Darum gehts
- Samuel Giger (28) lebt als erster Schwinger ausschliesslich vom Sport
- Schwingen ist offiziell ein Amateursport, Gigers Entscheidung könnte den Sport revolutionieren
- Seit 2019 reduzierte Giger sein Arbeitspensum schrittweise von 100 auf 0 Prozent
Dieser Satz hat das Potenzial, den Schwingsport nachhaltig zu verändern. Samuel Giger (28), der Unspunnen-Sieger von 2023, verrät im Podcast «GanzLanz», dass er seit geraumer Zeit nicht mehr als Lastwagenfahrer arbeitet und somit sein Geld nur noch mit dem Schwingen verdient. «Kann man so sagen», antwortet der Thurgauer auf die Frage, ob er heute Profisportler sei.
Ebenso offen über sein neues Leben als Vollprofi äussert sich Giger am 1.-August-Wochenende in einem SRF-Beitrag über sein baldiges Comeback.
Im Schwingen kommt dieses Eingeständnis einem Erdbeben gleich. Was in vielen Sportarten längst schon ab dem Jugendalter selbstverständlich ist, gilt im Nationalsport nämlich noch immer als Ausnahme, da Schwingen offiziell ein Amateursport ist. Zwar verdienen die grössten Stars mit Sponsoren und Werbeverträgen gutes Geld. Trotzdem gehörte bislang fast schon zum Selbstverständnis des Sports, dass Schwinger nebenbei einem Beruf nachgehen.
Genau dieses Bild stellt ausgerechnet Giger, der vor einigen Jahren noch gar keine Sponsoren wollte, nun auf den Kopf und plant in seinem Alltag inzwischen alles rund um den Sport. Gearbeitet wird nur noch dort, «wo ich Lücken habe», wie der vierfache Eidgenosse sagt. Diese Zeit nutzt er, um sich für die Zukunft weiterzubilden und «den Rucksack zu füllen».
Giger hat sein Arbeitspensum seit 2019 schrittweise reduziert
Zu diesem Schritt entschlossen habe er sich vor einem Jahr nach einer gründlichen Analyse seiner Situation. Bereits nach den Eidgenössischen Schwingfesten 2019 in Zug und 2022 in Pratteln reduzierte Giger sein Arbeitspensum als Lastwagenfahrer jeweils von 100 auf 80 und von 80 auf 40 Prozent. Doch selbst das sei auf Dauer nicht mehr ideal gewesen.
«Die zwei Tage, an denen ich am Arbeiten bin, muss ja trotzdem irgendwo das Training Platz haben», erzählt Giger im Podcast. Er sei jeweils frühmorgens aufgestanden, habe bis in den Abend gearbeitet und danach trotzdem noch möglichst pünktlich ins Training fahren müssen.
Irgendwann habe er dabei gemerkt, dass dieser Ablauf weder für das spezifische Training noch für die Regeneration optimal sei. Die Konsequenz: Er gab den Beruf ganz auf und richtet seinen gesamten Wochenplan am Sport aus.
Möglicherweise bricht Giger für andere Schwinger eine Lanze
Dieses «Outing» aus Samuel Giger herausgekitzelt hat der Athletik- und Mentaltrainer Andreas Lanz. Der 52-Jährige, welcher 1998 am Eidgenössischen in Bern einen eidgenössischen Kranz gewann, hatte den Thurgauer zu Gast in seinem Podcast «GanzLanz».
Die aktuelle Entwicklung des Schwingsports sorgte dabei für besonders viel Gesprächsstoff. Obwohl umfangreicheres Krafttraining, Erholung und Ernährung für viele Spitzenschwinger nämlich einen immer grösseren Stellenwert einnehmen, ist Gigers Bekenntnis trotzdem ein Novum, welches Konsequenzen auf die Entwicklung des Sports haben könnte. Der Damm ist jedenfalls gebrochen.