Darum gehts
Die überraschende Sprachnachricht
Für den 20-jährigen Josias Müller hätten die letzten Tage nicht besser laufen können. Der Bündner sicherte sich am Nordostschweizer Teilverbandsfest den Kranz, bestand seine Lehrabschlussprüfung als Elektroinstallateur und darf nun sogar am Berner Kantonalen im Wankdorf teilnehmen.
Dort ersetzt Müller den verletzten Samuel Giger. «Ich bekam vom Bündner Technischen Leiter Stefan Fausch eine Sprachnachricht. Darin teilte er mir mit, dass ich im Wankdorf schwingen darf», erzählt Müller. «Das hat mich brutal gefreut. Es ist eine riesige Ehre.» Das Talent wird bereits als möglicher Nachfolger seines Bündner Kollegen und Schwingerkönigs Armon Orlik gehandelt.
Riesig war auch die Freude über die bestandene Lehrabschlussprüfung. «Als der Brief mit den Ergebnissen kam, war ich nicht zu Hause.» Dann erhielt er einen Anruf eines Kollegen. «Er sagte mir, dass er nicht bestanden hat. Da wurde ich richtig nervös und ging auf schnellstem Weg nach Hause.»
Die Sorgen waren allerdings unbegründet. Müller bestand die Prüfung mit der Note 5.1 und sagte erleichtert: «Zum Glück liegt das jetzt hinter mir.» Nach dem bestandenen Lehrabschluss und dem Kranz am eigenen Teilverbandsfest dürfte der Bündner mit viel Rückenwind nach Bern reisen.
Der unerwartete Kranzgewinn
Die schönste Geschichte des Nordostschweizer Schwingfests schrieb Sandro Fitze (16). Der Appenzeller vom Schwingklub Gais gewann als Nicht-Kranzer den Teilverbandskranz und darf künftig zwei Sterne hinter seinem Namen tragen. Diese Auszeichnung hat er sich mit zwei Siegen gegen Kranzer in den entscheidenden Gängen fünf und sechs verdient. Besonders bemerkenswert ist, dass Fitze bereits am Vortag im Einsatz war.
Beim Nachwuchsschwingertag gewann er in der Kategorie Jahrgang 2009 – und das bei Temperaturen von fast 40 Grad! Nur einen Tag später mischte er bei den Aktiven erstaunlich gut mit. Für das Talent war es ein perfektes Wochenende. Mit den zwei Sternen hinter seinem Namen wird das Leben im Sägemehl allerdings nicht einfacher. Fitze wird künftig deutlich härter eingeteilt werden.
Die seltenen Gäste-Siege
Fabian Staudenmann hat erstmals am Nordostschweizer Teilverbandsfest teilgenommen. Nur zu gerne hätte der Berner den Festsieg entführt. Das gelingt ihm nicht. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass dies zuletzt sowieso nur selten der Fall war. Seit die Baselbieter Schwinglegende Peter Vogt (1924–1979) das Fest 1947 gewonnen hat, gab es nur noch drei Gäste-Siege. Der Solothurner Ueli Emch (70) 1976 ist der Letzte, der als Gast alleine Platz 1 belegt hat. Danach haben nur noch Matthias Sempach (2012 mit Daniel Bösch) und Michael Moser (2025 mit Werner Schlegel und Damian Ott) gejubelt. Auch bei der 130. Ausgabe bleibt der Sieg bei den Hausherren. Ob sie nächstes Wochenende den Spiess umdrehen? Den letzten Nordostschweizer Sieg beim Berner Kantonalen gabs 2001 durch Jörg Abderhalden. Danach hat mit dem Nidwaldner Daniel Odermatt (2004) nur noch ein Gast triumphiert. Mit Werner Schlegel und Armon Orlik steigen zwei Nordostschweizer im Wankdorf in die Zwilchhosen, die das Zeug haben, um den Sieg mitzureden.
Die fragwürdige Notengebung
Für Diskussionen sorgte am Nordostschweizer Schwingfest nicht nur die Einteilung, sondern auch die Benotung im Anschwingen zwischen Damian Ott und Joel Strebel. Der Gast aus der Nordwestschweiz verlor den intensiven Kampf erst in der Schlussminute. Trotzdem erhielt Strebel von den Kampfrichtern nur die Note 8.50.
Das verärgerte einige Schwing-Fans. Schliesslich hatte sich Strebel dem Kampf gestellt und die Offensive gesucht. In vergleichbaren Fällen wird oftmals die Note 8.75 vergeben – was punktemässig einem Gestellten entspricht. Schnell wurde deshalb gemutmasst, dass der Gastschwinger etwas strenger bewertet worden sei als ein Einheimischer.
