Darum gehts
Während Zuschauer und Experten über die Einteilung diskutieren, beschäftigt Fabian Staudenmann (26) etwas ganz anderes – seine eigene Leistung. «Ich bin nicht zufrieden», sagt der Berner nach dem Nordostschweizer Schwingfest.
Als einer der Favoriten gestartet, fiel der Kilchberg-Sieger bereits vor dem Mittag aus der Entscheidung. Das Nordostschweizer und das Berner Kantonale am Sonntag hatte sich Staudenmann dick im Kalender angestrichen. Nach Monaten des Aufbaus wollte er dort erstmals in dieser Saison seine Topform erreichen.
Entsprechend ernüchternd fällt sein Fazit nach dem Auftritt in Güttingen TG aus. «Wenn ich meine beste Leistung abrufe, dann kann ich bei einem solchen Fest um den Sieg mitschwingen. Das habe ich heute nicht geschafft.» Damit spricht Staudenmann ein Thema an, das ihn durch die bisherige Saison begleitet.
Neue Hierarchie im Bernbiet
Zwar gewann er ein Kranzfest und klassierte sich immer in den Spitzenrängen. Die Leichtigkeit und Dominanz früherer Tage fehlen jedoch. Das zeigte sich etwa am Seeländischen Schwingfest.
Dort manövrierte er Jan Wittwer am Boden in eine vielversprechende Lage. Früher hätte sich Staudenmann eine solche Chance kaum entgehen lassen. Diesmal entwischte ihm der Gegner. Generell dauern seine Kämpfe länger als auch schon. Selbst gegen Mittelschwinger muss der Berner oft Schwerstarbeit verrichten. Dass er sie gegen Gangende fast immer bezwingt, spricht wiederum für seine hervorragende Ausdauer.
Sein harziger Saisonstart hat auch zur Folge, dass er den Status als Nummer eins im Bernbiet verloren hat. Mittlerweile regiert Supertalent Michael Moser. Am Oberländischen lag der Kilchberg-Sieger gegen das Supertalent nach knapp einer Minute auf dem Rücken.
Der Kranz als kleiner Trost
Auch gegen Domenic Schneider am vergangenen Sonntag fehlte ihm seine sonst so gefürchtete Durchschlagskraft. Die letzten drei Duelle hatte Staudenmann allesamt gewonnen. Am Nordostschweizer gelang es ihm jedoch nicht, den Landwirt ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Der Gang endete gestellt.
Schon früh spürte der Berner am NOS, dass ihm ein Stück zu seiner Topform fehlte. «Heute hat es geknorzt. Vom ersten bis zum sechsten Gang gab es Dinge, die nicht gepasst haben.» Dass er am Abend den Kranz auf dem Kopf hatte, war immerhin ein kleiner Trost.
Genaue Analyse angekündigt
Der eher verhaltene Saisonstart von Staudenmann ist auch deshalb erstaunlich, weil er im Winter so viel geschwungen hat wie noch nie. Nach dem ESAF kam er zum Schluss, wieder mehr Zeit im Sägemehl verbringen zu müssen. Der Fokus lag stärker auf dem Schwingen selbst. Bislang hat sich diese Arbeit noch nicht wie gewünscht ausbezahlt.
Nun will der Eidgenosse auf Ursachenforschung gehen. «In den nächsten zwei, drei Tagen muss ich analysieren, was am Sonntag schiefgelaufen ist.» Das Gute daran sei, dass die Probleme selbst verschuldet seien. «Es sind Dinge, an denen man arbeiten kann.»
Folgt eine Reaktion am Sonntag?
Staudenmann will deshalb nicht schwarzmalen. «In einer Woche kann viel passieren», sagt er. Tatsächlich wäre es verfrüht, bereits von einer Krise zu sprechen. Der Berner gehört weiterhin zur nationalen Spitze. Die Frage ist vielmehr, ob er jene letzten Prozente wiederfindet, die ihn einst zum Dominator machten.
Bereits am Sonntag bietet sich ihm die Chance zur Reaktion. Mit Schwingerkönig Armon Orlik und ESAF-Schlussgänger Werner Schlegel reisen zwei starke Ostschweizer ins Wankdorf. Vor rund 26'000 Zuschauern kann Staudenmann zeigen, dass deutlich mehr in ihm steckt.