Darum gehts
- Fabian Staudenmann ist aktuell ein Stück von seiner Bestform entfernt
- Experten vermuten mentale Blockade oder Überfokus auf Schwingsport
- König Sempach schmettert Gewichtstheorie eines Ex-Schwingers ab
Niemand prägte den Schwingsport in den letzten Jahren so stark wie Fabian Staudenmann (26). Zeitweise schien der Kilchberger-Sieger in einer eigenen Liga zu spielen. Aktuell hat er seinen Status als klare Nummer eins im Bernbiet jedoch verloren und ist auf der Suche nach seiner Bestform. Alle fragen sich, was ihm fehlt.
Stefan Burkhalter glaubt an ein mentales Problem. «Irgendetwas stimmt mit ihm nicht», sagt der zweifache Schwägalp-Sieger. Für ihn wirkt Staudenmann derzeit gehemmt. «Es scheint so, als wäre er blockiert.» Der Thurgauer vermutet, dass Staudenmann derzeit etwas müde im Kopf ist. «Wenn sich alles nur noch ums Schwingen dreht, kann das passieren», sagt er.
König stellt unbequeme Frage
Burkhalter weiss, wovon er spricht. Während seiner Aktivzeit habe ihm der Ausgleich neben dem Sport stets gutgetan. Genau der könnte Staudenmann derzeit etwas fehlen. Der Berner studiert Volkswirtschaftslehre.
Die Prüfungen liegen mittlerweile hinter ihm, aktuell hat er Semesterferien. Entsprechend dreht sich sein Alltag noch stärker um Training, Wettkämpfe und Regeneration. Mit seiner Vermutung steht Burkhalter nicht allein da.
Auch Schwingerkönig Nöldi Forrer stellt die Frage, ob sich Staudenmann nicht zu sehr auf den Schwingsport konzentriert. «Fabian hat sich nicht verbessert», sagt er im Blick-Podcast «Hoselupf» und führt aus: «Er muss sich überlegen, ob es nicht gescheiter wäre, wenn er wieder mehr neben dem Sport machen würde.»
Ein ganz schwieriger Tag
Staudenmann selbst kann derzeit keine schlüssige Erklärung liefern. Nach dem Nordostschweizer Schwingfest kündigte er an, auf Ursachenforschung zu gehen. «In den nächsten zwei, drei Tagen muss ich analysieren, was schiefgelaufen ist», sagte er.
Der Berner machte die Probleme nicht an einem einzelnen Gang fest. «Vom ersten bis zum sechsten Kampf gab es Dinge, die nicht gepasst haben.» Bereits am Vormittag habe er gespürt, dass etwas fehle. «Irgendwie hat es den ganzen Tag geknorzt.» Der Kranzgewinn am Abend war ein schwacher Trost.
Es braucht ein Erfolgserlebnis
Ein ehemaliger Berner Funktionär und Kranzschwinger kommt nach den bisherigen Leistungen von Staudenmann zum Schluss: «Fabian ist acht bis zehn Kilo zu schwer! Dadurch hat er seine Explosivität verloren.» Gleichzeitig betont er, dass Staudenmann nach wie vor über grosse Qualitäten verfüge. «Er hat eine hervorragende Kampfübersicht und ist konditionell sehr stark.»
Gerade deshalb könne Staudenmann viele Kämpfe trotzdem gewinnen. «Auch wenn er manchmal Mühe mit Mittelschwingern hat, attackiert er pausenlos. Das macht den Gegner brutal kaputt.» Staudenmann fehle es derzeit auch etwas an Selbstvertrauen. «Deshalb braucht er wieder einmal einen Sieg gegen einen absoluten Spitzenschwinger.»
Wo sich alle einig sind
Matthias Sempach hält von der Gewichtstheorie wenig. Für ihn liegt die Ursache ganz woanders. «Für mich ist das kein körperliches Problem», sagt der Schwingerkönig. Vielmehr vermisst der Landwirt jene Ausstrahlung, die Staudenmann früher ausgezeichnet hat. «Ich wünsche mir von ihm wieder diesen unbedingten Siegeswillen.»
Für Sempach wirkt der Student derzeit «etwas zu lieb». An Staudenmanns Fähigkeiten zweifelt der König aber keine Sekunde. «Nach wie vor gehört er zu den fünf stärksten Schwingern.» Dass ihm Michael Moser im Berner Team den Platz als Nummer eins streitig macht, sieht er positiv. «Der Konkurrenzkampf war für mich damals das beste Doping.»
In einem Punkt sind sich alle Experten einig. Abschreiben sollte man Staudenmann auf keinen Fall. Sie trauen ihm zu, rechtzeitig zum Saisonhöhepunkt wieder seine gefürchtete Schwingweise auszupacken. Vielleicht gelingt ihm das bereits am Sonntag am Berner Kantonalen im Wankdorf.