Darum gehts
Mit seinem zweiten Sieg am Kilchberger ist Samuel Giger (28) etwas gelungen, was zuvor nur Karl Meli (1938–2012) geschafft hat. Der historische Sieg hat für den Thurgauer einen angenehmen Nebeneffekt. Sein Marktwert steigt weiter an. Davon ist Roger M. Fuchs überzeugt.
Der Manager von Schwingerkönig Matthias Sempach kennt das Sponsoren-Geschäft seit Jahren. «Giger besitzt jetzt etwas, was ihm niemand mehr nehmen kann», erklärt Fuchs. Als einziger noch lebender zweifacher Kilchberger-Sieger ist Giger einzigartig und damit für Sponsoren noch interessanter.
Die Geschichte hinter dem Sieg
Giger war schon vorher einer der attraktivsten Schwinger für potenzielle Geldgeber. Seit diesem Jahr wird er auch in den Bereichen Kommunikation und Sponsoring professionell betreut. «Es geht nicht mehr primär darum, Giger als Sponsoringpersönlichkeit zu etablieren. Es geht darum, sein bereits vorhandenes Potenzial weiterzuentwickeln.»
Genau deshalb komme der zweite Kilchberger-Sieg zum richtigen Zeitpunkt. Denn nicht nur der Sieg an sich steigert Gigers Wert. Auch die Geschichte dahinter sei für Sponsoren interessant. Drei Monate lang konnte der Thurgauer wegen seiner Schulterverletzung keinen Ernstkampf bestreiten. Es folgten eine mühsame Reha, harte Athletiktrainings und einiges an mentaler Arbeit.
Wo Giger noch Potenzial hat
Dann kehrte Giger ausgerechnet am wichtigsten Schwingfest des Jahres zurück und gewann fünf seiner sechs Kämpfe. Laut Fuchs könnten Marken damit Werte wie «Disziplin, Resilienz, Entwicklung, Leistungsbereitschaft und Durchhaltevermögen» verbinden. Um solche Geschichten auch selbst zu erzählen, spielen die sozialen Medien eine wichtige Rolle.
Und genau dort sieht Fuchs bei Giger noch Potenzial. Zwar gehört der Thurgauer, der mittlerweile Vollprofi ist, bereits zu den Schwingern mit der grössten Reichweite. Diese könnte er aber besser nutzen. «Mit mehr und gezielteren Inhalten wäre er für Sponsoren noch attraktiver», ist Fuchs überzeugt.
Die Million kommt näher
Bleibt die Frage, wie sehr Gigers Wert durch den zweiten Kilchberger-Triumph gestiegen ist. Einen exakten Marktpreis könne man nicht bestimmen. «Der Wert hängt unter anderem davon ab, welche Rechte ein Sponsor erhält, wie exklusiv diese sind und welche Social-Media- und Medienleistungen dazugehören», erklärt Fuchs.
Trotzdem wagt er eine konkrete Einschätzung. «Vor dem diesjährigen Kilchberger hätte ich das jährliche Vermarktungspotenzial bei Giger ungefähr bei 400’000 bis 600’000 Franken angesetzt.» Nach der historischen Titelverteidigung korrigiert er diese Schätzung deutlich nach oben: «Inzwischen sehe ich das Potenzial eher bei 550’000 bis 750’000 Franken pro Jahr.»
Richtig lukrativ wird es in zwei Jahren
Im besten Fall sprechen wir also von einem Plus von bis zu 150’000 Franken gegenüber seiner bisherigen Obergrenze. Fuchs warnt allerdings davor, Giger nun mit Werbeverträgen zu überladen. «Mehr Sponsoren bedeuten nicht automatisch mehr Wert.»
Zu viele Partnerschaften könnten die Glaubwürdigkeit und Exklusivität sogar schwächen. Die nächste Chance, seinen Marktwert weiter zu steigern, kommt für Giger bald. 2028 findet in Thun das nächste ESAF statt. Sollte Giger dort tatsächlich Schwingerkönig werden, würde sich seine kommerzielle Ausgangslage laut Fuchs «nochmals fundamental verändern».