Das Comeback
Joel Ambühl gehörte beim ESAF letztes Jahr zu den Pechvögeln. Im fünften Gang hat er sich das Kreuzband im rechten Knie gerissen und musste sich in der Folge einer Operation unterziehen. Nun gibts vom Innerschweizer Eidgenossen schöne Neuigkeiten. Ambühl hat sein Comeback gegeben. «Überglücklich, nach fast zehn Monaten endlich wieder im Sägemehl stehen zu dürfen», schreibt der 28-Jährige auf Instagram. Und er ist nicht nur einfach zurück, sondern auch erfolgreich. Denn: «Umso schöner, gleich mit dem Festsieg vom Abendschwinget in Baar in die Saison zu starten.» Ambühl triumphiert auf eindrückliche Weise, gewinnt alle sechs Gänge. Einem Eidgenossen steht er zwar nicht gegenüber, aber er bodigt unter anderem Roland Reichmuth und den Stoos-Zweiten Christian Bucher.
Neuland für Ott
Damian Ott zeigte beim Nordostschweizer Schwingfest eine starke Leistung. Nach vier Gängen führte der Toggenburger mit der maximalen Punktzahl die Rangliste an. Doch wie bereits am St. Galler Kantonalen war Werner Schlegel im Schlussgang zu stark.
Dabei hätte Ott ein weiteres Mal ein Gestellter zum Festsieg gereicht. Doch der Kilchberger-Sieger tat sich einmal mehr mit dieser Ausgangslage schwer. «Ich kann mich nicht auf Gänge einstellen, die ich nicht gewinnen muss», erklärt er nachdenklich. «Das ist für mich Neuland.»
Normalerweise gehe er mit dem Ziel ins Sägemehl, den Gegner zu besiegen. Im Schlussgang gegen Schlegel sei das anders gewesen. «Du überlegst dir plötzlich, wie du dich hinstellen musst, damit er nicht gut angreifen kann. Normalerweise stehe ich so hin, dass ich gewinnen kann.» Dieses Problem muss Ott schnellstmöglich in den Griff bekommen. Die nächste Chance auf einen Festsieg bietet sich ihm in zwei Wochen auf dem Weissenstein.
Die Abkühlung
Das Festgelände des Nordostschweizer Schwingfestes in Güttingen TG liegt unweit des Bodensees. In den Luftaufnahmen schimmert dieser türkisblau wie das Meer. Und lädt nach dem Fest – in der prallen Sonne herrschen 45 Grad – zum Abkühlen ein. Das lassen sich einige Schwinger nicht entgehen – etwa die beiden Schlussgänger Werner Schlegel und Damian Ott. Auf Instagram teilen sie einen Schnappschuss, der sie beim Abstecher ins kühle Nass zeigt.
Die verletzten Eidgenossen
Sven Schurtenberger, Curdin Orlik, Marcel Räbsamen und Jeremy Vollenweider teilen ein Schicksal: Die Saison der Eidgenossen ist verletzungsbedingt vorzeitig zu Ende gegangen. Nun fällt der nächste längere Zeit aus. Steve Duplan teilt via Social Media mit, dass er sich das Kreuzband und den Innenmeniskus gerissen hat. Und das nicht erst vor kurzem. «Nach Auswertung der Aufnahmen stellte sich heraus, dass das Band bereits seit zwei Jahren gerissen war, was zu einer starken Arthrose im Gelenk geführt hat», erklärt der 28-Jährige. Am Freitag ist der Südwestschweizer Eidgenosse operiert worden. Erst in einem Jahr wird er ins Sägemehl zurückkehren, so Duplan.
Die Kilchberg-Champions
Am Nordostschweizer hätte es zum Gipfeltreffen der Kilchberg-Champions kommen sollen. Doch Samuel Giger musste seine Teilnahme absagen. So ist nur ein Duo dabei. Fabian Staudenmann bekommt mit König Armon Orlik und Domenic Schneider am Morgen zwei starke Gastgeber vorgesetzt. Und kann beide nicht bezwingen. Diese Gestellten werfen ihn aus dem Rennen um den Festsieg. Weil er daneben viermal gewinnt, holt er als Vierter den Kranz und komplettiert seine Teilverbandsfest-Sammlung. Und Damian Ott? Der hat nach vier Gängen das Punktemaximum auf dem Konto und kommt dann ebenfalls gegen König Orlik nicht über einen Gestellten hinaus. Dennoch zieht er in den Schlussgang ein – wo er die dritte Saisonniederlage kassiert. Zum zweiten Mal heisst sein Bezwinger Werner Schlegel. Ott wird Zweiter.