Darum gehts
Die Kritik an Armon Orlik ist leiser geworden: Am Nordostschweizer Teilverbandsfest wirkte der Schwingerkönig deutlich spritziger als noch zu Saisonbeginn. Doch die Diskussionen sind nicht verstummt. Noch immer fehlt dem Bündner in diesem Jahr der Sieg gegen einen ganz grossen Namen.
Eine «königliche Dominanz» wird vermisst. Im Blick-Podcast «Hoselupf» wurde er nach dem St. Galler Kantonalen sogar als «schlechtester König seit Matthias Glarner» bezeichnet. Nun meldet sich erstmals sein Athletiktrainer Robin Städler zu Wort. «Ich finde überhaupt nicht, dass Armon der schlechteste König seit Glarner ist», sagt er.
Trainingsplan immer wieder angepasst
Aus der Sicht von Städler geht bei der Diskussion vergessen, dass Orlik in dieser Saison noch keinen einzigen Gang verloren hat und jedes Mal weit vorne rangiert war. Mittlerweile konnte der Holzbauingenieur zwei Kranzfeste gewinnen. «Aber so funktioniert das Spiel. Einmal wirst du gelobt, dann wieder kritisiert.»
Beeindruckt zeigt sich Städler von der Gelassenheit seines Schützlings. «Armon lässt sich davon nicht beirren.» Städler führt diese Ruhe auf ihren gemeinsamen Masterplan zurück. «Wir sind in einem Aufbauprozess», erklärt er.
Bei den bisherigen Auftritten war Orlik noch ein Stück von seiner Topform entfernt. Das soll sich nun ändern. Das Berner Kantonale markiert den ersten Formhöhepunkt der Saison. Der Weg dorthin verlief jedoch nicht ganz geradlinig; der Mai und der Juni waren für Orlik sehr intensiv.
Mehrere Schwingfeste, ein Trainingslager in Griechenland und zuletzt die hohen Temperaturen forderten ihren Tribut. Deshalb passte Städler den Trainingsplan immer wieder an. «Momentan gibt es extrem viele Verletzungen. Da muss man froh sein, wenn ein Athlet gesund bleibt.»
Härtetest am Sonntag im Wankdorf
Auch die Hitze spielt bei den Überlegungen eine wichtige Rolle. «Das merken die Sportler auch nachts», erklärt Städler. Entsprechend wurde die Intensität im Training zuletzt bewusst reduziert. Und anstatt zusätzliche Reize zu setzen, stand die Erholung im Vordergrund.
Im Lager des Königs ist man überzeugt, dass sich diese Strategie auszahlen wird. Schliesslich bewiesen Städler und Orlik bereits im vergangenen Jahr, dass sie ihre Form punktgenau auf den entscheidenden Wettkampf ausrichten können. Als es beim ESAF darauf ankam, lieferte der Bündner ab.
Wie stark Orlik in diesem Jahr ist, wird sich am Sonntag so richtig zeigen. Mit Fabian Staudenmann, Michael Moser und Adrian Walther stellen sich ihm die stärksten Berner in den Weg. Städler blickt dem Kräftemessen mit grosser Vorfreude entgegen. «Armon ist bereit und wird spritzig sein», lässt er verlauten. Eine klare Kampfansage in Richtung Bernbiet.