Nach dem ESAF in Mollis ist vor dem ESAF in Thun. 2028 werden sich die besten Schwinger im Berner Oberland um die Königskrone streiten. Und drei Jahre später? Diese Entscheidung fällt an der Abgeordnetenversammlung im März 2027. Aktuell läuft im Hintergrund ein heisser Dreikampf. Allein für die Kandidaturphase geben die drei Bewerber aus der Südwestschweiz ca. 400'000 Franken aus. Blick stellt ihre Visionen vor.
Neuenburg
Bereits 2016 bewarb sich der Kanton um die Austragung des ESAF. Damals setzte sich jedoch Estavayer durch. «Wir waren gut aufgestellt, aber der inoffizielle Turnus kam Freiburg zugute», sagt Kandidatur-Präsident André Duvillard. Nun folgt der zweite Anlauf, und diesmal wäre Neuenburg an der Reihe.
Der Wettkampf soll im Dorf Colombier zwischen Rebbergen und dem Neuenburgersee ausgetragen werden. Das rund 70 Hektar grosse Festgelände liegt direkt am Wasser. Zum Projekt gehört auch ein Flugplatz, ähnlich wie beim ESAF in Mollis. Die geplante Arena bietet Platz für 52’000 Zuschauer und könnte bei Bedarf auf 56’000 erweitert werden.
Spezielle Pläne mit dem Schloss
Der Verkehr wäre dabei kein Problem, sind sich die Verantwortlichen sicher. Die Autobahn liegt in unmittelbarer Nähe, zudem verbindet eine Zugstrecke Colombier direkt mit der Stadt Neuenburg. Auf dem nahe gelegenen Waffenplatz gäbe es genügend Campingmöglichkeiten.
Ein besonderes Element der Kandidatur ist das Schloss Colombier. Der historische Bau soll ins Fest integriert werden. Denkbar ist etwa die Fahnenübergabe. «Das wäre eine tolle Sache», ist sich Duvillard sicher.
Die Verantwortlichen erhielten positive Signale sowohl von Kanton und Bevölkerung als auch vom Schwingerverband. Bereits 1908 fand das ESAF in Neuenburg statt. «Nach 123 Jahren ist es an der Zeit, dass es zurückkehrt.»
Wallis
Nach mehreren eidgenössischen Grossanlässen will der Kanton nun auch das ESAF ausrichten. Der Austragungsort soll zwischen Raron und Visp liegen. Dort steht um den Flugplatz eine zusammenhängende Fläche von rund 150 Hektar zur Verfügung, wovon lediglich 70 bis 80 Hektar für das Festgelände benötigt würden.
Die Dimensionierung der Arena orientiert sich am ESAF in Mollis. «Wir verfügen über einen idealen Standort mit kurzen Wegen und hervorragenden logistischen Voraussetzungen», sagt Co-Präsident Pierre-Alain Grichting.
Gleich drei Bahnhöfe liegen in unmittelbarer Nähe des Festgeländes – zwei davon sind in rund 20 Gehminuten erreichbar. Der öffentliche Verkehr soll das Rückgrat des An- und Abreisekonzepts bilden.
Zwei Männer an der Spitze
Das Wallis versteht sich als Brücke zwischen der Deutsch- und der Westschweiz – und will genau diesen nationalen Zusammenhalt am ESAF sichtbar machen.
Getragen wird das Projekt von den beiden Co-Präsidenten Grichting und Egon Furrer sowie einem Kernteam. «Wir können in allen Bereichen auf grosse Erfahrung zählen.»
Nach der erfolgreichen Durchführung des Eidgenössischen Schützenfests 2015 in Raron oder des Eidgenössischen Jodlerfests 2017 in Brig-Glis soll nun das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest ins Wallis kommen.
Genf
Es ist das mit Abstand spektakulärste Projekt unter den drei Kandidaturen. Die verrückte Idee des Organisationskomitees: das ESAF erstmals in der Geschichte nach Genf zu holen und mitten in der Stadt auszutragen. «Wir wollen Stadt und Land vereinen», erklärt Projektleiterin Isabelle Emmenegger.
Geplant ist eine Arena (Schweizer Holzkonstruktion) gegen 50’000 Zuschauer – mitten im urbanen Raum, eingebettet in bestehende Infrastrukturen. «Ein Fest der kurzen Wege mit Tram, Bus oder zu Fuss. Das ist einzigartig.» Statt auf provisorische Grossbauten setzt Genf bewusst auf vorhandene Anlagen.
Das Budget soll dadurch tiefer ausfallen als bei den letzten Austragungen. Das Ziel ist es, auch die Ticketpreise günstiger zu gestalten und das Bahnbillett darin zu integrieren. Die Umrisse der Kandidatur sind bereits deutlich erkennbar. Noch fehlen ein paar wenige Puzzleteile.
Positives Feedback
Der Standort der Arena wird in diesen Tagen finalisiert, ebenso laufen letzte Abklärungen zur Organisation der Festivitäten. «Vieles ist geklärt, einzelne Elemente ergänzen wir derzeit noch», so Emmenegger. In den kommenden Wochen soll Klarheit herrschen.
Bei einer ersten Inspektion habe sich der Schwingerverband positiv zum Ansatz Genfs geäussert. Nun darf man gespannt sein, wie das Schwinger-Volk auf diese verrückte Idee reagieren wird.