Darum gehts
- Genf möchte das ESAF 2031 auf dem zentralen Plainpalais-Platz austragen
- Nun grätscht die Stadt dazwischen – das Projekt sei unverhältnismässig
- Wird eine Einigung gefunden? Bis Ende August muss Klarheit herrschen
Es ist wohl die mit Abstand verrückteste ESAF-Kandidatur in der Geschichte des Schwingsports. Die Genfer möchten den Grossanlass im Jahr 2031 auf dem Plainpalais-Platz durchführen. Dieser liegt mitten in der Stadt, knapp zwei Kilometer vom weltberühmten Jet d’Eau im Genfersee entfernt.
Bis Ende April mussten alle drei Südwestschweizer Kandidaturen die Fragen der Expertengruppe des Verbands beantworten. Ob die Genfer Idee aber auch wirklich im März 2027 zur Wahl steht, ist unklar. Denn die Stadt stellt sich, im Gegensatz zur Regierung des Kantons Genf, gegen das Projekt, wie nun bekannt wird.
Eine Arena wie ein Lego-Set
Sie bezeichnet die Vorstellung eines ESAF in dieser Form gegenüber Blick als «völlig unrealistisch». Der Plan ist es, auf dem Plainpalais-Platz eine 47’000 Zuschauer fassende Arena aus Schweizer Holz zu bauen.
Die Konstruktion ist wie ein Lego-Set konzipiert. Die Elemente werden in einer Werkstatt vorgefertigt und vor Ort montiert. Dadurch müssen auf dem Festgelände nur noch Schrauben und Muttern angezogen werden, sodass für die Anwohner kaum zusätzlicher Lärm entsteht.
Dieser Umstand kann die Stadt jedoch nicht besänftigen. «Als Eigentümerin von Plainpalais ist die Stadt Genf der Ansicht, dass ein solches Projekt unverhältnismässig ist und zu grosse Auswirkungen und Belästigungen für die Anwohner mit sich bringt», erklärt Cédric Waelti, Kommunikationsverantwortlicher der Stadt Genf.
Klare Ansage: «Steht nicht zur Debatte»
An einem ESAF-Wochenende werden in der Regel um die 300’000 Besucher erwartet. Die Stadt sieht deshalb ein Platzproblem. «Wir glauben, dass die Plaine de Plainpalais diese Menschenmenge mitten in der Innenstadt nicht aufnehmen kann.»
Das letzte Eidgenössische Schwingfest in Mollis erstreckte sich über 70 Hektar, die Plaine de Plainpalais verfügt über sieben Hektar. «Ein Dossier, das sich ausschliesslich auf diesen Standort stützt, steht für die Stadt Genf deshalb nicht zur Debatte.» Dies habe man dem Genfer Schwingerverband erklärt und ihm vorgeschlagen, eine Alternative im Umland zu prüfen.
Festmeile nicht direkt bei der Arena
Projektleiterin Isabelle Emmenegger kann die Sorgen verstehen. Betont aber, dass auf der Plaine de Plainpalais nur die Infrastruktur für den Schwingbetrieb stehen soll. «Die Festmeile planen wir am See entlang. So verteilen sich die Zuschauer.»
Sollte die Stadt den Platz nicht freigeben, wäre das gleichbedeutend mit dem Aus für die Genfer Kandidatur. «Wir können nur gewinnen, wenn wir etwas Spezielles machen. Mit einer normalen Arena ausserhalb der Stadt wären wir chancenlos.»
Die Zeit drängt – es bleiben keine vier Monate
Das würde heissen, dass die Kandidaturen aus dem Wallis und aus Neuenburg verbleiben. Beide wählten einen traditionellen Ansatz .Das Konzept der Walliser ähnelt dem des ESAF in Mollis.
Ihre Arena soll auf dem Flugplatz zwischen Raron und Visp aufgebaut werden. Auch Neuenburg hat sich für einen Standort in der Natur entschieden. Das ESAF ist im Dorf Colombier geplant – eingebettet zwischen Rebbergen und dem Neuenburgersee.
Den Genfern bleibt noch etwas Zeit und die Hoffnung, dass doch noch eine Lösung gefunden wird. «Wir glauben weiter daran, dass dieses Projekt realisiert werden kann, der Dialog wird fortgeführt und es sind diesbezüglich auch weitere Treffen geplant.» Bis Ende August muss alles geklärt sein. Dann ist der Abgabetermin für die endgültige Kandidatur.