiteren Schwingern. Als sein Name ausgerufen wird, mischen sich unter den Applaus auch Pfiffe.
Von Blick auf seinen Wutausbruch angesprochen, stellt Schlegel klar: «Ich habe den Handschlag nicht aktiv verweigert. Wir waren uns einfach uneinig. Ich wollte am Kampfrichtertisch klären, was Sache ist. Es war nie meine Absicht, respektlos gegenüber Amrhyn zu sein.» Nach dem Fest hätten sich die beiden ausgesprochen. «Es ist alles gut zwischen uns.»
Heftige Reaktion nach Sieg
Gleichzeitig gibt sich Schlegel auch selbstkritisch: «Ich muss den Fehler bei mir suchen. Ich dürfte gar nicht erst in diese Situation kommen.» Wie tief der Frust sass, zeigte sich wenig später nach seinem Sieg gegen Leandro Nägeli.
Schlegel drehte sich zur Tribüne, zeigte mit den Fingern ins Publikum und ballte demonstrativ die Faust. Ein Teil der Zuschauer reagierte mit Lachen und Kopfschütteln, vereinzelt waren Pfiffe zu hören. «Ich habe mich von meinen Emotionen zu dieser Geste verleiten lassen.»
Kampfrichterchef hält sich zurück
Die Schwing-Fans monierten, dass Nägeli nicht auf dem Rücken war. Schlegel reagierte darauf. «Als Gast bin ich natürlich nicht wahnsinnig beliebt», erklärt er und verweist auf seinen Auftritt am Berner Kantonalen im Wankdorf. Die Jubelgeste sei aus seiner Sicht aber einigermassen im Rahmen gewesen.
Bleibt die Frage, ob es im vierten Gang nun ein Resultat war oder nicht. SRF-Experte Matthias Sempach ordnete die umstrittene Szene im Fernsehen so ein: «Eine Mehrheit der Kampfrichter hätte es wohl nicht gegeben.»
Kampfrichterchef Peter Ackermann gibt sich zurückhaltend. «Ein ganz klarer Fehlentscheid war es nicht», sagt er. Schlegel dürfte das mittlerweile egal sein. Für ihn zählt einzig und allein der Festsieg.